Konsoldierungen bergen Kursfantasie
Die Telekombranche hat ein Schicksalsjahr vor sich

Nach dem für die Telekom - Branche turbulenten Jahr 2000 stehen auch im kommenden Jahr zahlreiche Weichenstellungen für die deutschen Telekomfirmen an. Analysten sagen für 2001 ein schwächeres Wachstum im Mobilfunk, ein verhaltenes Börsenklima für die Branche und weitreichende Entscheidungen der Regulierungsbehörde zum Wettbewerb im Ortsnetz und zu schnellen Telefon- und Internetverbindungen voraus. Für Phantasie könne aber Konsolidierungsdruck sorgen.

Reuters FRANKFURT. Branchenbeobachter rechnen zumeist damit, dass die verhaltene Entwicklung der Branche am Aktienmarkt bis Mitte 2001 anhält. Im zu Ende gehenden Jahr hatten die börsennotierten Telekomwerte nach einem mehrmonatigen Höhenflug im Frühjahr einen Absturz erlebt und tendieren seitdem mit Abschlägen von oft 60 % nahe der Jahrestiefstände. Während kurzfristig Befürchtungen über die Milliarden-Kosten für den Aufbau der nächsten Mobilfunkgeneration UMTS die Börsenwerte belasten, wird der Branche langfristig ein hohes Wachstumspotenzial eingeräumt.

Für Kursphantasie könnte die noch ausstehende Konsolidierung unter den europäischen Telekom-Werten sorgen, prognostiziert Analyst Christoph Vogt vom Hamburger Bankhaus M.M.Warburg. Bislang verlief die Konsolidierung in den westeuropäischen Kernmärkten mit Ausnahme der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone und Fusionen in der Internet-Sparte zumeist in nationalen Grenzen, da eine Vielzahl der großen Anbieter noch zu weiten Teilen in staatlicher Hand sind. Anaylsten rechnen nach dem Abschluss der geplanten Übernahme des US-Mobilfunkunternehmens Voicestream in der ersten Jahreshälfte 2001 damit, dass die Deutsche Telekom einen erneuten Annährungsversuch an Telecom Italia unternehmen wird. British Telecom wird bei Viag Interkom wird im Januar Eon als Mehrheitseigner ablösen.

Marktsättigung beim Mobilfunk in Sicht

Im zu Ende gehenden Jahr wird der alle optimistischen Prognosen übertreffende Boom im deutschen Mobilfunkgeschäft binnen zwölf Monaten eine Verdoppelung der Kundenzahl auf zusammen rund 50 Millonen Nutzer bringen. Damit rückt die Sättigung des Marktes näher. Der Kampf um die quasi letzten Verbraucher ohne Handy dürfte bei sinkenden Neukundenwachstum dazu führen, dass einigen Anbietern sinkende Marktanteile drohen. Die unter Druck geratenen Gewinnmargen der Unternehmen werden jedoch zur Freude der Börse wieder steigen, da die Subventionskosten für Neukunden sinken werden.

Zu einem Schlagwort in der Branche wird nach Einschätzung von Analysten GPRS (General Packet Radio System) avancieren. Darunter versteht man die Übertragung von Daten oder Sprache per Mobilfunk in kleinen Paketen. Diese UMTS-ähnliche Übertragung ermöglicht schnellere Datentransfers und wird die mobile Internet-Nutzung vorantreiben. Über die Tarifmodelle herrscht aber noch Stillschweigen bei den Mobilfunkanbietern, die GPRS spätestens im ersten Quartal starten werden. Mit der Einführung des Standards UMTS, der mobiles Internet nochmals komfortabler machen soll, wird in Europa frühestens Mitte 2002 gerechnet. In Japan wird UMTS schon im Frühjahr 2001 zur Verfügung stehen.

Mobilfunksparten drängen an die Börse

Mit Spannung werden die wegen der unsicheren Lage am Aktienmarkt verschobenen Börsengänge der Mobilfunksparten der Branchengrößen France Telecom, BT, KPN und Deutsche Telekom erwartet. Für die mit rund 100 Mrd. Euro bewertete Telekom-Tochter T-Mobile wird damit zur Jahresmitte gerechnet. Bei einem verbesserten Börsenklima könnten zudem weitere T-Aktien aus Staatsbesitz an den Kapitalmarkt kommen.

Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post wird Analysten zufolge mit mehreren Entscheidungen die Entwicklung des deutschen Telekommarkts beeinflussen. Am 31. März läuft der festgelegte Mietpreis für Telekom-Kundenanschlüsse aus. Dieser Preis gilt als einer der Schlüssel zum Ortsnetzwettbewerb. Während die Telekom Interesse an einem möglichst hohen Preis hat, dringen die Wettbewerber auf eine Senkung der Miete von derzeit monatlich 25,40 DM, um der marktbeherrschenden Telekom im Ortsnetz mehr Kunden abzujagen. Darauf zielen auch bei der Behörde anhängige Missbrauchsverfahren, die klären sollen, ob die Telekom ihre Wettbewerber bei schnellen Telefon-Verbindungen mittels DSL-Technik und im Ortsnetz generell diskriminiert.

Keine Einigung gibt es bislang bei der Verpflichtung der Telekom, für ihre Wettbewerber unter Umständen die Gebühren für die Telefonate abrechnen zu müssen. Auch dies könnte die Regulierungsbehörde noch beschäftigen. Nach dem Wechsel an der Behördenspitze wird in der Branche spekuliert, ob der harte Kurs gegenüber dem ehemaligen Monopolisten fortgesetzt wird.

Nutzung des Telekom-Netzes wird billiger

Internet-Nutzer können im kommenden Jahr darauf hoffen, dass die Preise für unbegrenztes Surfen fallen werden. Das Telekom-Pauschalangebot für Wettbewerber könnte dazu führen, dass Online-Dienste Pauschaltarife zu wirtschaftlicheren Konditionen als bisher anbieten können. Zudem wird es Raum für Tarifsenkungen bei Internetverbindungen und Sprachtelefonie geben, da die Konkurrenten der Telekom ab Juni rund 13 % weniger für die Nutzung des Telekom-Netzes zahlen müssen.

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