Konkurrenz sieht Rückkehr mit gemischten Gefühlen
Das Comeback des Casino-Königs

Wer in den USA scheitert, ist nicht weg vom Fenster. Doch wer zurückkehren will, muss dazulernen. Der Beweis: Steve Wynn, der zum zweiten Mal Las Vegas revolutionieren möchte.

Tief gebeugt über einen Zeichentisch in einer Suite des geschlossenen Desert-Inn-Hotels in Las Vegas arbeitet Steve Wynn an seinem Comeback. Eine Augenkrankheit lässt seinen Farbsinn verschwimmen, nachts ist er fast völlig blind. Und doch kümmert er sich um jedes Detail seines Traums: das Luxus-Hotel "Le Reve".

Im April 2005 soll das Zwei-Milliarden-Dollar-Projekt öffnen. "Es gibt keinen Grund, nach Vegas zu fahren, bis ,Le Reve? öffnet", glaubt sogar Jason Ader, Branchenanalyst bei Bear Stearns. Doch für Wynn ist das Hotel mehr als ein Projekt: Es soll sein Comeback werden - das glanzvollste, als Erfinder der Mega-Casinos und als Mann, der den Luxus in die Stadt brachte - und als der größte Verlierer der Spielbank-Branche. Aus einem kleinen Bingo-Laden seines Vaters machte er ein Imperium. Mit dem "Mirage" (Kennzeichen: Feuer spuckende Vulkane vor dem Eingang) eröffnete er 1989 die Ära der Megacasinos, das "Bellagio" wurde 1998 der erste Luxustempel in der Spielerstadt.

Doch der Erfolg stieg ihm zu Kopf. "Er hat überdreht", von 400 Millionen Dollar für das "Bellagio" - Geld spielte keine Rolle im Reiche Wynn. Dazu übelste Beschimpfungen von Analysten, die ihn kritisierten und ein missglücktes Hotelprojekt am Mississippi. Im März 2000 folgte das Aus: MGM Grand startete eine feindliche Übernahme. Er selbst kam gut aus der Sache raus: Er kaufte das alte "Desert Inn" und erhielt für seine Mirage-Anteile 500 Millionen Dollar.

In Deutschland wäre er trotz Reichtums wohl ein Verstoßener der Wirtschaft. Nicht so in den USA: Wynn fand neue Geldgeber, um "Le Reve" zu finanzieren. Doch wie bekommt einer, der so groß gescheitert ist, wieder Geld? Die Übernahme durch MGM habe Wynn klar gemacht, dass jeden Tag etwas passieren könne, was das Leben total ändere, sagt seine Frau Elaine. Und er zog daraus seine Lehren:

  1. Unternehmen: "Ich hielt zu wenig von meiner eigenen Firma", erkannte er. Nur 12 Prozent der Anteile waren wirklich in seiner Hand. An den neuen

    Wynn Resorts

    hält er 31 Prozent und hat mit dem japanischen Spielemaschinenhersteller Aruze einen weiteren Großaktionär an Bord, der ebenfalls 31 Prozent besitzt.

  2. Erfinde Dich neu: Früher war Wynn ein Kotzbrocken, heute macht er auf Ehrlichkeit pur. Bei einem Abendessen mit Fondsmanager Mario Gabelli antwortete Wynn auf die Frage, warum man jetzt investieren solle, wenn es drei Jahre dauert, bis "Le Reve" schwarze Zahlen schreibt: Ich habe keine Antwort darauf, außer dass nichts von wert in einer Woche geschaffen wird."

  3. Krieche zu Kreuze: Warburg-Analyst Robin Farley. Denen begegnete Wynn mit Offenheit und kleinen Fingerzeigen. So vermietet er seine private Kunstsammlung für 1 Dollar jährlich an "Le Reve". Und er verspricht mit ernstem Gesicht,

    Wynn Resorts

    würde "zu einem Musterbeispiel an Corporate Governance".

  4. Vergiss die Börse: 21 Dollar hätte Wynn gern beim Börsengang seiner neuen Firma im Oktober erhalten. Es wurden nur 13. Doch inzwischen hat

    Wynn Resorts

    ein Plus von 10 Prozent gemacht, während die

    Nasdaq

    dahindümpelt.

Und deshalb wird die Konkurrenz nervös: Erzrivale MGM hat die Verträge seiner Top-Leute verlängert und baut neue Luxus-Hoteltürme.

Andere sehen Wynn jedoch als Hoffnungsträger. Nach einem katastrophalen Jahresstart und im Angesicht eines Irak-Krieges machen sich die Banken der Großcasinos Sorgen, ob die Wüste Nevadas zum Tal des Todes wird. Allein seit Jahrsbeginn verlor der Dow-Jones-Branchenindex für Casinos fast 15 Prozent. Die Wirtschaftskrise hält viele Touristen davon ab, ihr Geld an Roulette-Tischen und einarmigen Banditen zu riskieren. Wynn aber setzt auf eine neue Klientel: Geschäftsreisende. Die waren trotz vieler Messen lange verpönt: Belegten sie doch Hotelbetten, ohne zu spielen.

Für sie als Kunden baut Wynn einen eigenen Eingang im "Le Reve" und Konferenzzonen vom Feinsten. Doch ob das reicht, um den Platzhirsch in Sachen Geschäftsreisende zu schlagen, das "Four Seasons"? Schließlich liegt "Le Reve" in einer Albtraumgegend - ganau gegenüber einem Billig-Casino.

Keine Angst, auch das hat Wynn bedacht: Ein künstlicher Berg soll sich vor dem Eingang aufbauen und mit Spezialeffekten, Wasserfall und künstlichem Nebel den trostlosen Blick auf die andere Straßenseite versperren.

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