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Konsequenzen für die Weltwirtschaft

Die Schockwellen der verheerenden Terroranschläge in New York und Washington werden die Weltwirtschaft erschüttern. Die demonstrierte Ohnmacht der größten Volkswirtschaft der Welt im Angesicht des Terrors könnte die seit Monaten siechenden US-Konjunktur endgültig in die Rezession stürzen, warnen Experten.

dpa WASHINGTON. Angesichts der ebenfalls Besorgnis erregenden Wachstumsraten in Europa wären die weltweiten Konsequenzen fatal. "Das war ein Schlag für das Vertrauen in das Finanzsystem und in die kapitalistische Welt", sagte Alan Beaney, Fondsmanager beim Investmenthaus Principle Investment Management Ltd., der Finanzagentur Bloomberg. "Dies ist das, was uns vielleicht in die Rezession stürzen wird", sagte die Chefökonomin des Investmenthauses Zurich Scudder Investments.

Die amerikanische Notenbank (Fed) hat Stunden nach den Anschlägen mit der Schadensbegrenzung begonnen. Die Bank werde den Markt mit aller nötigen Liquidität versorgen, teilte die Fed am Dienstag mit - ein Statement, wie es nach dem Börsencrash 1987 veröffentlicht worden war. Die Fed, die den stotternden Konjunkturmotor seit Anfang des Jahres mit bereits sieben Zinssenkungen zu zünden versuchte, werde die Zinszügel jetzt mit Sicherheit weiter lockern, sagten Experten voraus, vermutlich noch vor der nächsten Sitzung im Oktober. Im Fernsehen forderten Ökonomen die US-Regierung auf, die Staatskassen zu öffnen. Bei den anstehenden Haushaltsberatungen sollten die selbst auferlegten Ausgabenbegrenzungen unbedingt gesprengt werden. Ein Steueranreiz sei angebracht, um die Wirtschaft in Gang zu halten.

Mit dem World Trade Center sind am Dienstag auch die Schaltzentralen zahlreicher Finanzinstitute zerstört worden, die in den riesigen Gebäude ihren Sitz hatten. Das Finanzunternehmen Morgan Dean Stanley Witter hatte dort 50 Stockwerke gemietet. Auch die Commerzbank, die Deutsche Bank und die Schweizer Credit Suisse Group hatten dort Büros.

Mit der Schließung sämtlicher amerikanischer Flughäfen kam der Personen- und Güterverkehr am Dienstag praktisch zum Erliegen. Die Kosten für die Luftfahrtindustrie, aber auch die Unternehmen dürfte in die Mrd. gehen. Mitarbeiter waren in fernen Städten gestrandet, Geschäftstreffen wurden abgesagt, Hunderttausende Tonnen von Gütern steckten fest.

In Krisenzeiten suchen Anleger immer sichere Häfen für ihre Gelder. Aktien gehören nicht dazu. Die Börsen in Europa und Asien gerieten schon am Dientag in freien Fall. Wie die Wall Street, die frühestens am Donnerstag wieder öffnet, reagiert, wagen Analysten sich gar nicht auszumalen. Medien berichteten, es sei das erste Mal seit dem ersten Weltkrieg, dass die US-Börse nach einer Katastrophe so lange geschlossen wurde.

Vor allem fürchten Beobachter den psychologischen Effekt der Terrorattacken. Die Entwicklung der US-Konjunktur steht und fällt mit den Verbrauchern. Sie tragen mit ihren Ausgaben zwei Drittel der amerikanischen Wirtschaft. "Weil die US-Behörden weitere Anschläge nicht ausschließen können, werden die Verbraucher hier und im Ausland tief verunsichert", sagte der Chefökonom des Investmentberaters Banc One, Anthony Chan. Schon der unerwartete Sprung bei der amerikanischen Arbeitslosenquote von 4,5 auf 4,9 % hatte Ökonomen vergangene Woche alarmiert. Die unablässigen Massenentlassungen großer US-Unternehmen schlugen nicht nur auf die Quote durch, sondern auch auf das Gemüt der Verbraucher.

Mit großer Sorge beobachten Banker und Wirtschaftslenker auch den Ölpreis, der schon am Dienstag kräftig in die Höhe ging. Mögliche Vergeltungsattacken der USA im Nahen Osten könnten die Ölquellen versiegen lassen, ist die Befürchtung. Auch vor elf Jahren stürzten der zweite Golfkrieg und die hohen Ölpreise die US-Wirtschaft in die Rezession.

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