Konsolidierung der europäischen Bankenwelt erwartet
Spanier wollen US-Bank kaufen

Die spanische Großbank BBVA will mit den in den USA lebenden Mexikanern ins Geschäft kommen. Dazu wird der Kauf einer US-Bank anvisiert. Gegenüber dem Handelsblatt bekräftige BBVA-Präsident González zudem die Verankerung der Bank in Lateinamerika. Trotz der Probleme der Region soll das Brasiliengeschäft ausgebaut werden.

MADRID. Die spanische Großbank Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) will auf dem US-Markt Fuß fassen. Bisher konzentriert sich das Institut auf den Heimatmarkt und Lateinamerika. "Wir schauen uns Banken in den USA an", sagte BBVA-Präsident Francisco González im Gespräch mit dem Handelsblatt. Man habe aber "keine Eile" hinsichtlich einer Akquisition. In den USA will sich die nach Santander Central Hispano (SCH) zweitgrößte iberische Bank auf die südlichen Bundesstaaten fokussieren - vor allem, um dort lebende Mexikaner und die übrige spanischsprachige Bevölkerung als Kunden zu gewinnen. In Mexiko kontrolliert BBVA über die Bank Bancomer 30 % des Marktes.

Weniger konkret als in den USA sind die Ambitionen in Europa. Vom Börsenwert her ist BBVA einer der potenziellen Protagonisten einer europäischen Banken-Konsolidierung. Mit einem Marktwert von 33 Mrd. Euro rangiert sie in der Eurozone auf Platz zwei - hinter BNP Paribas, aber knapp vor der Deutschen Bank und Santander. González ist überzeugt, dass es zu grenzüberschreitenden Übernahmen kommen wird - auch wenn dies wohl erst in zwei bis fünf Jahren der Fall sein werde, weil die Banken derzeit zu sehr mit sich selbst beschäftigt seien. Wenn es soweit ist, will BBVA nicht abseits stehen, macht González deutlich: "Wir sind offen, aber wir gehen das mit Ruhe an". Eine Präferenz für bestimmte Länder hat er nicht. "Wir sind weniger an Märkten als an guten Geschäften interessiert". In Finanzkreisen wird BBVA ein besonderes Interesse an Italien nachgesagt, wo die Bank 14,9% an der Banca Nazionale del Lavoro (BNL) hält.

Im Alltagsgeschäft steht González vor der Aufgabe, die Bank möglichst unbeschadet durch die Krisen in Lateinamerika zu steuern und zugleich in Spanien wieder stärker zu wachsen. Ebenso wie Santander zählt BBVA in Lateinamerika nach einer massiven Expansion in den neunziger Jahren zu den führenden Instituten. Devisenverluste und die Argentinien-Krise schmälern allerdings jetzt die Gewinne. Trotzdem will González an der Region festhalten, die zuletzt 27,8 % der Gewinne einbrachte. Selbst Argentinien, wo die Bank hohe Belastungen verkraften muss, sei in der Bilanz des BBVA "keine Tragödie", sagte González. Einen Rückzug aus einzelnen Ländern steht für ihn nicht zu Debatte. Dagegen hatte Santander in der vergangenen Woche die Beteiligung an ihrer peruanischen Tochter abgestoßen. BBVA denkt sogar über einen punktuellen Ausbau des Lateinamerika-Geschäfts nach. Zwar soll das Gesamt-Risiko in der Region nicht wachsen. "Aber wir würden gerne etwas in Brasilien machen, wenn sich eine Gelegenheit zu einem vernünftigen Preis bietet". Noch spielt BBVA im größten Land Lateinamerikas anders als Santander nur eine bescheidene Rolle.

Die zweite Baustelle des Konzerns ist Spanien. Hier läuft das Geschäft zwar nach wie vor gut. Doch hatte die Bank nach der Fusion der baskischen Banco Bilbao Vizcaya (BBV) und der Staatsbank Argentaria 1999 den Schwerpunkt auf die "konventionelle Methode" (González) zur Kostensenkung gesetzt und einen leichten Rückgang des Marktanteils hinnehmen müssen. In den vergangenen zwölf Monaten wurden in Spanien 208 Filialen geschlossen, die Zahl der Mitarbeiter schrumpfte um 700. Jetzt soll die Ausweitung der Erträge in den Vordergrund rücken. Nach Ansicht von González ist der iberische Markt trotz des harten Wettbewerbs keinesfalls gesättigt. Es gebe genügend Raum für innovative Ideen und Produkte. So beteiligte sich die Bank im letzten Jahr an Many Cars, das in Spaniens größtem Warenhauskonzern El Corte Inglés Autos verkauft. Auch mit den Einwanderern aus Marokko und Lateinamerika will González stärker ins Geschäft kommen. In 15 speziellen Zweigstellen soll den Immigranten die Überweisungen in die Heimat erleichtert werden. Insgesamt will BBVA in drei Jahren eine Million neue Kunden in Spanien gewinnen.

Weitere Filialschließungen in Spanien schließt González ebenso aus wie ein neues Programm zum Personalabbau. Schon jetzt hat BBVA die Kosten recht gut im Griff. Ende des ersten Halbjahres lag die Aufwandsquote (Cost-Income-Ratio) konzernweit bei rund 53 %. Damit zufrieden ist González aber noch nicht. In drei Jahren soll der Wert "eher bei 40 als bei 50 % liegen".

Allerdings weiß auch González, dass die goldenen Zeiten für die spanischen Banken vorbei sind. Wegen des boomenden Heimatmarktes und der Expansion in Lateinamerika glänzten BBVA und Santander lange Zeit mit zweistellige Wachstumsraten. In diesem Jahr rechnet BBVA dagegen erstmals mit einem leichten Rückgang des Gewinns um 10 %, nachdem im vergangenen Jahr ein Nettogewinn von 2,4 Mrd. Euro verbucht wurde. Verglichen mit den meisten anderen europäischen Großbanken steht die Bank damit allerdings noch sehr gut da. Im kommenden Jahr werde der Gewinn "normalerweise" wieder steigen, sagt González, der aber keine konkrete Prognose abgeben will. Eine Rückkehr zu zweistelligem Wachstum hält er allerdings auf absehbare Zeit für ausgeschlossen: "Vergessen Sie das!"

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