Konservative Kandidatin verfehlte die Stichwahl
Peru: Kontrahenten müssen in Stichwahl

Das Rennen um die Nachfolge des Präsidenten Alberto Fujimori bleibt weiter offen. Der Wirtschaftsexperte Alejandro Toledo (55) hat bei der Präsidentenwahl in Peru am Sonntag mit 36,2 % die meisten Stimmen erhalten, verpasste aber die für einen Sieg in der ersten Runde die notwendige absolute Mehrheit.

rtr/dpa/HB LIMA. Der 55-Jährige muss deshalb Ende Mai oder Anfang Juni in einer Stichwahl gegen den zweitplatzierten früheren Präsidenten Alan Garcia antreten.

Der 51-jährige Jurist der Apra-Partei kam nach Auszählung von 50 % der Stimmen auf 26,2 %. Damit war das Rennen um die Nachfolge des Präsidenten Alberto Fujimori weiter offen. Fujimori war im vergangenen November im Zusammenhang mit einem Korruptionsskandal des Amtes enthobenen worden. Toledo gab sich zuversichtlich, dass er die zu einem Sieg noch fehlenden Stimmen bei der Stichwahl gewinnen werde.

Der erst vor zwei Monaten aus einem mehr als achtjährigen Exil nach Peru zurückgekehrte frühere Staatschef Garcia hatte zunächst als chancenloser Außenseiter gegolten. Mit einem äußerst geschickten Wahlkampf konnte sich der brillante Redner wieder zu einem ernsthaften Aspiranten auf das höchste Staatsamt entwickeln.

Der Wahlkampf dürfte nach Einschätzungen politischer Beobachter in Lima hart werden, weil Toledo und Garcia um ähnliche Wählerschichten konkurrieren. Die christlichsoziale Kandidatin Lourdes Flores (41) der Partei Unidad Nacional verfehlte mit 23,51 % ihr Ziel, in die Stichwahl zu gelangen. Auf Platz vier landete Fernando Olivera von der Partei Frente Independiente Moralizador mit 10,5 %. Die anderen vier Kandidaten konnten nur wenige Stimmen gewinnen.

Die Wahl verlief nach Angaben von Beobachtern ordnungsgemäß und fair. Allerdings wurde bei einem Angriff der maoistischen Rebellengruppe Leuchtender Pfad auf einen Militärstützpunkt bei der Stadt Tingo Maria ein Soldat verletzt.

Toledo lag seit Monaten in Führung

Bei der zugleich abgehaltenen Parlamentswahl wurde Toledos Partei Peru Posible nach Hochrechnungen zwar stärkste Partei, verfehlte aber die absolute Mehrheit. Zweitstärkste Fraktion wurde Garcias Apra mit 29 Abgeordneten gefolgt von der Frente Independiente Moralizador mit 11 Sitzen. Fujimori nahe stehende Kräfte eroberten nur vier Sitze. Die Wahlbeteiligung lag bei 85 %. Es herrschte Wahlpflicht.

Toledo, ein Befürworter der freien Marktwirtschaft, hatte bereits seit Monaten in den Umfragen vorn gelegen. Ebenfalls abgezeichnet hatte sich, dass er den Wahlsieg wahrscheinlich nicht schon in der ersten Runde davontragen würde. Am Sonntag hatte Toledo seine Anhänger aufgerufen, ihm eine Stichwahl zu ersparen: "Ich habe jetzt schon Ringe unter den Augen und graue Haare", sagte Toledo. Er wolle nun nicht noch für weitere 45 Tage in den Wahlkampf. Bei der Wahl im vergangenen Jahr war Toledo nach eigenen Angaben nur durch Wahlbetrug seitens Fujimori um seinen Sieg gebracht worden. Angesichts der groben Wahlmanipulationen durch die damalige Regierung boykottierte Toledo die zweite Wahlrunde und Fujimori gewann die Wahl.

Toledo-Kontrahent Garcia war von 1985 bis 1990 Präsident Perus, eine Zeit, die von einer schweren Wirtschaftskrise und den Verbrechen der maoistischen Guerilla-Gruppe "Leuchtender Pfad" geprägt war. Im Wahlkampf hatte Garcia angekündigt, er habe aus den Fehlern seiner ersten Amtszeit gelernt. Sollte es zur Stichwahl kommen, so dürfte sie im Mai oder Juni stattfinden.

Fujimori war im vergangenen Jahr zum zweiten Mal wiedergewählt worden. Von einer Japanreise kehrte das Staatsoberhaupt allerdings nicht mehr nach Peru zurück. In seiner Abwesenheit zerfiel der Machtzirkel um den Geheimdienstchef Wladimir Montesinos, der seine Regierung abgesichert hatte. Fujimori wurde vom Kongress mit der Begründung abgesetzt, er sei moralisch als Staatsoberhaupt ungeeignet. An Fujimoris Stelle trat Übergangspräsident Valentin Paniagua, der damalige Parlamentspräsident. Die Amtsübergabe an den neuen Präsidenten ist für den 28. Juli vorgesehen.

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