Konkrete Prognose zur Hauptversammlung angekündigt – Erholung im Kerngeschäft, Probleme bei der Cateringtochter
Lufthansa ist wieder auf Gewinnkurs

Lufthansa ist im Kerngeschäft wieder auf Erholungskurs. Vorstandschef Jürgen Weber wird am Mittwoch einen operativen Gewinn zwischen 350 und 450 Millionen Euro in Aussicht stellen, erwarten Analysten. Doch die Probleme der Catering-Tochter LSG Sky Chefs machen der Airline auf Jahre hinaus zu schaffen.

FRANKFURT/M. Lufthansa-Chef Jürgen Weber muss am Mittwoch Farbe bekennen. Die deutsche Fluggesellschaft, die bisher eine Prognose für das laufende Jahr verweigerte, will auf ihrer Hauptversammlung in Köln die Karten auf den Tisch legen und eine präzise Gewinnschätzung abgeben. Bisher prophezeite Weber nur, das operative Ergebnis werde besser ausfallen als im Krisenjahr 2001. Insbesondere wegen des Desasters bei der Catering-Tochter LSG Sky Chefs hatte die Airline einen Rekordverlust vor Steuern in Höhe von 754 Mill. Euro vermelden müssen. Im Kerngeschäft Passage blieb die Kranich-Linie immerhin knapp im Plus.

Experten erwarten indes, dass Lufthansa im laufenden Jahr wieder deutlich in die Gewinnzone fliegen wird. Luftfahrt-Analysten rechnen mit einem operativen Gewinn zwischen 350 und 450 Mill. Euro. Die jüngsten Verkehrszahlen der Airline liefern Anzeichen für eine Erholung, im Mai lag das Passagieraufkommen nur noch um 5,7 % unter dem Vorjahresmonat. Insbesondere auf den Routen in Richtung Asien vermeldet Lufthansa seit Wochen wieder voll besetzte Flugzeuge. Ein weiterer Indikator, der nach oben zeigt: Die Frachttochter Lufthansa Cargo schaffte im Mai einen leichten Zuwachs um 1 % - es war der erste Anstieg der Luftfracht seit eineinhalb Jahren.

Grund zum Durchatmen gibt es bei Lufthansa gleichwohl noch nicht. Denn zunehmende Preiskämpfe im Heimatmarkt sowie vor allem die hausgemachten Probleme bei der Catering-Tochter LSG Sky Chefs machen der Airline zu schaffen. Für den Bordverpfleger hat der Konzern im Vorjahr enorme Rückstellungen in Höhe von 675 Mill. Euro gebildet: 495 Mill. Euro auf die im Juni 2001 teuer erworbene US-Firma Onex Food Services (Sky Chefs) sowie weitere 180 Mill. Euro für drohende Verluste aus dem Skandinavien-Geschäft.

Eine Prüfung der Konzernrevision legt nahe, der frühere LSG-Geschäftsführer Helmut Woelki habe bei der Expansion nach Skandinavien seine Sorgfaltspflichten verletzt. Die Airline macht derzeit Ansprüche aus einer Management-Versicherung gegen fahrlässige Pflichtverletzungen (Directors and Officers Liability Insurance) geltend, die das Unternehmen für seine Manager abgeschlossen hat. "Das Risiko ist bei einem größeren Konsortium und uns versichert", bestätigte ein Sprecher von Gerling. Allein Gerling müsste 5 Mill. Euro netto zahlen.

Zugleich wurden die vertraglichen Verbindungen der Airline zu dem früher gefeierte Ex-Chef der LSG, der nach seinem Ausscheiden im Dezember 2000 noch einen Beratervertrag von Lufthansa erhielt, vorzeitig gekappt. Über die Schadensersatzansprüche wollte sich die Lufthansa mit Verweis auf das "schwebende Rechtsverfahren" nicht äußern.

Woelki hatte die Tochtergesellschaft mit Zustimmung der Lufthansa-Führung zum weltweit größten Catering-Konzern ausgebaut - und sich offenbar am Ende Marktanteile um jeden Preis geholt. Um den einzig großen Konkurrenten Gate Gourmet zu verdrängen, ließ sich Woelki bei der Fluggesellschaft SAS auf gewaltige Nachlässe ein, die den Konzern nun jährlich rund 45 Mill. Euro kosten. Lufthansa will die Verträge nun nachbessern - bisher allerdings ohne Erfolg. Experten sind jedoch zuversichtlich, dass Lufthansa einen Kompromiß mit ihrem Star-Alliance-Partner in Skandinavien finden wird. Finanzvorstand Karl-Ludwig Kley erklärte auf der Bilanzpressekonferenz jedenfalls unverdrossen: "LSG Sky Chefs wird uns noch viel Freude machen."

Ärger indes bereiten zusehends die Billigfluglinien, die dem Konzern im Metropolenverkehr die Preise verderben wollen. Die irische Ryanair, die deutsche Fluggäste bisher nur von Provinzflughäfen abholt, macht dem Platzhirsch dabei weniger zu schaffen. Sollte aber Easyjet wie angekündigt die Deutsche BA übernehmen, droht der Preiskampf voll auszubrechen. Denn die britische Airline fliegt - genau wie Lufthansa - in erster Linie Metropolen an und ist deshalb vor allem für vielfliegende Geschäftsreisende interessant. Offiziell ist die Billig-Konkurrenz für Lufthansa-Chef Weber zwar kein Thema: Unlängst warnte der Vorstandschef im Wettbewerb der Fluggesellschaften noch vor einer "Billigpreis-Hysterie". Fallende Preise im Inlandsverkehr sprechen jedoch eher dafür, dass der Wettbewerb allmählich in Gang kommt: Lufthansa hat den günstigsten Tarif von 143 Euro für einen Hin- und Rückflug gerade erneut auf 111 Euro gesenkt.

Quelle: Handelsblatt

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