Konjunkturnotprogramm
Hoffen auf Staatshilfe verhilft Tokios Börse zu kräftigem Gewinn

Ausgerechnet der verschuldete japanische Staat erscheint für die Börsianer in ihrer Panik jetzt als der letzte Strohhalm. Finanzminister Kiichi Miyazawa fand sich am Donnerstag in der Rolle eines Notarztes für die siechende Tokioter Börse wieder.

dpa-afx TOKIO. Sein zitierter Vorschlag einer Staatsgarantie für einen geplanten privaten Börsenstützungfonds löste eine Kehrtwende an der Börse aus, wie sie der gebeutelte Markt selten gesehen hat. Am Ende des hektischsten Handelstages, den Tokios Börsianer in diesem Jahr bisher erlebten, wurde aus einem 400 Punkte-Verlust ein 300 Punkte-Gewinn.

"Grundsätzlich ist es eine schlechte Idee, wenn die Regierung eines Landes mit einer freien Wirtschaft in den Markt eingreift", sagte Kiyoshi Kimura von Tokai Bank, der Agentur Kyodo. Aber in einer Lage wie dieser habe der Markt positiv reagiert, da eine internationale Finanzkrise drohe, würde die japanische Regierung jetzt nichts gegen die Krise unternehmen, meinte Kimura. Sein Kollege Kazunori Jinnai von Daiwa Securities, stimmte zu: Berichte über den Vorschlag des Finanzministers seien für Tokios Börse, die sich auf einer "Intensivstation" befunden habe, wie eine Injektion gewesen.

Fonds soll Druck auf die Börse nehmen

Finanzminister Miyazawa hatte Medienberichten nach während der Sitzung eines neuen Krisenstabes der Regierung einen Vorschlag unterbreitet, wonach der Staat öffentliche Gelder für einen von der Regierung geplanten Privatfonds zur Stützung der Börse einbringen könnte. Nach den Vorstellungen der Regierung soll der Fonds aus Beiträgen von Banken und anderen Privatfirmen zustandekommen und Aktien vom Markt kaufen, um den Druck auf die Börse in Folge von Auflösungen von Überkreuzbeteiligungen zu mindern.

Der Fonds ist Teil eines von der Regierung am Freitag gezurrten Konjunkturnotprogramms. Mögliche Verluste für den Privatfonds in Folge der Aktienaufkäufe könnten nach dem Vorschlag des Finanzministers durch den Staat finanziell gedeckt werden.

Auch Zentralbank-Gouverneur Masaru Hayami trug sein Scherflein zu der rasanten Wende an der Börse bei. Medienberichten zufolge deutete er die Möglichkeit an, bei der Zentralbankssitzung am kommenden Montag die Geldpolitik weiter zu lockern, um der schwachen Wirtschaft zu helfen. Hayami habe jedoch offen gelassen, ob die Notenbank wieder zu ihrer "Nullzins-Politik" zurückkehren werde, die sie erst im August aufgegeben hatte. Hayami steht nicht nur unter wachsenem Druck, die Zinsen weiter zu senken, sondern wird auch erneut für seine Entscheidung im August kritisiert.

Bonität der Banken auf dem Prüfstand

Hayami hatte die erste Zinsanhebung seit zehn Jahren mit einem aus seiner Sicht schwindenen Deflationsdruck erklärt. Politiker hatten dies als viel zu verfrüht bezeichnet. Inzwischen hat die Zentralbank bereits zwei Mal die Leitzinsen wieder gesenkt. Der Nikkei-Index legte um 2,6 % und überwand wieder die Marke von 12.000. Zum Handelsende notierte er mit 12.152,83 Punkten. Auch der marktbreitere und für die Banken maßgebliche TOPIX legte um 21,82 Punkte oder 1,9 % auf 1.183,79 Punkte zu. Die Ratingagentur Fitch hatte mitgeteilt, die Bonität von 19 japanischen Banken möglicherweise herabzustufen, woraufhin Banken unter Abgabedruck geraten waren.

Hoffnung machten am Donnerstag dann drei japanische Banken, die im April zur UFJ Holdings fusionieren: Sanwa, Tokai und Toyo Trust teilten mit, im bis Ende des Monats laufenden Geschäftsjahr zusammen mehr als eine Billion Yen (8,9 Mrd. Euro) fauler Krediten abschreiben zu wollen, deutlich mehr als die zuvor geplanten 580 Mrd. Yen. Dies weckte Optimismus, dass andere Institute folgen werden. Die Bereinigung der faulen Kredite im japanischen Bankensektor gilt als Kardinalaufgabe des Landes. Die Regierung will diesen Prozess nun mit ihrem Notprogramm beschleunigen.

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