Konjunkturflaute
Geschäftserwartungen des Mittelstands getrübt

Die Konjunkturflaute hat auch den deutschen Mittelstand voll erwischt. Im Herbst 2001 hätten sich die Geschäftslage und die Erwartungen der mittelständischen Unternehmen stark verschlechtert, heißt es in einer Umfrage der DZ Bank unter 2500 Unternehmen, die am Mittwoch in Frankfurt vorgestellt wurde.

dpa FRANKFURT/MAIN. "Die Stimmung im Mittelstand hat sich seit dem Frühjahr massiv eingetrübt", sagte Michael Heise, Chefvolkswirt der DZ Bank. Wie in anderen Wirtschaftsbereichen weltweit seien auch hier "Träume zerborsten".

So ist der Anteil der Unternehmen, die ihre Lage als gut oder sehr gut beurteilen, im Vergleich zum Frühjahr um 5 %punkte auf 62 % gesunken. Die Geschäftserwartungen für das nächste Halbjahr fielen auf den niedrigsten Stand seit Mai 1998. Insbesondere die exportabhängigen Sparten, die bis vor Kurzem noch eine gute Branchenkonjunktur gemeldet hatten, blicken pessimistisch in die Zukunft.

Die schlechtesten Noten verteilte die Baubranche. Dagegen schätzt der im Frühjahr infolge der BSE-Krise und der Maul- und Klauenseuche ins Schleudern geratene Ernährungs- und Agrarsektor seine Lage im Herbst wieder wesentlich optimistischer ein. "Durch den Schwenk in der Agrarpolitik erhoffen sich die Unternehmen neue Geschäftsmöglichkeiten", sagte Heise.

Die Investitionen sind der Umfrage zufolge weiter in den Hintergrund getreten. Wenn Investitionen geplant sind, dann hauptsächlich für Ersatzteile zu bestehenden Anlagen und weniger für den Ausbau von Kapazitäten.

Die Personalsituation habe sich in allen Branchen und unabhängig von der Größe der Unternehmen verschlechtert. Vor allem in den Chemie-, Metall- und Elektrobranchen wurden die Personalplanungen nach unten korrigiert. Von allen befragten Unternehmen wollen 18 % in den kommenden sechs Monaten Stellen schaffen, 22 % wollen Personal abbauen.

Dennoch wird weiter über einen Mangel an Fachkräften geklagt. Nahezu die Hälfte gab an, Stellen mit Fachkräften nicht besetzen zu können. 42 % der Unternehmen sehen dadurch ihr Wachstum blockiert. Größtes Problem bei der Stellenbesetzung ist die fehlende Qualifikation der Bewerber.

In der momentanen Konjunkturkrise sei der Mittelstand aber weiterhin "ein stabilisierender Faktor für die deutsche Wirtschaft", sagte Heise. Mit einem gesamtwirtschaftlichen Aufschwung rechnet der Experte im zweiten Halbjahr 2002. Alarmierend sei die allerdings die Situation auf dem Arbeitsmarkt. Heise warnte vor einem so genannten "Sockeleffekt". Man müsse aufpassen, dass in der Krise nicht mehr Arbeitsplätze abgebaut werden, als bei einem erneuten Aufschwung wieder geschaffen werden. Für das kommende Jahre rechnet der Volkswirt mit durchschnittlich 4 Mill. Arbeitslosen in Deutschland.

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