Konsolidierung der Bierbranche
Biermarkt im Umbruch

Was den Franzosen ihr Rotwein ist, war den Deutschen ihr Bier. Keine andere Nation verzeichnete einen höheren Pro-Kopf-Verbrauch des Hopfen-Gebräus. Die deutschen Brauereien leiden unter dem sinkenden Pro-Kopf-Verbrauch. Sie sehen sich einer starken ausländischen Konkurrenz ausgesetzt.

vwd FRANKFURT. Innerhalb der nächsten zehn bis fünfzehn Jahre wird sich der deutsche Biermarkt konsolidieren. Das erwartet Stefan Leppin, Leiter Öffentlichkeitsarbeit und PR der Binding AG. -Brauerei Der Pro-Kopf-Verbrauch an Bier in Deutschland werde von 125,5 Liter im Jahr 2000 auf 123,1 Liter in 2001 oder um zwei bis 2,5 Liter jährlich zurückgehen. Letzten Endes bewege er sich in Richtung 100 Liter. Beim Erreichen dieser Marke werde dann die Marktbereinigung zu Ende sein.

Am Ende des Konsolidierungsprozesses werde es in Deutschland 200 bis 300 Brauereien weniger geben - derzeitiger Stand etwa 1 000. Im Gerangel um den deutschen Brauereimarkt mischen offensichtlich die ausländischen Wettbewerber kräftig mit. Global Player wie Heineken, Carlsberg, Tuborg, Amstel und Interbrew scharren schon mit den Hufen. So will allein Heineken Leppin zufolge sechs bis sieben weitere Regionalmarken dazukaufen. Leppin erwartet, dass die ausländische Konkurrenz auch vor "Horrorpreisen" - nicht zurückschrecken werde, um auf diese Weise Platzhirsch zu werden. So legte zum Beispiel Interbrew für Becks 3,5  Mrd. DM auf den Tisch.

Besonders schrill klingeln jedoch die Alarmglocken, wenn sich die ausländische Konkurrenz im Zuge der Markteroberung des Zwischenhandels bedient. Schließlich würde dies im großen Stile eine Verzerrung des jetzigen Wettbewerbs bedeuten. Die Binding-Gruppe müsse sich angesichts dieser Herausforderungen intern mit sich selbst beschäftigen und sich strategisch richtig ausrichten, hob Leppin hervor. Das heißt: Binding will die Unternehmenskultur fördern und neue Synergien schaffen.

Bei Binding wird wohl alles auf eine Zentralisierung hinauslaufen. Von diesem Jahr an gebe es - so Leppin - nur noch eine einzige zentrale Verkaufsorganisation. Anschließend sollen die Bereiche Einkauf, EDV, Kommunikation und Marketing zentral gesteuert werden. Binding gibt sich offensiv. Die Bierbrauer haben 2002 den Rücken frei für Zukäufe, so ihr Pressesprecher. Denn die Binding-Gruppe werde 2002 schuldenfrei dastehen. Man halte die Augen offen, stehe aber unter keinem Zugzwang. Mit Radeberger, Clausthaler, Schöfferhofer Weizen und nicht zuletzt Selters Mineralwasser verfüge Binding zudem über "ausgesprochen starke, national strategisch wichtige Marken" zur Abdeckung der verschiedenen Segmente.

Höhere Preise für Binding-Bier angekündigt

Bei der Sanierung und Konsolidierung des Biermarktes kommt man, so Leppin, um Preiserhöhungen für Handelsmarken nicht herum. Wenn der Markt die Bereinigung nicht bewerkstellige, werde die Binding-Gruppe größere Mengen vom Markt nehmen. Betroffen davon seien Premium- und vor allem die Regionalmarken. Immerhin gebe es gegenwärtig in einem kontinuierlich rückläufigen deutschen Markt zu 30 bis 50 % ungenutzte Kapazitäten. Mit Handelsmarken - so Leppin - werde kein Geld verdient.

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