Konsequenz aus Übertreibungen
Welteke begrüßt Korrektur an den Finanzmärkten

Die deutlichen Kursverluste an den weltweiten Aktienmärkten in den vergangenen Monaten sind nach Worten von Bundesbankpräsident und EZB-Ratsmitglied Ernst Welteke eine durchaus wünschenswerte Korrektur früherer Übertreibungen.

Reuters FRANKFURT. "Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist bei einigen Unternehmen immer noch übertrieben hoch und nicht durch deren Entwicklung gerechtfertigt", sagte Welteke am Dienstagabend im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten. Bei einzelne Unternehmen und Teilmärkten seien weitere Kurskorrekturen notwendig. Welteke mahnte mit Blick auf die jüngste Reihe von Bilanzskandalen in den USA deutliche Anstrengungen an, um das Vertrauen in die Wirtschaft zu sichern: "Daraus könnten sich sonst größere wirtschaftliche Risiken entwickeln."

Zur deutschen Konjunktur äußerte sich Welteke vorsichtig, bezeichnete die Wachstumsprognose der Bundesregierung von 0,75 % für diese Jahr aber als "nicht ganz falsch". "Aber um das zu erreichen, bedarf es eines kräftigen Anstiegs bis in die Nähe des Potenzialwachstums bis Ende diese Jahres", sagte Welteke. Das Potenzialwachstum ist die Rate, mit der eine Volkswirtschaft ohne Inflationsdruck wachsen kann, und liegt in Deutschland etwa im Bereich des Wertes für die Euro-Zone von 2,0 bis 2,5 %.

Die jüngste Stärke des Euro bedeutet nach Worten Weltekes noch keine Gefahr für die deutsche Wirtschaft. "Der Export spielt sich nicht nur mit Dollar-Ländern ab", sagte der Bundesbankpräsident. Devisenmarktinterventionen der Europäischen Zentralbank (EZB) stehen nach Worten Weltekes nicht zur Diskussion.

Besonders die Ungewissheiten über die weitere Kursentwicklung des Euro erschwert Welteke zufolge derzeit die Inflationsprognosen für die Euro-Zone. Die jüngste Euro-Aufwertung von zeitweise über 12 % zum Dollar dämpfe den Preisdruck in der Euro-Zone, sagte das EZB-Ratsmitglied. Wie zuletzt EZB-Präsident Wim Duisenberg nannte Welteke das Geldmengen- und Lohnentwicklung und eine laxe Haushaltspolitik von Mitgliedsstaaten als Risiken für die Preisstabilität. Welteke regte zudem an, den Stabilitäts- und Wachstumspakt eher zu verschärfen und die Mitgliedsländer bereits in wirtschaftlich guten Zeiten zu mehr Haushaltsdisziplin zu bewegen.

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