Konkurrenz für Disney: Time Warner will Kindermarkt erobern

Konkurrenz für Disney
Time Warner will Kindermarkt erobern

Der weltgrößte Medienkonzern AOL Time Warner plant, in den deutschen Kinder-Fernsehmarkt einzusteigen. Bisher überließ die US-Mediengruppe dem Konkurrenten Disney das Feld nahezu allein. Arthur Bastings, neuer Geschäftsführer des AOL-Fernsehtochter Turner Broadcasting System Deutschland GmbH (CNN, N-TV, Viva), kündigte an, digitale Kinderkanäle mit Comic-Klassikern wie Bugs Bunny und Tom & Jerry auf den Markt zu bringen. Einen genauen Zeitplan gibt es allerdings noch nicht.

DÜSSELDORF. "Wir wollen den Kinder-Fernsehmarkt in Deutschland nicht weiter Disney alleine überlassen. Es gibt noch Platz und Bedarf für weitere gute Produkte", sagte Bastings gegenüber dem Handelsblatt.

Disney fürchtet sich in Deutschland vor dem Konkurrenten AOL Time Warner nicht. "Wir sehen einen stärkeren Wettbewerb im deutschen Markt gelassen entgegen", sagte eine Sprecherin des Kölner Kindersenders Super RTL, an dem Disney zur Hälfte beteiligt ist.

Turner bekommt auf dem deutschen TV-Markt jetzt Planungsspielraum, weil die Senderechte für Bugs Bunny, Superman & Co nach zehn Jahren demnächst an den Medienkonzern zurückfallen, berichtet ein Insider. Bisher sendet der Kirch-Sender Sat 1 samstags vormittags die Klassiker aus dem Hause Warner. "Im Digital-TV wäre für uns ein Vertrieb von Animationsspielen und Kinderkanälen denkbar", so Bastings. In Großbritannien und den skandinavischen Ländern ist Turner bereits mit digitalen Comicangeboten und Spielen vertreten. "Um den für uns wichtigen deutschen Markt aufzurollen, müssen wir noch einige Monate abwarten. Wir wollen genau beobachten, wie sich die Kabel-TV-Betreiber und das Bezahlfernsehen Premiere technisch, strategisch und wirtschaftlich entwickeln werden", gibt sich der Geschäftsführer geduldig.

Deutsche Kinder sind für den Medienkonzern eine interessante Zielgruppe, bestätigt auch der Geschäftsführer der Warner Bros. Consumer Products, Frank Eberspächer: "Zwar hat der Kindermarkt in Deutschland ein demographisches Problem, weil weniger Babys geboren werden, aber die Ausgaben pro Kind steigen." Er will den Handel mit Warner-Comic-Lizenzen jetzt mit einem neuen Zeichentrickfilm ankurbeln, der im Winter weltweit in die Kinos kommt.

Der amerikanische Medienkonzern Disney ist auf dem Kindermarkt nach Meinung eines Brancheninsiders dagegen bereits exzellent aufgestellt. Die Vertriebstochter Buena Vista in München, zuständig für den Verkauf von Videos, DVDs und dem Kinoverleih, liefert seit über zehn Jahren sehr gute Renditen ab. Genaue Zahlen gibt Buena Vista nicht bekannt. Einziges Sorgenkind ist der Disney-Channel im Bezahlfernsehen Premiere. "Disney war im Winter nahe dran, den Kanal dicht zu machen", berichtet ein Insider. Das amerikanische Studio ist enttäuscht über die Vermarktung und Verbreitung. "Das hat sich Disney anders vorgestellt", hieß es in Unternehmenskreisen. Auch die Verhandlungen über einen Preisnachlass bei den Filmlieferungen konnten erst nach zähem Ringen zum Abschluss gebracht werden.

Für Disney ist Deutschland nach USA, Japan und Großbritannien der viert wichtigste Markt. In der Medienbranche wird von einem Umsatz von mehreren hundert Mill. Euro ausgegangen. Vor allem im Video- und DVD-Markt dominiert das Hollywood-Studio.

Turner Broadcasting hatte erst jüngst einen Annäherungsversuch an Super RTL gemacht, im Bereich von digitalen Angeboten in deutschen Kabelnetzen zusammenzuarbeiten. Auch die anderen Konzerntöchter wie Warner und AOL strecken die Fühler aus. "Wir haben über die eine oder andere Zusammenarbeit im Breitbandmarkt gesprochen.", sagte ein Disney-Fernsehmanager. Während Turner Broadcasting vor allem auf die Kabelnetzbetreiber setzt, glaubt Disney stark an die Zukunft von Breitbandangeboten.

Das Verhältnis zwischen AOL Time Warner und Disney hatte erst kürzlich einen Knacks bekommen. Im Februar war der Versuch gescheitert, den AOL Time Warner-Nachrichtenkanal CNN mit dem Nachrichtenkanal ABC, der zum Unterhaltungskonzern Walt Disney Corp. gehört, zu fusionieren. Die Verschmelzung der beiden Programme war an den unterschiedlichen Unternehmenskulturen gescheitert.

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