Konkurrenz bleibt außen vor
Deutsche Bahn modernisiert Nebenstrecken

Der Startschuss fiel am Montag in Kassel, wo Bahnchef Hartmut Mehdorn den Vertrag zur Sanierung der Kurhessenbahn unterzeichnete.

HB/dpa KASSEL. Für die Deutsche Bahn waren die Nebenstrecken jahrzehntelang ein Auslaufmodell. Eine Verbindung nach der anderen verschwand aus dem Fahrplan, bis Privatbahnen zeigten, dass es auch anders geht. Mit flexiblen Konzepten brachten sie so manche ausgediente Strecke wieder in Schwung. An den Erfolg der Konkurrenz will die Bahn nun selber anknüpfen und 9 000 Kilometer Nebenstrecke von ihren Mitarbeitern unter dem Dach des Bahnkonzerns wie eine Privatbahn betreiben lassen.

Schnellere und häufigere Anschlüsse soll es nach dem Willen der Bahn demnächst nicht nur in Nordhessen, sondern auch in 36 anderen Regionen von der Ostsee bis nach Bayern geben. Dies erfordert mehr als neue Fahrpläne. Alles zusammengerechnet werden Milliarden- Investitionen nötig sein, um Gleise auf Vordermann zu bringen, baufällige Brücken zu sanieren und zeitgemäße Triebwagen zu beschaffen. Bundesländer und Kommunen sollen sich - wie schon bei dem Pilotprojekt Kurhessenbahn - an dem Kraftakt beteiligen.

Mehdorn: Deutsche Bahn braucht Investitionssicherheit

Als Eigentümerin fast des gesamten deutschen Schienennetzes verlangt die Bahn im Gegenzug für ihre Investitionen von den Regionen allerdings den Zuschlag für den Betrieb des Nahverkehrs in den kommenden zehn Jahren. Die private Konkurrenz, die bei der Ausschreibung von Nahverkehrsstrecken der Bahn inzwischen regelmäßig den Rang abläuft, bleibt also eine Weile außen vor. Da das Netz und der Betrieb der Bahn in Deutschland trotz Bahnreform weiterhin in einem Unternehmen vereint sind, haben es die Konkurrenten besonders schwer. Die Bahn brauche Investitionssicherheit, begründete Mehdorn in Kassel das Vorgehen.

Der Fahrgastverband Pro Bahn begrüßt die geplanten Investitionen der Bahn in ihr Flächennetz. Alles was dazu beitrage, Strecken zu erhalten, sei eine gute Sache, sagte Pro Bahn-Sprecher Hartmut Buyken. Verständlich sei, dass die Bahn bei dem Umfang der Investitionen auch für eine bestimmten Zeitraum die Sicherheit haben wolle, auf den hergerichteten Strecken selber die Züge zu fahren.

Positiv schätzt auch die Eisenbahner-Gewerkschaft Transnet die Pläne der Bahn ein. "Wenn es mehr Verkehr auf die Schiene bringt und Arbeitsplätze bei der Bahn erhält oder schafft, ist das eine gute Idee", sagte Transnet-Sprecher Michael Klein. Die erforderlichen Milliarden-Investitionen ließen sich wahrscheinlich auch nur unter der Regie der Deutschen Bahn und nicht unter Einbindung von Privatbahnen bewerkstelligen.

Das Projekt der Bahn trägt den Namen Mittelstandsoffensive, weil den unter dem Dach des Bahnkonzerns operierenden Regionalnetzen und den Bahnmitarbeitern große Selbstständigkeit bei der Verbesserung des Schienenverkehrs eingeräumt wird. Dass dabei nicht immer an den starren Berufsbildern der "großen" Bahn festgehalten wird und ein Lokführer auch schon Mal außerhalb des Führerstands Hand anlegt, ist für Transnet kein Problem. "Wir wollen aber nicht einen Allround- Eisenbahner, der zu einem Dumping-Lohn bezahlt wird und letztendlich die Sicherheit der Reisenden in Gefahr bringt", stellt Klein klar.

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