Konkurrenz greift nach Filetstücken
Holzmänner rufen nach Schröder

Unmittelbar nach der Holzmann-Insolvenz setzen die ersten Konkurrenten zum Griff auf Filetstücke des zweitgrößten deutschen Bauriesen an. So ist der Mannheimer Baukonzern Bilfinger Berger am kompletten US-Geschäft interessiert, das fast 50 Prozent der Holzmann-Aktivitäten ausmacht, außerdem an der profitablen Tochter HSG. Der Kölner Konkurrent und Marktführer im Straßenbau, Strabag, nimmt die Straßenbausparte von Holzmann, Deutsche Asphalt, ins Visier.

dpa FRANKFURT. Für die Belegschaft ist Bundeskanzler Gerhard Schröder rund zweieinhalb Jahre nach seinem spektakulären Rettungseinsatz in Frankfurt erneut die letzte Hoffnung. Einige Banken hätten dessen im November 1999 eingefädelte Vereinbarung zur Sanierung Holzmanns aufgekündigt, heißt es in einem Schreiben an den Kanzler. "Wir appellieren deshalb an Sie, mit ihrem Wort, dass Sie uns gegeben haben, diese Einigkeit wieder herzustellen." Wie damals sei es "die Uneinigkeit der Banken, die uns um unsere Arbeitsplätze zittern lässt."

Unterdessen hat der Frankfurter Rechtsanwalt Ottmar Hermann als Insolvenzverwalter den Holzmann-Beschäftigten Mut zugesprochen. "Im Interesse der Belegschaft möchte ich alle Mittel ausschöpfen, um die Überlebensmöglichkeiten des Traditionsunternehmens im Ganzen oder in Teilbereichen festzustellen", sagte Hermann. Nach der Rettung vor der Pleite Ende 1999 und der nun gescheiterten Radikalkur arbeiten bei Holzmann insgesamt noch 23 000 Beschäftigte, davon 10 000 im Inland.

Hermann war bereits Ende 1999 für kurze Zeit als Insolvenzverwalter bei Holzmann bestellt. Damals war der Insolvenzantrag aber wieder zurückgezogen worden. Der Anwalt, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer gilt als einer der prominenten Sanierer in Deutschland und ist seit Anfang des Jahres auch Insolvenzverwalter bei den deutschen Töchtern des zusammengebrochenen US-Energieriesen Enron.

Experten: Gute Karten für Beschäftigte

Nach Einschätzung von Branchenexperten haben viele Holzmann- Beschäftigte allerdings durchaus gute Karten, sollten sie wegen der Pleite arbeitslos werden. "Große Konzerne wie Philipp Holzmann beschäftigen überwiegend qualifiziertes Personal", sagte der Hauptgeschäftsführer der nordrhein-westfälischen Bauindustrie, Wolfgang Peters, der dpa. Für Facharbeiter und Poliere sehe die Lage trotz der anhaltenden Branchenkrise besser aus als vor zwei Jahren.

Experten gehen davon aus, dass bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens Monate vergehen. Bei der Verwertung der Vermögenswerte könnte der Konkurrent Bilfinger Berger neben der profitablen US-Tochter J.A. Jones die Servicetochter HSG übernehmen. Die Mannheimer sind nach Darstellung eines Sprechers an beiden interessiert. Bilfinger Berger werde jedoch nicht "unkontrolliert irgendwelche Altlasten übernehmen". Damit kommt eine vollständige Übernahme des Konzerns nicht in Frage.

Den Banken, dem Unternehmensberater Roland Berger - er hatte den aktuellen Sanierungsplan ausgearbeitet - und dem ehemaligen Holzmann- Vorstandsvorsitzenden Konrad Hinrichs warf der Vize-Betriebsratschef Willi Röll Versagen vor. "Sie haben bis zuletzt die Belegschaft, den Aufsichtsrat und die Öffentlichkeit über den wahren Zustand des Konzerns und somit über ihre eigene Erfolglosigkeit getäuscht." Röll erinnerte noch einmal an die von den Beschäftigten geleisteten unbezahlten Überstunden und gestrichene Sozialleistungen: "Und das alles soll vergeblich gewesen sein?"

Schwerwiegende Folgen hat die Pleite bereits für mehrere Großprojekte. In Leipzig sind die Arbeiten am Umbau des Zentralstadions, dem geplanten Veranstaltungsort des 31. Deutschen Sportfestes, ins Stocken geraten. Subunternehmen ziehen Material und Geräte ab. Die Kräne standen am Freitag still. Außerdem hat Thüringen Holzmann den millionenschweren Generalauftrag für den Landtagsneubau in Erfurt entzogen. Der Vertrag sei am Freitag gekündigt worden, sagte der Sprecher des Finanzministeriums, Lothar Neyer. Bereits am Donnerstag hatte Holzmann die Arbeiten von sich aus gestoppt.

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