Konkurrenz durch günstigere Medikamente
Nachahmer knabbern am Merck-Gewinn

Konkurrenz durch günstigere Nachahmermedikamente für ihr Diabetes-Mittel Glucophage hat der Darmstädter Merck KGaA im dritten Quartal wie von Analysten erwartet einen Ergebniseinbruch im operativen Geschäft beschert.

Reuters LONDON. Das operative Ergebnis sei im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 52 Prozent auf 143,2 Millionen Euro gesunken, teilte der Pharma- und Spezialchemiekonzern am Donnerstag in London mit. Das Quartal spiegele eine "stabile Geschäftslage unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen" wider, erläuterte Konzernchef Bernhard Scheuble. Im Schlussviertel dieses Jahres werde aber ein im Vergleich zum Vorjahresquartal verbessertes operatives Ergebnis erwartet. Für das Gesamtjahr rechne Merck weiterhin mit einem operativen Ergebnisrückgang von bis zu einem Drittel. Ferner gab der Konzern den Abschluss einer Lizenzvereinbarung über zwei Cholesterinmittel bekannt.

Von Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt für das dritte Quartal mit einem operativen Ergebnis von 144,2 Millionen Euro gerechnet. Die Schätzungen lagen zwischen 134 und 158 Millionen Euro. Der Konzernumsatz ging um 5,4 Prozent auf 1,847 Milliarden Euro zurück und lag damit etwas unter den durchschnittlichen Erwartungen der Analysten von 1,868 Milliarden Euro.

Neben der Konkurrenz der Nachahmermedikamente bei Glucophage hätten auch negative Währungseffekte belastet, teilte Merck mit. Für das Gesamtjahr 2002 rechnet der Konzern beim Umsatz mit einem prozentual einstelligem organischen Wachstum. Nominal könne es aber auf Grund von starken Währungsschwankungen auch ein leichter Rückgang sein.

Mit der Glucophage-Produktfamilie wurden nach Merck-Angaben im dritten Quartal weltweit 202 Millionen Euro Umsatz erzielt. Das sind 76 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, aber deutlich mehr als im zweiten Quartal, als die Umsätze lediglich 76 Millionen Euro betrugen. Grund sei ein allmählicher Abbau der Lagerüberhänge im US-Großhandel und beim US-Lizenznehmer Bristol-Myers Squibb, hieß es. Seit dem Frühjahr steht das bislang umsatzstärkste Mittel des Konzerns in den USA im Wettbewerb mit günstigeren Generika. Insgesamt ging der Umsatz in der Pharmasparte bei Merck im Quartal um 13 Prozent zurück, das operative Ergebnis sogar um 74 Prozent.

In seiner Chemiesparte habe Merck im dritten Quartal dagegen ein Umsatzplus von 4,5 Prozent erzielt, wobei besonders die Flüssigkristalle ein kräftiges Umsatzplus verzeichnet hätten. Die Darmstädter sind Weltmarktführer bei Flüssigkristallen, die etwa in Flachbildschirmen oder Handy-Displays zum Einsatz kommen. Das operative Ergebnis der Chemie kletterte um 58 Prozent. Ferner hieß es, wegen des schwachen Börsenumfelds werde der seit längerem geplante Teil-Börsengang der Laborsparte VWR International nicht mehr in diesem Jahr erfolgen.

Merck schloss außerdem mit dem US-Pharmaunternehmen Kos Pharmaceuticals einen Lizenzvertrag für zwei von Kos entwickelte Cholesterin-Mittel, Niaspan und Advicor. Dabei erhielten die Darmstädter exklusive Vermarktungsrechte für die Arzneien außerhalb Nordamerikas und Japan. In Großbritannien habe Kos bereits die Zulassung für die Mittel beantragt, andere Länder der Europäischen Union sollen folgen.

Kos erhalte für die beiden Präparate Lizenzzahlungen von bis zu insgesamt 61 Millionen Dollar, die zum Teil an Zulassungs- und Umsatzziele geknüpft sind. Darüber hinaus soll Kos ein Viertel der Nettoumsätze mit den Präparaten bekommen.

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