Konkurrenz bislang besser positioniert
HP will Service-Sparte durch Zukäufe stärken

Der Computerkonzern Hewlett-Packard drängt in den IT-Servicemarkt. Um IBM nach dem Kauf von PwC Paroli zu bieten, will HP jetzt bei den mittelgroßen Anbietern auf Einkaufstour gehen.

FRANKFURT/M. Der Computerkonzern Hewlett-Packard (HP) will seine Sparte IT-Dienstleistungen in Europa durch die Übernahme von Unternehmen mittlerer Größe stärken. Im Gespräch mit dem Handelsblatt sagte Francesco Serafini, Europa-Chef von HP Services, dass vor allem Deutschland, Großbritannien und Osteuropa für Investitionen im Bereich Outsourcing und Consulting interessant seien. In diesen Feldern wolle "HP so schnell wie irgend möglich wachsen".

Auch bei IT-Dienstleistungen in die Spitzenliga vorgerückt

Durch die Fusion zwischen HP und Compaq ist der zweitgrößte Computerkonzern der Welt auch im Bereich IT-Dienstleistungen in die Spitzenliga vorgerückt. Laut Serafini setzten HP und Compaq im vergangenen Jahr zusammen rund 15 Mrd. $ mit Dienstleistungen um. Damit beansprucht HP allerdings mit einigem Abstand zum Marktführer IBM Global Services und Electronic Data Systems (EDS) weltweit Platz drei, noch vor dem japanischen Anbieter Fujitsu.

HP will den Ende Juli angekündigten Kauf der Beratungssparte von Pricewaterhouse Coopers (PwC) durch den Konkurrenten IBM "nicht mit einer Übernahme in ähnlicher Größenordnung" beantworten. IBM hatte für PwC rund 3,5 Mrd. $ gezahlt. "Durch die Konsolidierung innerhalb der IT-Branche gibt es eine ganze Reihe anderer attraktiver Unternehmen, die für eine Übernahme in Frage kommen", sagt Serafini. HP Services konzentriere sich nach der Fusion mit Compaq weltweit auf drei Branchen: Die Telekomindustrie, den Finanzsektor und die verarbeitende Industrie.

Derzeit sichte man Land für Land, ob HP zusammen mit Compaq für diese Strategie gerüstet sei und "in welchen Ländern Zukäufe oder weitere Partnerschaften sinnvoll seien". Eine genaue Summe, die für in Europa zur Verfügung steht, wollte Serafini nicht nennen. "Sollte sich aber eine gute Gelegenheit bieten, haben wir die finanzielle Stärke, um zu handeln."

Fiorina setzt Hoffnungen lauf HP Servicec

Auf HP Services ruht ein großer Teil der Hoffnung von Konzernchefin Charleton Fiorina. Denn zusammen mit dem profitablen Drucker-Bereich (Imaging and Printing) soll HP Services die Überschüsse liefern, die Fiorina braucht, um die auf 2,5 Mrd. $ geschätzten Kosten für die Fusion zwischen HP und Compaq zu bezahlen.

Doch der Markt für IT-Dienstleistungen gilt wegen des Ausgabenstopps vieler Unternehmen derzeit als schwierig. So erwarten die Analysten der Investmentbank Morgan Stanley statt eines Wachstums der HP-Services-Sparte im dritten Quartal einen Umsatz, der im Vergleich zu den Vorjahresquartalen von HP und Compaq rund 4 % niedriger ausfallen wird. Optimistisch sind die Experten erst auf mittlere Sicht. So soll HP Services im nächsten Geschäftsjahr um 5,5 % wachsen, 2004 erwarten die Analysten ein Wachstum von 7 %.

Punkten mit dem Thema Outsourcing

Punkten will HP Services künftig vor allem beim Thema Outsourcing. "HP verfügt bereits jetzt über große Fähigkeiten im Bereich Systemintegration und Outsourcing", sagt Gartner-Analystin Michele Cantara. Doch werde HP in diesem Markt noch nicht ausreichend wahrgenommen. "Im Bereich Outsourcing haben EDS und IBM heute zugegebenermaßen eine stärkere Marktstellung als HP, weil sie diesen Markt schon länger beackern", räumt auch Europa-Chef Serafini ein. "Wir haben aber in Europa in den letzten Monaten Outsourcing-Kunden wie Nokia und EADS mit dreistelligen Millionenverträgen gewonnen. Und weitere Verträge mit einem Volumen von 100 bis 200 Mill. $ sind in der Pipeline."

Vor ein bis zwei Jahren war HP in Verhandlungen über Großprojekte wie den Betrieb der IT-Systeme für die niederländische Großbank ABN Amro noch nicht einmal im Bieterkreis. "Heute sind wir bei den Verhandlungen über solche Aufträge dabei", sagt der Europa-Chef.

HP setzt beim Thema Outsourcing auf Kooperationen. "Wir arbeiten sehr eng mit Accenture zusammen: HP betreibt die IT-Infrastruktur, und Accenture kümmert sich um die Anwendungen", beschreibt Serafini die Strategie. Auch Kooperationen mit Microsoft und SAP sollen helfen, IBM die Stirn zu bieten. So sei HP heute bereits der "weltweit größte externe Betreiber" von SAP-Systemen. HP setze auf die Möglichkeiten im Konzern, die notwendige Technologie selbst zu entwickeln. Serafini: "Auf lange Sicht ist es unser Ziel, reine IT-Dienstleister wie EDS zu verdrängen."

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