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Konkurrenz für Viagra

Bayer hat Lust auf das Geschäft mit der Lust: Im April 2001 kündigte der Konzern eine neue Potenzpille an.

sts DÜSSELDORF. Der Arzneimittelkonzern Pfizer hat es der Bayer AG vorgemacht: 1998 brachte er die blaue Wunderpille Viagra auf den Markt. Sie sollte dem US-Unternehmen viel Geld einbringen - und Millionen von Männern mit Erektionsstörungen zu Freuden verhelfen. Der Erfolg gab Pfizer Recht: Im Jahr 2001 setze der Konzern weltweit 1,5 Mrd. $ mit der Pille um.

Die Behandlung von Potenzproblemen gilt als Zukunftsmarkt. Analysten schätzen das Marktvolumen auf 5 bis 6 Mrd. Euro. Nach Einschätzung von Bayer leiden etwa die Hälfte aller Männer über 40 Jahren an erektiler Dysfunktion, wie es im Fachjargon heißt. Deshalb sprang der Chemie- und Pharmakonzern aus Leverkusen vor einem Jahr auf den Zug auf und verkündete die Markteinführung eines Konkurrenzproduktes unter dem Arbeitstitel Vardenafil. Die aprikotfarbene Potenzpille soll in diesem Herbst unter dem Namen Nuviva in den USA auf den Markt kommen, im kommenden Jahr in Europa.

Bayer rechnet mittelfristig mit einem Umsatz von 1 Mrd. Euro. Analysten gehen von 500 bis 800 Mill. Euro aus. Um das Wundermittel unter die Männer zu bringen, hat der Konzern ein Vermarktungsabkommen mit dem britischen Pharmakonzern Glaxo Smithkline geschlossen. Allein in Nordamerika verfügt Glaxo über 8 000 Pharmavertreter. Die Konzerne wollen sich alle weiteren Kosten und die Gewinne teilen.

Ohne mächtigen Partner wäre das Bayer-Management nicht nur Pfizer unterlegen: Mit Eli Lilly (USA) drängt ein weiterer großer Pharmakonzern auf den Markt. Lilly und Entwicklungspartner Icos haben im Juni 2001 die Zulassung ihrer Erektionspille Cialis in den USA beantragt.

Verträglich für Diabetes-Patienten

Bayer bleibt trotz der großen Konkurrenz optimistisch. Nuviva soll bei knapp 80 % der Nutzer die Erektionsfunktion verbessern. Die Pille sei sehr verträglich für Diabetes-Patienten, die häufig unter Potenzproblemen litten.

Doch die Wundermittel haben auch Nebenwirkungen - wie etwa im Fall Viagra. Patienten klagen über Muskelschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen. Sogar die Zahl der Todesfälle beim Beischlaf stieg an. Seit 1998 gab es in Deutschland mindestens dreißig Fälle - wenn auch der Beweis fehlt, dass die Todesfälle mit der Potenzpille zusammenhängen. Die größte Schlappe ist jedoch eine andere: Jeder Dritte der Impotenten ist immun gegen den Viagra-Wirkstoff.

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