Konkurrenz zum Frankfurter Aktienmarkt
Deutsche Bank bastelt eigene Börse

Die Deutsche Bank treibt ihre Pläne zum Aufbau einer Konkurrenzveranstaltung zur Deutschen Börse weiter voran. Nach Informationen des Handelsblatts will die Bank im November bei ihren Kunden den Handel über das so genannte "Price Improvement Service" (PIP) testen. Aufträge von Kleinanlegern werden bei dieser Handelsform nicht mehr an die Börsen geleitet. Vielmehr handeln die Kunden direkt mit der Bank.

HB FRANKFURT/M. Sollte die Deutsche ihr außerbörsliches System in großem Stil einführen, wäre das ein herber Schlag für die Börse - schließlich ist die Bank einer ihrer größten Kunden.

Die im Fachjargon Internalisierung genannte Handelsart ist seit einiger Zeit in der Diskussion. Sie erlaubt den Banken, an der Spanne zwischen An- und Verkaufskurs (spread) der Aktien zu verdienen. Im Zuge des Börsenbooms hatten viele Banken über derartige Systeme nachgedacht. Um den drohenden Umsatzeinbrüchen vorzubeugen, hatte die Börse vor wenigen Wochen ein eigenes Handelssystem namens Xetra Best gestartet, das den Banken ebenfalls die Internalisierung erlaubt. Der Start von Xetra Best ist allerdings verhalten. Bisher gibt es lediglich fünf Teilnehmer, darunter die Commerzbank und die Hypo-Vereinsbank. Generell wird das Thema Internalisierung in Bankenkreisen derzeit eher auf kleiner Flamme gekocht. Denn nach dem Kurseinbruch an den Börsen halten sich die Kleinanleger, für die solche Systeme gedacht sind, mit Aktiengeschäften spürbar zurück. Damit ist es fraglich, inwieweit sich die Internalisierung für die Banken überhaupt lohnt.

Dennoch ist die Deutsche Bank, die bisher nicht auf Xetra Best handelt, offenbar dazu entschlossen, ihre eigene Plattform zu etablieren. Durchgesickert waren entsprechende Pläne erstmals im Dezember 2000. Damals war von einem Investitionsvolumen von 100 Mill. Euro die Rede. Diese Zahl hat die Bank, die sich bezüglich des gesamten Projekts äußerst bedeckt hält, nie bestätigt. In der Finanzszene kursierten zeitweilig bereits Gerüchte, die Bank habe ihr Projekt wegen der Börsenflaute auf Eis gelegt. Dass dieser Eindruck trügerisch war, zeigte sich spätestens Mitte September: Seitdem können die Kunden der Sparda-Banken über PIP mit der Deutschen Bank handeln. Dieser erste Test fiel aus Sicht der Deutschen Bank offenbar zumindest so zufriedenstellend aus, dass sie nunmehr auch die eigenen Kunden an das System heran führen will.

Beobachter weisen in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass die Deutsche Bank letzte Woche ihre Beteiligung an der Deutschen Börse für 360 Mill. Euro verkauft hat. Die Bank selbst erklärte den Verkauf als Teil der Strategie, sich von nicht strategischen Beteiligungen zu trennen. Ohne den Anteil würde sich die Deutsche aber wohl auch leichter tun, eine Konkurrenz zur Börse aufzubauen.

Quelle: Handelsblatt

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