Konjunkturelle und politische Risiken gefährden den Börsenaufschwung der vergangenen Woche
Kursanstieg der Börsen steht auf wackligen Fundament

Trotz des Dämpfers am Freitag haben die Aktienmärkte eine Woche kräftiger Kursgewinne hinter sich. Die Leitbörsen in den USA, in Europa und Asien haben ihre Verluste seit den Terroranschlägen am 11. September fast wieder aufgeholt. So mancher Investor hofft bereits, dass die anderthalb Jahre währende Baisse nun bald vorbei ist.

Doch der Kursaufschwung ruht auf äußerst wackligem Fundament. Das zeigte sich bereits am Freitag, als gemischte US-Konjunkturdaten die Börsen belasteten. Zwar überraschte das gestiegene US-Verbrauchervertrauen positiv, doch Einzelhandelsumsätze und Erzeugerpreisentwicklung fielen schwach aus. Das genügte, um den Aufwärtstrend vorerst zu stoppen.

Investoren sollten sich auf anhaltende Unsicherheit und starke Kursschwankungen einstellen. Konjunkturelle und politische Risiken können die jüngste Erholung an den Börsen schnell wieder beenden, die primär von psychologischen Faktoren angetrieben wurde. Zeitweise schien bei einigen Investoren statt Panik schon wieder Gier zu herrschen. Genauer: Die Angst, den Aufschwung zu verpassen, siegte über die Angst, im Abschwung zu leiden. Doch die Stimmung kann leicht wieder ins andere Extrem umschlagen.

Entscheidend für das kurzfristige Verhalten der Investoren sind seit dem 11. September die Terroranschläge und der Kampf gegen den Terror. Das zeigt sich auch daran, dass die Kursentwicklung seitdem Parallelen zum Börsentrend während des Golfkonflikts aufweist.

Ähnliche Situation im Golfkrieg

Nach dem Einmarsch irakischer Truppen am 2. August 1990 in Kuwait stürzten die Aktienkurse zunächst ab. Die damaligen Ängste der Investoren ähnelten zum Teil den aktuellen Sorgen: Sie betrafen die Gefahr einer regionalen Eskalation, einer gestörten Ölversorgung und möglicher Terroranschläge in westlichen Ländern. Mit dem Angriff der Alliierten am 17. Januar 1991 begann jedoch eine kräftige Kurserholung. Denn es zeichnete sich schnell ab, dass die USA und ihre Verbündeten den Krieg gewinnen würden und dass die schlimmsten Befürchtungen übertrieben waren.

Auch nach den US-Terroranschlägen vor fast fünf Wochen brachen die Börsen ein. Investoren reagierten geschockt. Experten warnten vor möglichen Folgen, die von einem starken Anstieg des Ölpreises über einen Krieg im Nahen Osten bis hin zu einem Ende der Globalisierungswelle reichten. Wenig später erwiesen sich indes manche dieser Horrorszenarien als wenig wahrscheinlich.

Damit war der Weg frei für die jüngste Kurserholung, ausgelöst durch erleichterte Investoren, die erneut Aktien kauften. Dennoch bleiben die politischen Risiken hoch. Schließlich weiß niemand, wie der Kampf gegen den Terror weiter geht.

Ölpreis spielt eine wichtige Rolle

Hinzu kommen die konjunkturellen Unwägbarkeiten. So vermuten inzwischen viele Volkswirte, dass die USA sich in einer Rezession befinden oder kurz davor stehen. Die Gewinne der US-Unternehmen sind bereits im zweiten Quartal stark eingebrochen - als die Experten noch vom "Soft Landing", einer weichen Landung der Konjunktur, sprachen. Falls die Wirtschaft der Vereinigten Staaten schrumpft, dürften die Firmen weit stärker leiden.

Eine wichtige Rolle spielt auch der Ölpreis. Sollte er doch noch steigen, würde dies die Industriestaaten in einer ohnehin heiklen Konjunkturlage zusätzlich belasten.

Natürlich steht den Belastungsfaktoren auch eine Reihe positiver Einflüsse gegenüber. Dazu zählt etwa die Erwartungshaltung der Investoren, die ihre Einschätzung stark nach unten korrigiert haben. Sie werden daher auf neue schlechte Nachrichten nicht sofort mit Verkäufen reagieren.

Gemischtes Bild für die Aktienmärkte

Zudem schwimmen die Finanzmärkte nach den Zinssenkungen der großen Notenbanken in überschüssiger Liquidität. Ein großer Teil des Geldes, das die Zentralbanker derzeit in den Markt geben, wird wegen der Konjunkturschwäche nicht unmittelbar zum realen Gütertausch benötigt. Gleichzeitig sorgen bislang niedrige Inflationsraten dafür, dass die zusätzlichen Gelder nicht entwertet werden.

Irgendwo muss die überschüssige Liquidität angelegt werden. Dabei finden Investoren äußerst niedrige Zinsen für geldmarktnahe Fonds vor, und auch Anleihen bieten nur begrenztes Kurspotenzial. Daher scheint es wahrscheinlich, dass ein Teil der Barreserven auf kurz oder lang in die Aktienmärkte fließt.

Strittig ist, ob das stark gesunkene Kursniveau der Börsen inzwischen zu günstigen Bewertungen geführt hat. Im Vergleich zu Anleihen scheinen Aktien zwar historisch niedrig bewertet. Betrachtet man jedoch das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kann man nicht von Kaufkursen sprechen.

Somit ergibt sich insgesamt ein gemischtes Bild für die Aktienmärkte. Es scheint daher verfrüht, von einer nachhaltigen Trendwende zu sprechen. Negative Konjunkturdaten stoppten den Aufschwung vorerst.

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