Konkurrenz kommt auch von den Banken
Börse geht mit gefüllter Kasse auf Expansionskurs

. Im Kampf um die Führung an den internationalen Finanzplätzen ist eine neue Runde eingeläutet. Die Deutsche Börse AG hat mit ihrem Gang an die Börse fast zwei Milliarden DM für ihre "Kriegskasse" eingesammelt. Damit sollen nun die ehrgeizigen Expansionspläne ihres Vorstandsvorsitzenden Werner G. Seifert finanziert werden. Nach dem spektakulären Scheitern der Fusion mit der Londoner Börse (LSE) will Seifert und seine Mannschaft nun über die Hintertür die eigene Position stärken. Neue Konkurrenz kommt von den Banken, die eigene Handelsplattformen entwickeln.

dpa FRANKFURT. Die europäischen Konkurrenten werden mit beträchtlicher Gegenwehr auf die Ambitionen der Frankfurter reagieren. Im Mai wird der große Wettbewerber Euronext - die Allianz der Handelsplätze Paris, Amsterdam und Brüssel - ebenfalls seine Aktien platzieren. Im Gerangel um die Zukunft der Finanzplätze geht es in erster Linie um die Ausweitung der Marktanteile im globalen Wertpapierhandel. Nur wer die meisten Geschäfte über die eigenen Computer abwickelt, kann die Preise für die einzelnen Transaktionen senken. Attraktivere Kosten ziehen wiederum zusätzlich Marktteilnehmer an und erhöhen gleichzeitig die Liquidität.

Die Trümpfe heißen Xetra und Eurex

Die Deutsche Börse AG hat mit den elektronischen Systemen Xetra für Aktien und Eurex für den Terminhandel bereits zwei starke Trümpfe in der Hand. Nach Darstellung von Seifert sind daran schon 670 Teilnehmer in 18 Ländern angeschlossen. Auch die Plätze Chicago, Dublin, Wien und Helsinki nutzen bereits die Plattformen der Börse AG. Schließlich verfügt die Deutsche Börse AG mit dem Neuen Markt über Europas größten Markt für junge Technologiewerte.

All diese Systeme und Marktplätze sollen mit dem Geld aus der Aktienemission ausgebaut werden. So soll Eurex als größte Derivatenbörse der Welt mit neuen Produkten und verbesserter elektronischer Infrastruktur in den USA und Asien ausgebaut werden. Auch kleinere Übernahmen zur Vermarktung der ohnehin vorhandenen Datenströme stehen auf dem Programm, beispielsweise für die Verbreitung einschlägiger Unternehmensanalysen oder Kursdaten.

Zu Großfusionen mit London, dem schwedischen Börsenbetreiber OM oder der amerikanischen Nasdaq will sich Seifert nach der Blamage mit der LSE nicht äußern. "Wir sind wohl präpariert, künftig auch alleine zu gehen", lautet die etwas leisere Tonart. Mit dem Börsengang verfüge man aber über eine wichtige Akqisitions-Währung sowie eine prall gefüllte Kasse, "um bei der europäischen Börsen- und Abwicklungslandschaft eine wichtige Rolle zu spielen".

Neue Konkurrenten drängen ins Geschäft

Doch nicht nur die traditionellen Börsenplätze müssen als ernst zu nehmende Konkurrenten gesehen werden. Vor allem Großbanken basteln an eigenen Plattformen. Besonders aufhorchen ließ in diesem Zusammenhang die Deutsche Bank, die als größter Einzelaktionär der Börse AG ebenfalls ins Rennen geht. Auch andere elektronische Handelssysteme mit spezieller Ausrichtung auf bislang eher vernachlässigte Kleinaktionäre könnten sich zu ernsthaften Rivalen entwicklen. Die europäische Wertpapierlandschaft mit dem zusätzlichen Treibmittel der gemeinsamen Währung Euro wird deshalb in den nächsten Monaten und Jahren noch für einige Überraschungen sorgen.

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