Konjunktureinbruch, Deflation und Problemkredite belasten Japans Banken
Kein Ende der Bankenkrise in Sicht

Ein Ende der Bankenkrise ist in Japan weiterhin nicht in Sicht, eine erneute Kapitalzufuhr durch den Staat erscheint deshalb unvermeidlich.

TOKIO. Die von den 16 größten Banken vorgelegten Abschlüsse für das Geschäftsjahr 2000/01 (per 31.3.) zeigen vor allem zweierlei: Die Banken sind einerseits weiterhin nicht in der Lage, mit den Erträgen im operativen Bereich die Bewältigung ihrer Problemkredite zu finanzieren. Ob ihnen dies, wie jetzt angekündigt, im laufenden Rechnungsjahr gelingt, muss bezweifelt werden. Sieben Institute, insbesondere die zur Spitzengruppe gehörende Bank of Tokyo-Mitsubishi und die Sanwa Bank, schreiben so unter dem Strich rote Zahlen.

Darüber hinaus hat die seit Herbst vergangenen Jahres erneut verschlechterte Konjunktur das Problemkreditvolumen um ein Fünftel anschwellen lassen.



Das von den 16 Banken ausgewiesene Problemkreditvolumen liegt mit rund 18 Bill. Yen um gut ein Prozent über dem Vorjahreswert, obwohl die Abschreibungen im Laufe des Rechnungsjahres gegenüber der ursprünglichen Planung um das 2,5-fache auf 4,7 Bill. Yen aufgestockt wurden.



Markant abweichend vom Gesamttrend weist die neugebildete Mitsubishi Tokyo Financial Group sogar einen um fast 50 Prozent über dem Vorjahreswert liegenden Problemkreditbestand aus. Hierzu räumte Vorstandsmitglied Tatsunori Imakawa ein, dass die bisherige Klassifizierung der Kredite "zu nachsichtig" gewesen sei. Die Hälfte des Anstiegs beruhe allerdings auf neuen Problemfällen bei Klein- und Mittelbetrieben, vorrangig aus dem Groß- und Einzelhandel sowie der Immobilienwirtschaft.



Dies zeigt, dass die Angaben der Banken sowohl zu ihren Problemkrediten als auch zum Sicherheitenwert weiterhin mit großer Skepsis zu betrachten sind.



Mit Beginn des laufenden Geschäftsjahres hat sich die Lage bei den Kreditkunden der Banken weiter verschlechtert: Nach Einschätzung von Katsuyuki Kumagai, Chef der Research der führenden Kreditauskunftei Teikoku Data Bank, zeichnet sich für die kommenden Monate nach Auslaufen des staatlichen Garantieprogramms für Klein- und Mittelbetriebe eine neue Konkurslawine ab. Der anhaltende Preisverfall bei Immobilien führt zudem zu einem weiteren Wertverfall der hereingenommenen Sicherheiten.



Die von Ministerpräsident Junichiro Koizumi geplante beschleunigte Bereinigung der Bankbilanzen von Problemkrediten um rund 12 Bill. Yen gilt als völlig unzureichend und ist zudem umstritten. Selbst Japans Finanzaufsicht bezifferte erst im April das tatsächliche Problemkreditvolumen im gesamten Finanzsystem auf über 150 Bill. Yen.



Trotz gegenteiliger Erklärungen dürfte es daher nach den Oberhauswahlen Ende Juli zu Entscheidungen über eine weitere Kapitalzufuhr durch den Staat kommen. Yasuhisa Shiozaki, Bankenexperte in der regierenden Liberaldemokratischen Partei, hält eine Kapitalspritze von 15 Bill. Yen für erforderlich.



Dies ist deshalb unerlässlich, da die Banken die Bewältigung des Problemkreditvolumens weiterhin nur mit dem Verkauf ihres Wertpapierbesitzes finanzieren können.

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