Konjunktursorgen belasten weiter
Schwache Hoffnung auf eine Dax-Erholung

Nach den erneuten Tiefstständen beim Dax in der abgelaufenen Woche - und der Erholung zum Wochenende hin - regt sich erste Hoffnung im Markt, dass das Schlimmste hinter uns liegt. Doch diese Hoffnung selbst erscheint Manchen als schlechtes Vorzeichen: Bevor eine Baisse zu Ende geht, müsse es erst zu einer Kapitulation der Anleger kommen. Und diese sei derzeit noch nicht zu sehen. So gibt es ernst zu nehmende Befürchtungen, dass auch die jüngste Erholung nur eine weitere Bärenmarktrally darstellt, ein Atemholen vor weiteren Verlusten.

vwd FRANKFURT/M. Für diese vorsichtige Sichtweise spricht die Erfahrung aus den zurückliegenden Monaten. Auch die Bankgesellschaft Berlin teilt diese Meinung: "An den Aktienmärkten der Eurozone ist immer noch kein Boden in Sicht," heißt es dort. Stabilisierungsansätze, die es auch in der abgelaufenen Börsenwoche immer wieder gegeben hat, wurden durch neue Verkaufswellen gleich wieder zunichte gemacht. Völlig verpufft sind beispielsweise die deutschen Auftragseingangs- und Produktionsdaten, die einen kaum erwarteten Anstieg für August aufwiesen, oder die positiven Nachrichten aus der Automobilbranche.

Natürlich wäre es verfrüht, nun alle Konjunktursorgen beiseite zu schieben. Die Zahlen zeigen aber auch, dass die an der Börse teilweise als Gewissheit gehandelte Rückkehr der Rezession völlig übertrieben ist. Die vom Europäischen Statistikamt nach oben revidierten BIP-Zahlen für die Eurozone lassen für das zweite Quartal noch nicht einmal eine Wachstumsabschwächung erkennen. Allen Unkenrufen zum Trotz weist die Wirtschaft eine gewisse Robustheit auf, zumindest gibt es keine konkreten Anzeichen für ein Abrutschen in die Rezession.

Das Szenario einer holprigen Konjunkturerholung sollte sich daher als die wahrscheinlichste Variante erweisen. Ein großer Risikofaktor bleibt aber dennoch bestehen und hängt derzeit wie ein Mühlstein am Hals der Börse - ein möglicher Krieg gegen den Irak. Im Falle eines länger anhaltenden Krieges ohne Einbeziehung der Anti-Terror-Allianz könnte die Konjunktur durch stärker steigende Ölpreise und mögliche Belastungen des Welthandels tatsächlich in eine Rezession zurückfallen - verbunden mit weiteren negativen Konsequenzen für die Aktienkurse.

Die Hartnäckigkeit des Bärenmarktes lässt sich kaum anders erklären: Ein solch negatives Kriegsszenario scheint bereits eingepreist. Sollten aber die Konflikte im Nahen und Mittleren Osten weitgehend in kontrollierten Bahnen verlaufen, so dass sie die Aufschwungskräfte der Wirtschaft nicht stärker stören, wäre das keine Belastung. Angesichts der hohen Risikoabschläge, die in den Aktienkursen aufgrund der Kriegssorgen enthalten sind, bietet dies Szenario erhebliche Chancen. Unter solchen Bedingungen könnten dann auch die positiven Aspekte der Konjunktur, die bereits vorhanden sind, an der Börse eine größere Rolle spielen.

Auch wenn es für eine generelle Entwarnung noch zu früh scheint, so spricht doch einiges dafür, dass der Dax im Bereich um 2500 Stellen seinen Boden gefunden hat. Zwar kann kurzzeitig dieser Bereich wieder erreicht oder auch unterschritten werden, doch Stände deutlich darunter halten Marktbeobachter derzeit für nicht wahrscheinlich. Dafür spricht auch die Charttechnik. Nachdem der Dax durch die wichtige Unterstützung bei 3250 Punkten gefallen ist, hat er sich bis zu 3950 Stellen erholt. Der darauf folgende Abschwung bis hin zum Bereich 2500 entspricht in der Größe der Erholung und sollte damit das maximale Abwärtspotenzial markieren.

In der neuen Woche startet wieder die Berichtssaison der Unternehmen mit SAP, die am Donnerstag Drittquartalszahlen vorlegt. Von Konjunkturseite her interessant sind die US-Lagerbestände im August und die ZEW-Konjunkturerwartungen Oktober für Deutschland am Dienstag. Am Donnerstag folgen die US-Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung für September und der Philadelphia-Fed-Index Oktober. Am Freitag beschließen die US-Handelsbilanz August, das US-Realeinkommen September und die US-Verbraucherpreise September die Woche.

Spannend ist auch, ob es im Bereich Technologie Erholungstendenzen gibt. Aus diesem Sektor werden wichtige Hersteller ihre Geschäftszahlen bekanntgeben. Wichtig ist dabei auch die Book-to-Bill-Ratio September, die am Donnerstag veröffentlicht wird. Am gleichen Tag gibt es auch Zahlen von Microsoft, Sun Microsystems und Nokia. Bereits am Dienstag berichten Motorola, Philips und Intel und am Mittwoch IBM sowie Apple. Am Freitag kommt dann Ericsson. Diese Werte gelten als Trendindikatoren für eine mögliche Konjunkturbelebung. Sollten die Zahlen überwiegend über den Analystenschätzungen ausfallen, könnte das den Börsen weiteren Auftrieb verleihen.

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