Konjunkturindikatoren beeinflussen die Entwicklung kaum
Unsicherheiten beherrscht den Devisenhandel

Die Unsicherheiten über die politischen und wirtschaftlichen Folgen der Anschläge in den USA haben am Freitag weiter den Devisenhandel bestimmt. Händler taten sich schwer, einzelne Kursausschläge des Euro im Handelsverlauf an bestimmten Einflüssen fest zu machen.

Reuters FRANKFURT. Es sei erstaunlich, dass der Euro noch nicht deutlicher von den Ereignissen in den USA profitiert habe, sagte ein Händler. Teilweise hätten die starken Gewinne des schweizer Franken zum Dollar die Kursschwankungen ausgelöst. Konjunkturindikatoren wie der etwas schwächer als erwartet ausgefallene Ifo-Geschäftsklimaindex für August beeinflussten die Kurse zurzeit wenig. Zum Yen erhielt der Dollar erneut Unterstützung durch eine Intervention der japanischen Notenbank (BOJ).

P>Gegen 11.25 Uhr MESZ kostete ein Euro 0,9217/21 (US-Schlusskurs: 0,9272/76) $. Zur japanischen Währung notierte der Euro bei 107,57/67 Yen. Der Dollar lag zum Yen bei 116,40/50 Yen nach einem Schlusskurs am Donnerstag von 116,19/27 Yen.

Einzelne Kursausschläge zu begründen sei angesichts der großen Unsicherheiten, die den Markt beherrschten, schwierig, sagten Händler. "Der große Unsicherheitsfaktor ist nach wie vor: Wie reagiert die USA auf die Anschläge", sagte ein Händler. Auch die weitere Entwicklung der US-Wirtschaft werde aufmerksam verfolgt. "Alles schaut wie gebannt auf die Aktienkurse", sagte der Händler.

Kursanstieg des Euro ist nur eine Frage der Zeit

Weitere Kursgewinne des Euro sind nach Einschätzungen von Händlern nur eine Frage der Zeit. Auch eine Militäraktion der USA könnte eher den Euro stützen. "Anders als im Golfkrieg sind die USA dieses Mal selbst die Betroffenen, nicht die Retter", sagte ein Händler. Zudem könnten Investoren wegen der schwächeren US-Wirtschaft Geld aus Anlagen in den USA abziehen und in der Euro-Zone investieren. "Wenn man bedenkt, wie viel Geld in den vergangenen Jahren in die USA geflossen ist, kann man sich vorstellen, was passiert, sollte auch nur ein Bruchteil abgezogen werden", sagte ein Händler. "Das hängt wie ein Damoklesschwert über dem Markt."

Zwischenzeitliche Kursverluste des Euro erklärten Händler mit dem Anstieg des schweizer Franken zum Dollar. "Der Euro-Dollar-Handel waren Transmissionsriemen für die Dollar-Franken-Bewegung", sagte ein Händler. Anleger verkauften Euro gegen $, um diese dann gegen Franken wieder zu verkaufen. Die schweizer Währung gewann auch am Freitag zu den anderen Währungen. Der $ fiel auf ein 20-Monatstief bei einem Kurs von 1,570 Franken. Der Euro rutschte auf ein Allzeittief bei 1,4500 Franken.Die schweizer Währung gilt Händlern zufolge bei vielen Anlegern zurzeit als einzig wirklich sicherer Hafen.

Andere Indikatoren interessen jetzt kaum

Konjunkturindikatoren wie dem Ifo-Index maßen die Händler derzeit wenig Bedeutung zu. Im Moment seien die Unsicherheiten infolge der Anschläge zu hoch. "In drei bis vier Wochen wird man die Indikatoren wieder hervorkramen, jetzt interessieren sie kaum", sagte ein Händler. Der Ifo-Geschäftsklima-Index sank im August auf 89,5 Punkte von 89,8 im Juli. Analysten hatten einen unveränderten Wert prognostiziert, aber auch darauf hin gewiesen, dass einige Antworten nach den Anschlägen eingegangen seien, was die Aussagekraft des Index eingeschränke.

Auch zum Yen blieb der $ weiter unter Druck, obwohl die BOJ zum dritten Mal in dieser Woche zu Gunsten der US-Währung intervenierte. Analysten zufolge gab der japanische Handelsminister Takeo Hiranuma dem Markt einen neuen Zielkurs für den Yen vor, indem er daraufhinwies, dass ein Kurs von unter 115 Yen zum Dollar die japanischen Exporte stark bedrohe. "Jetzt, da er dieses Niveau genannt hat, wird der Markt vermutlich versuchen, den Yen dorthin zu drücken, sagte Takayuki Togawa von der Tokai Bank. Der japanische Finanzminister Masajuro Shiokawa schloss unterdessen weitere Devisenmarktinterventionen nicht aus.

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