Konsolidierung in der Luft- und Raumfahrtindustrie
General Electric will Honeywell übernehmen

Die Übernahmeschlacht um den US-Technologiekonzern Honeywell ist wahrscheinlich entschieden. Der Honeywell-Verwaltungsrat hat offenbar eine GE-Offerte bereits akzeptiert. Mit dem Kauf durch GE entstünde der weltgrößte Luftfahrtzulieferer. United Technologies gaben auf.

kk/kol/vwd NEW YORK/DÜSSELDORF. In den USA könnte der weltgrößte Zulieferbetrieb der Luft- und Raumfahrt entstehen: Nach Informationen aus unternehmensnahen Kreisen hat der amerikanische Elektronikriese General Electric (GE) die Übernahmeschlacht um den Mischkonzern Honeywell gewonnen. General Electric und Honeywell kämen zusammen auf einen Umsatz von rund 135 Mrd. $. Nach Informationen des Wall Street Journals zahlt General Electric 1,055 eigene Aktien für jede Honeywell-Aktie. Dies wäre nach dem Schlusskurs vom Freitag ein Preis von rund 44 Mrd. $.

Durchgesetzt hätte sich GE damit gegen den Konkurrenten United Technologies (UTC), der für die Übernahme von Honeywell 40 Mrd. $ geboten hatte. UTC teilten am Samstag mit, dass das Unternehmen die Fusionsverhandlungen abgebrochen habe, weil Honeywell ein besseres Angebot habe.

Sowohl Honeywell als auch General Electric sind Mischkonzerne, die aber stark in der Luftfahrtindustrie engagiert sind. So hat Honeywell mit Triebwerken, Flugzeugelektronik und Flugsicherungssystemen im vergangenen Jahr 9,9 Mrd. $ umgesetzt; GE erzielte Luftfahrtumsätze von 10,6 Mrd. $ - hauptsächlich mit Triebwerken. Gemeinsam würden sie UTC, die 1999 Luftfahrtumsätze von 11,5 Mrd. $ hatten, auf den zweiten Platz verweisen. Zu UTC gehören der Triebwerkhersteller Pratt & Whitney und der Hubschrauberproduzent Sikorsky.

Die Fusion von General Electric und Honeywell wäre ein weiterer bedeutender Schritt in der Konsolidierung der Luft- und Raumfahrtindustrie. Durch Fusionen und Übernahmen ist die Zahl der großen Systemhersteller in der Branche auf sechs reduziert worden. Neben den US-Unternehmen Boeing, Lockheed Martin, Raytheon und Northrop Grumman gibt es zwei bedeutende europäische Luftfahrthersteller: die EADS, entstanden aus der Fusion von Daimler-Chrysler Aerospace, Aerospatiale und Casa, und die britische BAE Systems. In einem zweiten Schritt schließen sich nun auch die großen Zulieferunternehmen in der Luftfahrt zusammen.

Auslöser für die aktuelle Übernahmeschlacht war aber auch die schlechte wirtschaftliche Situation von Honeywell. Im Anschluss an die Fusion von Honeywell mit Allied-Signal im vergangenen Jahr hatte Honeywell-Chef Michael Bonsignore noch Versprechungen gemacht, die er nicht halten konnte. Innerhalb eines Jahres war der Aktienkurs von Honeywell dann von 64 auf 35 $ abgestürzt. Nach Schätzungen von Analysten liegt der Wert von Honeywell bei mindestens 55 $ pro Aktie.



Der US-Mischkonzern General Electric ist mit einem Börsenwert von zurzeit etwa 551 Mrd. $ das wertvollste Unternehmen der Welt. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr 111,6 Mrd. $ umgesetzt und einen Gewinn von 10,7 Mrd. $ erzielt. Wichtige Bereiche sind - neben der Luftfahrt - Kraftwerke, Haushaltsgeräte und die Fernsehtochter NBC. Den größten Teil des Gesamtumsatzes erwirtschaftete allerdings mit 48,6 Mrd. $ die Finanzdienstleistungstochter GE Capital Services.

General Electric und Honeywell sehen keine Produkt-Überlappungen

Das Management von General Electric Co und die Honeywell International Inc, Morris Township, sehen bei der Fusion beider Gesellschaften keine Produktüberlappungen. "Alles ist komplementär", sagte GE-Chairman Jack Welch bei einer Telefonkonferenz am Montag. Deshalb dürfte das Vorhaben auch von den US-Kartellbehörden genehmigt werden, zeigten sich Welch und Honeywell-Chairman Michael R. Bonsignore überzeugt. Welch räumte jedoch ein, dass es im Vorfeld der Übernahme keinen Kontakt mit den US-Kartellbehörden gegeben habe. Erst am Freitag habe Welch, nachdem er von dem Angebot von United Technologies an Honeywell erfahren habe, eine eigene Offerte an Honeywell gerichtet, die bereits am Samstag vom Honeywell-Verwaltungsrat akzeptiert worden sei.

"Außer GE-Aktien besitze ich nichts anderes", sagte Welch, und er habe daher ein großes Interesse an einem Kursanstieg. Für Honeywell sei es ein wichtiger Entscheidungsgrund gewesen, dass Jack Welch bis zum Ende des nächsten Jahres an der Spitze von GE bleibe, ergänzte Bonsignore.

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