Konrad Reiss, Chef von T-Systems und Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom
Der selbstbewusste Rückkehrer

"Segeln ist eine gute Mischung aus Sport und Seele-baumeln-lassen", sagt Konrad Reiss. So verbringt er seine Freizeit gerne auf einer Segelyacht. Doch ganz entspannt und ohne Risiko geht es auf hoher See nicht immer zu: Bei einem Törn vor der französischen Mittelmeerküste stellte sich heraus, dass eine Schweißnaht im Rumpf des gecharterten Schiffs undicht war.

FRANKFURT. "Mit Eimern musste die gesamte Crew Wasser schöpfen, um das leckgeschlagene Schiff sicher in den Hafen zu bringen", erzählt Reiss. Auch im Vorstand der Deutschen Telekom, dem er als neuer T-Systems-Chef seit Februar angehört, müssen schwere Aufgaben gemeinsam bewältigt werden. Jede einzelne Konzernsäule muss ihren Beitrag zum Abbau des großen Schuldenbergs der Telekom leisten. Und ohne Risiken ist das Geschäft ebenfalls nicht. So dürfte er genau hingehört haben, als der neue Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke Ende Januar öffentlich betonte, dass "T-Systems nicht als Ganzes zum Verkauf steht".

Über Rickes öffentliches Bekenntnis wird Reiss wohl erleichtert gewesen sein. Denn: Der 45-Jährige hat bereits seine schlechten Erfahrungen gemacht. Schon einmal wurde er an die Spitze eines IT-Dienstleisters berufen, der wenig später einen neuen Eigentümer bekam. Das war im Frühjahr 2000 als er von Cap Gemini an die Spitze des Stuttgarter Debis Systemhauses wechselte. Das gehörte dem Automobilkonzern Daimler-Chrysler. Doch wenige Wochen später verkaufte Daimler-Chef Jürgen Schrempp die Mehrheit der IT-Tochter an die Deutsche Telekom. Deren damalige Spitze, Ron Sommer, hatte das ehrgeizige Ziel, T-Systems zu einem internationalen Anbieter von IT-Dienstleistungen und Telekommunikation aus einer Hand zu machen.

T-Systems ist wichtige Konzernsäule

Mit mehr als zehn Milliarden Euro Umsatz ist T-Systems heute eine gewichtige Konzernsäule, die das Großkunden- und IT-Geschäft der Deutschen Telekom bündelt. Als Chef der neuen Konzernsäule T-Systems hatte Sommer allerdings einen anderen als Reiss erkoren: Karl Heinz Achinger, Vorgänger von Reiss auf dem Chefposten des Debis Systemhauses. Es dürfte wohl diese Personalie gewesen sein, die Reiss nicht akzeptieren konnte. Wegen "tief greifender Differenzen über die strategische Ausrichtung", so die Begründung eines Telekom-Managers, verließ Reiss Ende 2000 das Debis Systemhaus. Seine jetzige Rückkehr begründet Reiss auch damit, dass "die Deutsche Telekom in der Zwischenzeit ein anderes Unternehmen geworden ist".

So dürfte es dem als selbstbewusst geltenden Manager entgegenkommen, dass Ricke den Konzern weniger zentralistisch als sein Vorgänger Sommer führt. So sorgte er dafür, dass die Chefs der operativen Säulen auch im Konzernvorstand vertreten sind. Mit dem Spartenchef Reiss ist der Vorstand der Telekom also jetzt vorerst komplett. Im Umgang mit Mitarbeitern gilt der neue T-Systems-Chef als offen - wenn auch distanziert. Er sei kein Vorgesetzter, "mit dem man auf einen Kaffee geht", erzählt ein ehemaliger Debis-Mitarbeiter. Doch als die Gerüchte um den Verkauf des Systemhauses in der Belegschaft überschäumten, sei Reiss kurzerhand in der Kantine auf einen Tisch geklettert und habe die Mitarbeiter direkt angesprochen. Bei wichtigen Fragen präsent zu sein scheint für den Vater von drei Kindern auch privat Priorität zu haben.

So werde schon mal "eine interne Besprechung unterbrochen, weil sein Sohn ihn dringend am Telefon sprechen muss", berichtet ein Ex-Kollege von Cap Gemini. In den kommenden Monaten wird Reiss seine Familie wahrscheinlich wenig zu Gesicht bekommen. Die Probleme, die er bei T-Systems angehen muss, sind vielfältig. Zwar betont er, dass er "nicht als Sanierer" gekommen sei. Doch der Umsatz ist rückläufig, und rund 3 500 der insgesamt 43 000 Mitarbeiter müssen gehen.

Gleichzeitig wächst der Druck, einen Partner zu suchen, mit dem das Unternehmen im Ausland kooperieren kann. VITA Konrad Reiss. Er wird 1957 in Schwäbisch Hall geboren. Nach seiner Ausbildung zum Diplomkaufmann steigt er 1985 bei der Unternehmensberatung Gruber, Titze und Blank ein. Fünf Jahre später übernimmt Gemini Consulting das Unternehmen. Reiss wird 1995 Deutschland-Chef von Cap Gemini und wechselt fünf Jahre darauf als Geschäftsführer an die Spitze des Daimler-Chrysler-Systemhauses Debis. Wenig später wird das Unternehmen zu 51 Prozent von der Deutschen Telekom übernommen. Nach Differenzen mit Telekom-Chef Ron Sommer verlässt Reiss das Systemhaus im Oktober 2002. Bereits Ende vergangenen Jahres holt ihn der jetzige Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke zurück. Reiss wird Geschäftsführer von T-Systems.

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