Konsolidierung bei IT-Töchtern von Konzernen erwartet
IT-Übernahmepoker spielt im Mittelstand

In der europäischen IT-Branche rechnen Experten ab 2004 wieder mit einer steigenden Zahl von Übernahmen. Neben dem Verkauf von IT-Töchtern großer Konzerne wird der wachsende Druck auf mittelständische Softwarefirmen und kleine IT-Dienstleister zu einer größeren Zahl von Verkäufen führen.

FRANKFURT/M. Laut einer bisher unveröffentlichten Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young ist die Zahl der Übernahmen in der europäischen High-Tech-Branche 2003 auf ein Rekordtief von 887 gesunken. Zum Vergleich: 2001 lag die Zahl der Übernahmen von Hardware-, Software-, Internet- und IT-Service-Unternehmen noch bei rund 1 800.

"Die Bewertung für IT-Unternehmen war in den vergangenen zwei Jahren so niedrig, dass es auch für Verkäufer kaum interessant war, sich von Unternehmen und Beteiligungen zu trennen", sagt Carsten Risch, der bei Ernst & Young auf die IT-Branche spezialisiert ist. Doch allmählich klettern die Preise wieder: So hatte der Internetanbieter T-Online für das Kleinanzeigen-Portal "Scout24" im Dezember 2003 immerhin 219 Mill. Euro hingeblättert. Und ein weiterer Grund könnte das Übernahmegeschäft ankurbeln: "Vor zwölf Monaten war Cash die einzige Währung für Akquisitionen. Das beginnt sich nun langsam wieder zu ändern", sagt Risch. Das Vertrauen in Aktien als Akquisitionswährung kehrt zurück.

Am stärksten dürfte 2004 wohl die Konsolidierung der mittelständischen Softwareszene ausfallen. "Um den Kunden eine langfristige Perspektive nachzuweisen, müssen Softwareunternehmen einen Umsatz von 40 bis 50 Mill. Euro haben. Deshalb suchen viele kleine Anbieter nach einer Lösung", sagt Risch.

Für IT-Konzerne wie IBM, Hewlett-Packard, CSC oder T-Systems sind dagegen die IT-Töchter der Großkonzerne interessant. Rund ein Dutzend solcher ausgegründeter IT-GmbHs könnten 2004 noch den Besitzer wechseln. Die RAG und Karstadt-Quelle haben ihre Verkaufspläne bereits offiziell gemacht. Der deutsche Stahl- und Maschinenbaukonzern ThyssenKrupp hat den den Verkauf seiner IT-Tochter Triaton an Hewlett Packard bereits unter Dach und Fach. Kaufpreis: 340 Mill. Euro. "Zuviel", findet ein IBM-Manager. Allerdings hatte sich IBM selbst für die Thyssen-Tochter interessiert.

US-Konzern CSC drängt nach Europa

Zu den potenziellen Käufern im deutschen Markt zählt auch der US-Outsourcing-Riese CSC. "Wir sind weiterhin daran interessiert, unsere Position in den europäischen Kernmärkten und damit in Deutschland auch durch Übernahmen auszubauen", sagt Frank Wilden, der bei CSC für das zentraleuropäische Outsourcinggeschäft zuständig ist.

Doch die steigenden Preise für IT-Dienstleister sind CSC ein Dorn im Auge. "Die meisten Verkäufe von IT-Töchtern großer Konzernen sind keine Unternehmensverkäufe, sondern Outsourcing-Deals. Der Wert dieser Unternehmen besteht in dem damit verbundenen Geschäft mit dem Mutterkonzern", so Wilden.

Doch nicht überall wird ein Verkauf als Allheilmittel gesehen. "In Branchen wie dem Automobilsektor wird sich dieser Trend stärker zeigen, andere werden sich dagegen entscheiden", glaubt Risch. So hat der Chemiekonzern type="organisation" value="DE0005151005">BASF bereits beschlossen, die IT-Tochter im Konzern zu halten. Auch Bayer winkt bei Gerüchten über einen Verkauf der IT-Tochter Scaleon ab: "Scaleon ist Teil der Bayer Business Services, die für den gesamten Konzern Dienstleistungen wie Personalverwaltung, Rechnungslegung und auch IT leistet", sagt ein Sprecher von Bayer Business Services.

Genau das ist allerdings nach Experteinschätzung das Profil, an dem IT-Konzerne wie IBM als Dienstleister künftig "größtes Interesse" haben werden.

Quelle: Handelsblatt Nr. 072 vom 14.04.04 Seite 18

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