Konkurrent erwägt rechtliche Schritte
German Parcel kapert Teile des DPD

Mit dem überraschenden Einstieg beim Konkurrenten DPD hat der Branchenvierte German Parcel die deutsche Paketbranche in Aufruhr versetzt. Der neue Anteilseigner stößt beim Wettbewerber auf energischen Widerstand. DPD will sich möglicherweise rechtlich gegen die Transaktion der Konkurrenz wehren.

hz FRANKFURT/M. Der Paketdienstleister German Parcel wirbelt den Paketmarkt in Deutschland durcheinander: Das seit Anfang 1999 zur staatlichen britischen Post gehörende Unternehmen will mit rund 10 % beim Konkurrenten Deutscher Paket Dienst (DPD) einsteigen und stößt damit auf erbitterte Gegenwehr beim Wettbewerber. Der Deutsche Paket Dienst GmbH & Co. sträubt sich gegen die Veräußerung an den Konkurrenten und erwägt rechtliche Schritte gegen den Deal.

German Parcel will sechs Standorte von DPD übernehmen

Der Verkauf sei ein "Verstoß sowohl gegen den Franchise- als auch gegen den Gesellschaftsvertrag", klagte das Aschaffenburger Unternehmen. Die Briten erhielten mit dem Einstieg bei DPD Einblick in die Strategien und Planungen des Wettbewerbers. Dies stelle einen "nicht hinnehmbaren Eingriff in den Wettbewerb der Paketdienste dar". German Parcel will vom bayerischen Logistikunternehmen Dachser mit Wirkung zum 1. August sechs der 64 Standorte des DPD übernehmen. Die Filialen, die vor allem in Bayern liegen, würden aber selbstständig als DPD-Vertriebsorte weiterbetrieben.

Französische Post mit 50,5 % der Stimmrechte bei DPD beteiligt

Die Aufregung bei DPD kommt nicht von ungefähr: Bisher ist am Paketdienst neben mittelständischen Spediteuren vor allem die französische Post mit allein 50,5 % der Stimmrechte beteiligt. Nun sind die Franzosen von dem britischen Vorstoß kalt erwischt worden. Schließlich ist es das erklärte Ziel von Claude Bourmand, Präsident der La-Poste-Gruppe, den DPD unter französische Kontrolle zu bringen. Dafür sind aber auf Grund der DPD-Satzung 75 % der Anteile erforderlich, wie DPD-Geschäftsführer Arnold Schroven dem Handelsblatt sagte.

Weitere Anteilskäufe geplant

Der Ärger könnte noch größer werden. Denn German-Parcel-Chef Rico Back schloss nicht aus, dass die Neuensteiner Kuriere auch nach weiteren DPD-Anteilen greifen werden: "Wir wollen uns als Gesellschafter bei DPD stark engagieren", sagte der Firmenchef auf entsprechende Fragen. Die Übernahme des 10 %-Anteils sei bereits vom Bundeskartellamt genehmigt worden. Bislang liegt German Parcel (GP) nach der Deutschen Post, dem Deutschen Paketdienst und United Parcel Service abgeschlagen auf Platz vier in Deutschland. Ein möglicher Zusammenschluss von DPD und German Parcel würde allerdings die Neuensteiner auf Platz zwei katapultieren - mit über 350 Millionen transportierten Paketen im Jahr.

Das Konzentrationskarussell in der Kurier-, Express- und Paketdienstbranche bleibt damit in Schwung. Als Reaktion auf die ungebremste europäische Expansion der Deutschen Post stricken neben den Briten auch die französische und die niederländische Post sowie der US-Paketdienst UPS an einem flächendeckenden Netz in Europa.

Dachser konzentriert sich auf den Ausbau paneuropäischer Logistiknetze

Für kleine und mittelständische Unternehmen wird der Spielraum damit immer enger. Laut Dachser ist das ein Grund für den Ausstieg. Der bayerische Logistikanbieter begründete den Verkauf der DPD-Anteile damit, dass der Markt für Kurier- und Paketdienste zusehens von kapitalkräftigen Postfirmen besetzt werde. Darum will Dachser sich auf den Ausbau seines paneuropäischen Logistiknetzes konzentrieren. German Parcel verleibt sich mit den DPD-Standorten dagegen einen wichtigen Baustein im Kerngeschäft Paketlogistik ein. Mit dem zusätzlichen Umsatz von 150 Mill. DM der neuen Standorte nähern sich die Erlöse des Paketdienstleisters der Marke von 1. Mrd. DM an. Allerdings läuft im Paketbereich nicht alles nach Plan für German Parcel. Das hessische Unternehmen, das 1999 rund 745 Mill. DM Umsatz erwirtschaftete, macht die Ertragslage zu schaffen. Die Ergebnisse seien "leicht positiv". Doch mit der Rendite ist man nicht zufrieden.

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