Konkurrent INA legt verbessertes Angebot vor
FAG unterliegt im Übernahme-Kampf

Der Wälzlagerhersteller FAG Kugelfischer hat seinen Widerstand gegen die bisher als feindlich erachtete Übernahme durch die INA-Holding aufgegeben, nachdem diese die Offerte auf zwölf Euro je Aktie erhöht hat.

jojo MÜNCHEN. Die feindliche Übernahme endet nach fünfwöchigem Kampf in jedem Fall friedlich. Offen ist nur noch, ob die Aktionäre der FAG Kugelfischer AG das verbesserte Angebot der INA-Holding Schaeffler KG annehmen. INA bietet, wie in einem Teil der gestrigen Ausgabe bereits gemeldet, 12 Euro je FAG-Aktie und erhöht damit das ursprüngliche Angebot um 1 Euro. Die Übernahme-Offerte endet am kommenden Montag. Ziel von INA ist es, 100 % der Aktien zu übernehmen, mindestens jedoch 75 %.

Beide Seiten einigten sich nach dreitägigem Verhandlungsmarathon am Sonntag. Dem Schweinfurter Traditionskonzern war es nicht gelungen, eine Alternative auf die Beine zu stellen. "Hätte es das dramatische Ereignis am 11. September nicht gegeben, hätten wir ein Gegenangebot vorlegen können", betonte gestern FAG-Finanzchef Gerhard Vogel in einer Telefonkonferenz. So aber fand FAG weder einen strategischen Partner noch einen Finanzinvestor. Das INA-Angebot war von FAG immer als zu niedrig abgelehnt worden. Bankenkreise hatten zuletzt von einem fairen Preis von 20 Euro gesprochen, FAG selbst setzte 14 Euro an.

"Die bisherige Strategie von FAG wird fortgeführt", umriss INA-Chef Jürgen Geißinger die am Wochenende getroffene Übereinkunft. Demnach wird der Wälzlagerkonzern nach wie vor vom Stammsitz Schweinfurt aus mit dem gegenwärtigen Vorstand geführt. INA hat seine Zentrale in Herzogenaurach bei Nürnberg. "Es gibt keine Zerschlagung von FAG", unterstrich Geißinger. Die Besitzstände der FAG-Beschäftigten sollen erhalten werden.

Mit dieser Zusage hatte die INA auch den Widerstand der Belegschaft gebrochen. Heute Abend wird Geißinger mit den Vertretern der Beschäftigten verhandeln. "Für uns ist die Sache noch nicht vorbei. Wir wollen auf alle Fälle eine Unterschrift unter unseren Tarifvertragsentwurf", sagte Werner Neugebauer, stellvertretender Aufsichtsratschef bei FAG und Bezirksleiter der IG-Metall in München. Andernfalls kündigte er Reaktionen der Belegschaft an. Besonders nach der 80 Mill. DM teuren Abwehrschlacht des FAG-Vorstandes ist Neugebauer wenig kompromissbereit: "Das Ganze hätte man billiger haben können."

Die Einigung zwischen FAG und INA kam wohl auf Druck der Deutschen Bank zu Stande. Die Deutsche Bank hat INA in dem Übernahmekampf beraten und will den 730 Mill. Euro schweren Deal finanzieren. Zudem hat das Institut Verbindungen zu FAG-Chef Uwe Loos. Auch das bayerische Wirtschaftsministerium hatte sich schon früh bemüht, beide Firmen an einen Tisch zu bringen.

INA weigerte sich bis zum Wochenende standhaft, das Angebot zu erhöhen. Den Aufschlag von einem Euro bezeichnete Geißinger nun als "Preis für die Einigung". Zuvor hatte FAG noch damit gedroht, eigene Aktien zurück zu kaufen und damit den Anteilseignern mehr zu bieten als INA. Darüber hinaus hatte Loos auch eine Sonderdividende ins Gespräch gebracht.

Der Verbund von INA und FAG wird unter die drei größten Konzerne der Wälzlager-Branche aufrücken. Gemeinsam werden die Unternehmen 52 000 Mitarbeiter beschäftigen und einen Umsatz von rund 6,4 Mrd. Euro erzielen. Die Analysten von WestLB Panmure rieten gestern den Aktionären, das Angebot anzunehmen. Es sei mit keiner weitern Aufstockung zu rechnen, hieß es auch bei den Bankern von SEB. Bislang hatten viele Institute ihren Kunden geraten abzuwarten.

Einige Hedge-Fonds erwarten dennoch, dass INA noch einmal nachlegen muss. Sollten die Herzogenauracher unter der von ihnen angestrebten Marke von 75 % bleiben, könnten sie abermals mehr zahlen, so das Kalkül. FAG bestätigte gestern, dass Hedge-Fonds Aktien gekauft hätten.

Am Montag kletterte der Kurs der FAG-Aktie um rund 8 % auf knapp 12 Euro. Zum Vergleich: Vor Ankündigung der Übernahmeofferte notierte das Papier bei rund 7 Euro. INA will die FAG-Aktien nach der Übernahme vom Parkett nehmen. Über die Börse hat INA nach eigenen Angaben bereits rund 20 % der FAG-Anteile gekauft. Mindestens 5 % an weiteren Aktien hält INA-Mitinhaberin Maria-Elisabeth Schaeffler. type="person" value="Schaeffler, Maria-Elisabeth" />

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