Konsolidierung der Branche noch nicht abgeschlossen – CC-Chemplorer plant europaweite Vernetzung
Neuer Lack für Online-Portale der Chemie

Von den vielen Neugründungen bei Online-Marktplätzen in der Chemieindustrie haben nur wenige Anbieter die vergangenen 18 Monate überstanden. Überlebende wie CC-Chemplorer und Chemsynergy fühlen sich nun gestärkt, denn das Online-Geschäft der Chemiefirmen wächst ungebrochen.

DÜSSELDORF. Vom Hauch der Magie ist bei den Online-Marktplätzen in der Chemie wenig geblieben: Statt großer Versprechen bei mangelnder Leistung sind heute Nüchternheit und Kostenkontrolle angesagt. "Unsere Branche hat gelernt, dass sie nach ganz normalen wirtschaftlichen Gesetzen funktioniert", erläutert Christian Rast, Chef des deutschen Online-Marktplatzes CC-Chemplorer.

Dieser Einsicht mussten sich viele Anbieter beugen, die den Handel zwischen Chemie-Unternehmen über das Internet (B2B) organisierten. Sie gingen mangels Masse an Kunden geradewegs in die Pleite. In den Hochzeiten vor zwei Jahren tummelten sich bis zu 2 000 Anbieter im Netz und boten Plattformen zum Handel von Chemikalien an oder organisierten Auktionen zum Einkauf von Rohstoffen. Derzeit sind noch rund 200 Firmen am Markt tätig - Tendenz fallend.

Für die übrig bleibenden und damit erfolgreichen Anbieter dürfte sich der Aufbau eines Internet-Marktplatzes für Chemiefirmen dennoch auszahlen. Denn Kunden wie die Bayer AG stecken beim E-Business keineswegs zurück - im Gegenteil: Sie nutzen bei einer zunehmenden Zahl von Geschäften das Internet. So sieht sich Bayer auf gutem Weg, das Volumen der Online- Transaktionen zwischen den Jahren 2002 und 2005 von 1 auf 5 Mrd. Euro zu steigern.

Dass das Geschäft mittlerweile läuft, beweisen zwei der deutschen Überlebenden im Handel von Chemiefirmen über Marktplätze: Bei CC- Chemplorer aus Bonn und der Chemsynergy AG aus Meerbusch wächst das Auftragsvolumen derzeit monatlich jeweils um 30 %.

"Im Handel über Online-Marktplätze in der Chemie werden sich alle Prognosen erfüllen - nur wird dies viel länger dauern als gedacht", sagt CC- Chemplorer-Chef Rast. Er macht strikte Kostenkontrolle und klare Fokussierung dafür verantwortlich, dass das Unternehmen heute noch am Markt ist. Allerdings hatte CC auch schnell eine ausreichende Masse an Kunden zusammen: CC-Chemplorer gehört führenden Chemiefirmen wie Bayer, BASF, Degussa und Henkel, die die Handelsplattform zugleich auch nutzen.

Deren Mitarbeiter kaufen über CC-Chemplorer Bürobedarf, Laborfläschchen, Helme oder Werkzeuge ein. Bei Bayer laufen etwa 70 % aller Aufträge für solche Güter über CC-Chemplorer ab - der Konzern will damit vor allem Prozesskosten bei den Bestellungen sparen, wie Bayers E-Business-Koordinator Thomas Berrang sagt.

Bei CC-Chemplorer stieg die Zahl der monatlichen Transaktionen zuletzt um ein Drittel auf rund 60 000 pro Monat - fast alle Chemiekonzerne im deutschsprachigen Raum nutzen das System. Das Handelsvolumen soll in diesem Jahr 100 Mill. Euro übersteigen, nächstes Jahr werde das Unternehmen aus den roten Zahlen kommen, verspricht Rast. Mit den Einnahmen aus Dienstleistungen, Beratung und Gebühren setzt CC-Chemplorer weniger als 10 Mill. Euro um.

Investoren zugleich als Kunden zu haben, hilft im Geschäft der Online- Marktplätze in der Chemie. Doch es ist kein Muss: Chemsynergy hat als unabhängige Plattform den Weg in die Profitabilität bereits geschafft. Über den Online-Marktplatz kaufen vor allem mittelgroße Chemiefirmen in geschlossenen Auktionen Produkte wie beispielsweise Verpackungsmaterial oder Chemikalien.

Die krisenerprobten Chemie-Manager um Vorstand Frank Wieczorek steuerten das Unternehmen mit harter Hand durch die Internetkrise: Auch bei ihnen war Kostenkontrolle oberstes Gebot. Die Einnahmen kommen aus mehreren Segmenten: Chemsynergy garniert das Angebot im Marktplatzgeschäft mit E-Commerce-Beratung für Kunden, mit Marktstudien über Produkte und mit dem eigenen Handel von Chemikalien. Bei dem Unternehmen wächst das Volumen der Online-Transaktionen in diesem Jahr auf etwa 200 Mill. Euro.

Kostenkontrolle allein wird das weitere Überleben beider Unternehmen nicht sichern - das wissen auch Rast und Wieczorek. Die Manager wollen ihren Marktplätzen deswegen neuen Lack geben: Chemsynergy plant, die Beratung für mittelständische Firmen auf die IT-Vernetzung auszuweiten. Zudem wollen die Ex-Chemiemanager ihre Kontakte spielen lassen und Kunden bei der weltweiten Beschaffung von Rohstoffen und Lieferanten stärker unterstützen.

CC-Chemplorer dagegen setzt auf das klassische Marktplatzgeschäft plus die damit verbundene Beratung: Das Unternehmen will sein Angebot nun auch auf Branchen wie Nahrungsmittel, Getränke und Papier ausdehnen. Um die Zukunft zu sichern, will Rast zudem mit europäischen Konkurrenten ein Netzwerk zur Beschaffung über das Internet aufbauen. Mit Blick auf die nächsten 18 Monate ist er sich sicher: "Mehr als fünf Anbieter wird es in unserem speziellen Segment dann nicht mehr geben."

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