Konrad Hilgers soll Home Shopping Europe wieder an die Spitze führen
Einkaufskanal holt Ex-Chef von Napster

Der Umzug aus dem kalifornischen San Mateo nach München ist Konrad Hilbers nicht leicht gefallen. Denn auf den früheren Chef der mittlerweile Pleite gegangenen US-Musiktauschbörse Napster wartet in Bayern ein schwieriger Job: Er muss den Einkaufssender Home Shopping Europe deutlich profitabler machen. Erst vergangene Woche hat der Teleshopping-Kanal erstmals die Marktführerschaft an die Düsseldorfer Konkurrenz QVC abgeben.

MÜNCHEN. Hilbers steht unter dem Druck seiner beiden Gesellschafter, dem Medienkonzern USA Interactive (Anteil rund 90 %) und dem Handelskonzern Karstadt-Quelle. "Unser Ziel haben wir erreicht: HSE ist auch im vierten Jahr profitabel gewachsen. Aber wir haben Marktanteile abgeben" , sagte der 40jährige Wirtschaftsinformatiker dem Handelsblatt.

Die 1995 gegründete Home Shopping Europe AG schreibt seit vier Jahren schwarze Zahlen. Das Teleshoppingunternehmen aus dem Münchener Vorort Ismaning hat im letzten Jahr einen Nettoumsatz von 288,2 Mill. Euro erwirtschaftet. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) kletterte um 31 % auf 8,7 Mill. Euro.

Der bisherige HSE-Chef John Watson brachte den Kanal in den vergangenen Monaten im Auftrag von USA Interactive wieder auf Kurs, nachdem der jetzige Premiere-Chef Georg Kofler und Kirch-Sohn Thomas ihre Anteile verkauft hatten. Kofler wollte mit einer aufwendigen Expansion ganz Europa mit seinen Einkaufskanälen überziehen. Er scheiterte. "Die Strategie eines europäischen Wachstums und eines anschließenden Börsengangs ist längst ad acta gelegt", sagt Hilbers über die Kofler-Zeit. Die Aufräumarbeiten bei Home Shopping Europe seien nun beendet.

Hilbers zeigt sich für den Sender mit seinen 380 Mitarbeitern optimistisch. "Der Markt für Teleshopping wächst in Deutschland weiter. Eine Studie beziffert das Potenzial bis 2007 auf 1,4 Mrd. Euro." Vor allem mit Schmuck und Kosmetikartikeln verdient HSE gutes Geld. So hat der Sender mit den Schauspielerinnen Uschi Glas und Christine Kaufmann eigene Produktserien auf den Markt gebracht. Diese Erfolgsgeschichte will Hilbers fortsetzen. "Wir werden weiter eigene Marken mit Prominenten entwickeln."

Auch das Internetgeschäft bei HSE soll wachsen. Hilbers: "Wir haben das Ziel, den Anteil des Internets am Umsatz von derzeit vier auf mittelfristig zehn Prozent zu erhöhen. Der Online-Shop HSE24.de erreichte im letzten Jahr mit einem Nettoumsatz von rund 10,8 Mill. Euro die Gewinnzone.

Hilbers, der neun Jahre bei Bertelsmann war, kennt das Mediengeschäft gut. Er arbeitete beim Aufbau des Kölners Senders Vox mit, war für einen New Yorker Buchverlag tätig und stand in Diensten des Onlineanbieters AOL/Bertelsmann. Außerdem war er für Bertelsmanns Musiksparte BMG aktiv. Zuletzt war er Chef von Napster, Bertelsmanns umstrittener Musiktauschbörse im Internet.

Teleshopping wird in Deutschland immer wichtiger. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass das Marktvolumen bis Ende des Jahrzehnts von jetzt rund 700 Mill. sogar auf etwa 2 Mrd. Euro steigen wird. Angesichts sinkender Werbeeinnahmen spielt der Verkauf von Waren über den Bildschirm eine immer größere Rolle. QVC liefert sich derzeit mit HSE ein Kopfan-Kopf-Rennen um die Marktführerschaft. Erstmals hatten im letzten Jahr die Düsseldorfer die Nase vorn. QVC mit seinen 1 900 Mitarbeitern setzt auf rasantes Wachstums. Der Umsatz soll um 30 % in diesem Jahr wachsen. Sechs Jahre nach seiner Gründung schrieb QVC 2002 erstmals schwarze Zahlen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag bei 7,3 Mill. Euro gegenüber einem Verlust von 6,6 Mill. Euro im Vorjahr. Der Nettoumsatz des Fernsehkaufhauses, an dem der US-Medienkonzern Liberty Media mit 43 % beteiligt ist, stieg um 31 % auf 289 Mill. Euro.

Neben den beiden Shoppingkanälen QVC und HSE versucht auch der größte deutsche Fernsehsender RTL sein Engagement auszubauen. Die vor zwei Jahren gegründete Teleshopping-Tochter RTL Shop hat ihren Brutto-Umsatz 2002 auf 114,3 Mill. Euro verdoppelt. Experten gehen davon aus, dass der Verlust 10 bis 15 Mill. Euro beträgt. RTL Shop will nächstes Jahr schwarze Zahlen schreiben.

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