Konkurrenz der Billigflieger wächst
Luftfahrt sucht mühsam den Kurs aus der Krise

Auf Turbulenzen im rauen Wind der globalen Konjunktur war die internationale Luftfahrt stets gefasst. Doch für den dramatischen Einbruch des Geschäfts nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 hatten die Konzernkapitäne kein Szenario. Mehr als 100 000 Beschäftigte kostete die Doppelkrise aus Terrorfurcht und Wirtschaftsflaute weltweit den Job. Der Industrie gingen Milliarden verloren, Airlines verschwanden vom Himmel. Ein Jahr danach fliegt die Branche ihren einstigen Passagierzahlen weiter hinterher. Harte Einschnitte bei Kosten und Kapazitäten sollen den Kurs aus der Krise weisen. Die Konkurrenz der Billigflieger wächst.

dpa FRANKFURT/MAIN. Langsam gewinnen die ersten Airlines wieder an Höhe. Doch die Folgen des schwarzen Jahres 2001 lasten schwer. Mindestens 10 Mrd. US-Dollar (13,5 Mrd Euro) vernichtete die Krise nach Schätzung des internationalen Luftverkehrsverbands. Von der Wucht des Rückschlags erholen sich Fluggesellschaften, Flughäfen und Hersteller mühsamer als von den Folgen des Golfkriegs Anfang der 1990er Jahre. Höhere Versicherungsprämien und schärfere Sicherheitsvorkehrungen belasten die Kassen, für Passagiere ist das Fliegen durch Zuschläge teurer geworden.

"Die morschen Bäume knicken um"


Dabei sind sich Experten einig, dass die Terrorattacken die Krise nicht auslösten, sondern zuvor spürbare Probleme wie unprofitable Überkapazitäten schlagartig verschärften. Der 11. September als heftiger Sturm für Veränderungen: "Die morschen Bäume knicken um, die gesunden bleiben etwas gebeutelt am Leben", sagt Prof. Andreas Knorr, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Bremen. Die Schweizer Swissair und die belgische Sabena brachen in der Krise zusammen. Ob auch andere Airlines bald am Boden bleiben müssen, ist offen.

Denn beiderseits des Atlantiks haben Regierungen angeschlagenen Firmen mit Subventionen unter die Arme gegriffen - für Konkurrenten eine klare Wettbewerbsverzerrung. Die USA stellten fünf Mrd. Dollar bereit, um einen Massenkonkurs zu verhindern. Die zögerlichen Buchungen der Kunden führten dennoch zu einem ruinösen Preiskampf und forderten ihren Tribut: Die amerikanische Nummer sieben US Airways stellte Konkursantrag, die ins Schlingern geratene Lufthansa-Partnerin United Airlines will eine Pleite mit drastischen Kürzungen noch abwenden.

Erste Erfolge sind am Horizont sichtbar


"Die europäischen Airlines haben die Kosten besser in den Griff bekommen", sagt Uwe Weinreich, Analyst bei der HypoVereinsbank. Wegen anhaltend schwacher Buchungen strichen etliche Gesellschaften ihren Flugplan zusammen. Maschinen blieben am Boden, Investitionen wurden gekürzt, Beschäftigte verzichteten auf Gehaltssteigerungen. Erste Erfolge des Sparkurses sind am Horizont zu erkennen. So steuert die Lufthansa nach dem Sturz in die roten Zahlen 2001 noch dieses Jahr erneut die Gewinnzone an und will bald weiter durchstarten. "Wir haben mehr als die halbe Strecke zurückgelegt, um das gewohnte Niveau zurückzuerobern", sagt Finanzvorstand Karl-Ludwig Kley.

Für das volle Wachstumstempo der Zeit vor den Terroranschlägen muss die Branche aber noch kämpfen. Ende 2003 oder Anfang 2004 könne sie wieder auf Kurs sein, schätzt Airline-Experte Knorr. Doch der Verdrängungskampf am Himmel ist im Windschatten der Krise schärfer geworden. Zwar besetzten robuste Carrier wie die Lufthansa Routen, die plötzlich durch Konkurs von Konkurrenten frei wurden. In Europa drängen aber etliche neue Billigflieger auf den Markt, die in der Wirtschaftsflaute mit kleinen Preisen locken.

Herausforderung durch Billigflieger angenommen


Die Herausforderung der forschen Aufsteiger Ryanair, Deutsche BA Easyjet und Co. haben die Großen aufgenommen. Die Lufthansa will den Schnäppchenfliegern mit Preissenkungen Paroli bieten und schickt ihre Beteiligung Eurowings in den Markt der Minipreise. Der Reiseriese TUI geht mit der Billigmarke "Hapag Lloyd Express" an den Start. Der Druck auf die Erlöse nimmt zu, erwartet Knorr. Die Pilotenvereinigung Cockpit warnt schon vor einer Aushöhlung sozialer Standards.

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