Konsolidierung der Mobilfunkbranche ist unausweichlich
Analyse: Mobilcom hat sich vergaloppiert

Gerhard Schmid und Mobilcom - der Gründer und sein Unternehmen waren so miteinander verbunden wie niedrige Preise und Aldi, Bill Gates und Microsoft, der Stern und Mercedes-Benz. Jetzt bricht auseinander, was zusammen gehörte. Gerhard Schmid verkauft seine Mobilcom-Anteile.

Damit scheint das Schicksal seiner Firma klar: Alles läuft darauf hinaus, dass Mobilcom nicht mehr lange selbstständig bleibt. Das Unternehmen soll mit einem der kleineren UMTS-Lizenznehmer wie E-Plus, Quam oder O2 (ehemals Viag Interkom) zusammengehen, sagte Michel Bon, Chef des Mobilcom-Anteilseigners France Télécom, vor einigen Tagen. Das wäre der erste Akt in der Konsolidierung der UMTS-Lizenznehmer, die Experten für unausweichlich halten.

Dabei schien es zwischenzeitlich noch so, als ob Mobilcom dem entgehen könnte. Denn solange Gerhard Schmid in der Regionalliga spielte, feierte er mit seinem Unternehmen noch einen Erfolg nach dem anderen. Der Gang an den Neuen Markt, der schnelle Einstieg in den Festnetz-Wettbewerb mit markigen Werbesprüchen machten den hemdsärmeligen Mobilcom-Gründer zum Helden der New Econony.

Mit dem Kauf der 8,4 Mrd. Euro teuren UMTS-Lizenz stieg das Unternehmen schließlich in die erste Liga der Telekomkonzerne auf. Doch gleichzeitig war das wohl auch der Abstieg. Das Rad, das Schmid da drehen wollte, war zu groß für ein eher mittelständisch geprägtes Unternehmen. Schmids Irrtum war aber noch ein anderer, wie sich spätestens nach dem Absturz der Telekom-Werte inzwischen herausstellte: Der Mobilcom-Gründer passte seine teuren UMTS-Pläne nicht an die Realität an. Als France Télécom ihm die dafür notwendige finanzielle Unterstützung verweigerte, gab es nur noch einen Ausweg: Schmid kämpfte nicht mehr um sein Unternehmen, sondern nur noch darum, möglichst viel Geld beim Verkauf seines Aktienpakets herauszuschlagen.

Wann die Marktbereinigung der Mobilfunkbranche einsetzt, ist jetzt von der Schmerzgrenze der Unternehmen abhängig. Wann schreibt der erste das Geld für die UMTS-Lizenz ab? Denn das wäre die Konsequenz gemäß den Lizenzauflagen, wenn zwei UMTS-Lizenznehmer wie Mobilcom und E-Plus beispielsweise fusionierten. Dass diese Regelung aufgeweicht würde, wie Michel Bon es fordert, ist nämlich äußert unwahrscheinlich. Fakt dagegen ist: Die für den UMTS-Ausbau erforderlichen Investitionen und den langen Atem für die Durststrecke, die den Unternehmen bevorstehen, bis UMTS die lang ersehnten Einnahmen bringt, können nur wenige finanzstarke Gesellschaften aufbringen.

Diese Erfahrung hat die Festnetzbranche bereits vor Monaten machen müssen, als dort die Konsolidierungswelle begann. Auch die Festnetzanbieter haben sich kräftig verkalkuliert. Vier Jahre nach der Öffnung des Marktes folgte daher der ungeordnete Rückzug. Den harten Ausleseprozess hat bisher nur der ehemalige Monopolist Deutsche Telekom recht schadlos überlebt.

Im Mobilfunk sind die Aussichten ähnlich: Die Telekom-Tochter T-Mobile und Vodafone haben die besten Karten. Platz für einen dritten UMTS-Anbieter gebe es durchaus, sagen Experten. Fragt sich nur, wer das sein wird, denn auch E-Plus, O2 und Quam agieren auf Grund begrenzter Finanzen nur mit angezogener Handbremse. Nur eines kann man wohl ausschließen. Mobilcom wird nicht die Nummer drei auf dem UMTS-Markt, so offen wie Michel Bon die Konsolidierung anstrebt.

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