Konkurrenten in Europa und den USA stehen jetzt unter Druck
DLJ-Übernahme unterschiedlich bewertet

Jetzt stehen Konkurrenten in Europa und den USA unter Druck.

ef/hus/nw DÜSSELDORF/NEW YORK/FRANKFURT. Die Meinungen von Analysten und Unternehmensberatern zu der Übernahme gegen weit auseinander und reichen von "strategisch sinnvoll" bis "keine Synergien erzielbar". In den USA wird die Übernahme als reine Konsolidierung, nicht als Ergänzung gesehen. "Wenn die Credit Suisse Gruppe zu den großen internationalen Spielern gehören will, bedeutet eine größere Präsenz in den USA keinen Schaden," sagte Bankenberater Ray Soifer, bis vor kurzem Analyst bei Brown Brothers Harriman, vorsichtig. Credit Suisse First Boston (CSFB) ist direkter Konkurrent zu Donaldson, Lufkin & Jenrette (DLJ): "Die beiden haben ihren Sitz am gleichen Ort, und betreiben das gleiche Geschäft, nämlich Investmentbanking und den Handel mit Wertpapieren", so der unabhänigeg Bankenberater Bert Ely aus Alexandria,Virginia. Die Ähnlichkeit der Geschäftsfelder lässt daher manche zweifeln, ob die Fusion sinnvoll ist. Zum Beispiel Amar Mehta von der Fred Alger Management Investment-Gruppe: "DLJ betreibt Investment Banking und Wertpapierhandel, das ist alles. Ich sehe hier keine Synergien." DLJ habe mit dem Ausbau seiner eigenen europäischen Präsenz ein wenig zu spät begonnen, kritisiert Michael Ancall, Analyst der Bank of America.

Strategisch sinnvoll - so beurteilt hingegen die Züricher Bank Vontobel AG die Akquisition. Aus dem Kaufpreis von 12 Mrd. $ errechne sich für die Credit Suisse Group (CSG) auf Basis des letzten DLJ-Jahresgewinns ein vernünftiges Kurs-/Gewinn-Verhältnis von 16. Die erste Reaktion der Schweizer Börse auf die Übernahme bewertet Vontobel als normal. CSG erlitten gestern zu Beginn einen Rückschlag um 4 %, erholten sich aber. Die Analysten sind der Ansicht, dass CSG den Rückschlag schnell wieder aufholt. Vontobel erwartet, dass CSG heute einen Anstieg des Halbjahresgewinns um 37 % auf 3,65 Mrd. sfr bekannt gibt. Auch diese Zahlen könnten den Kurs stützen.

In Übersee ist Investment-Banking das Kerngeschäft

Unternehmensberater sehen in der Integration der US-Bank eine schwere Aufgabe: "Besonders im Investment Banking ist dies schwierig. Das Geschäft hängt extrem von den Leuten ab", sagt Hermann Bierer, Head of Financial Services von Booz, Allen & Hamilton in Frankfurt. Deshalb müsse vor allem schnell klar gestellt werden, wer die künftigen Führungskräfte sind. Doch der Aufwand lohnt: "Die USA sind der größte Markt. Dort liegt der Kern der Profitabilität im Investment Banking, und hier schöpfen vor allem die US-Institute die Gewinne ab", sagt Bierer.

"Europäische Banken, die in den USA Erfolg haben wollen, müssen stark im M&A-Geschäft und bei Börseneinführungen sein, vor allem in den Top-Industrien Technologie und Energie", nennt Hans-Paul Bürkner, Senior Vice President der Boston Consulting Group in Düsseldorf, die Erfolgskriterien. In den nächsten zwölf bis vierzehn Monaten würde der "Ausleseprozess" unter den Investmentbanken weitergehen. Die oft geäußerte Prognose, nur eine Handvoll Investmenthäuser werde am Markt bleiben, hält Bürkner aber für eine "klare Verkürzung". Wer bei den großen Übernahmen nicht zum Zug komme, dürfe nur nicht den Fehler machen, "den Großen nach deren Spielregeln frontal gegenüber zu treten". Vielmehr komme es darauf an, "die Spielregeln zu ändern". Darunter versteht er etwa die kluge Nutzung des Internets oder die Konzentration auf Spezialgebiete wie zum Beispiel Finanzierungen für die New Economy.

In Europa sehen Marktkenner als Kandidaten für globale Führungsposition: UBS, Credit Suisse, Deutsche Bank, auch ABN Amro. Sie geraten durch den DLJ-Deal unter Druck. Auch Häuser der zweiten Reihe spüren die Auswirkungen. Andreas Neubauer, Head of Research der ABN Amro in Frankfurt, sieht vor allem Konsequenzen für die Dresdner Bank: "Die Diskussion über eine Zerschlagung wird angeheizt", sagt er. Denn DLJ sei mit Kleinwort Benson durchaus vergleichbar. Der Kaufpreis für DLJ zeige, was der Markt bereit sei zu zahlen. Neubauer sieht den Wert des Investment-Banking-Arms der Dresdner Bank zwischen acht und elf Mrd. Euro. Käufer könnten Chase Manhattan, Citigroup oder J.P. Morgan sein. Mit Lehman wäre ein eine Fusion unter Gleichen vorstellbar.

Für die US-Banken sieht Neubauer steigenden Druck in ihrem Heimatmarkt: "Mit CSFB und DLJ entsteht ein starker Spieler in den USA und in Europa. Die Konkurrenten müssen sich jetzt Gedanken über ihre Strategien machen." J. P. Morgan etwa könnte nach einigem Nachdenken auch mehr Bereitschaft zeigen, übernommen zu werden. Seit längerem gibt es Gerüchte, dass die Deutsche Bank interessiert sei. Analyst Guido Hoymann vom Bankhaus Metzler sieht die Deutsche Bank und die Dresdner Bank aber im Nachteil, weil beide nicht an der US-Börse gelistet sind. "Deshalb müssen sie Übernahmen in den USA bar bezahlen, statt teilweise über einen Aktientausch. Das ist teurer." Bei der Dresdner Bank steht das Thema zurzeit nicht auf der Tagesordnung; bei der Deutschen Bank war keine Stellungnahme zu erhalten, Analysten sprechen von 2001 als Zeitpunkt für eine US-Börseneinführung.

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