Konsolidierung in der Luftfahrtbranche
UTC kündigt Zukäufe in Europa an

Während viele Luftfahrt-Zulieferer ums Überleben kämpfen, sieht sich der US-Konzern in seinem Vorwärtsdrang kaum gestoppt. Vor allem im Servicebereich der Luft- und Raumfahrt will das Unternehmen weiter wachsen.

FRANKFURT/M. Trotz des aktuell schwierigen Umfelds will der US-Mischkonzern United Technologies (UTC) sein starkes Standbein in der Luftfahrtbranche weiter ausbauen. "Wir werden in diesem Jahr wieder 1 bis 2 Mrd. $ für Akquisitionen ausgeben. Dabei wollen wir auch unsere Position in Europa stärken", sagte UTC-Vorstandschef George David dem Handelsblatt.

Mit einem Umsatz von 27,5 Mrd. $ (30,4 Mrd. Euro) gehört der Konzern zu den großen amerikanischen Industriekonglomeraten, die ihren Aktionären seit Jahren Ertragssteigerungen von 15 % und mehr bieten. Erst der 11. September 2001 brachte er einen eindrucksvollen Rekord zur Strecke: "30 Quartale in Serie", berichtet David stolz, habe UTC jeweils die Schätzungen der Wall-Street-Analysten übertreffen können.

Obwohl den Firmennamen jenseits des Atlantiks nur die wenigsten kennen, steht UTC in der Liste der größten US-Unternehmen noch vor Konzernen wie Microsoft oder Pepsi. Allein mit seinen Aktivitäten in der Luft- und Raumfahrt erzielte UTC in 2001 Umsätze von knapp 13 Mrd. $. Zum Konzern gehören unter anderem der Triebwerksbauer Pratt & Whitney, der Hubschrauberhersteller Sikorsky sowie der Zulieferer Hamilton Sundstrand.

Die Sparte Flight Systems soll bald weiteren Zuwachs erhalten. In diesem Service- und Systembereich stecke die Konsolidierung noch in den Kinderschuhen, betonte David: "Die Top Ten dieser Branche machen vielleicht 50 % des Umsatzes. Dahinter aber gibt es bestimmt noch 100 Unternehmen, die den Rest unter sich aufteilen." UTC will dort weiter zugreifen, denn gerade im Servicebereich sind die Margen weit höher als in den Kerngeschäftsfeldern der Luftfahrt.

Dank seiner breit gefächerten Produktpalette von Aufzügen und Rolltreppen (Otis) über Kühl- und Klimageräte (Carrier) bis hin zu Weltraumanzügen (Hamilton) hat der Mischkonzern die schwere Luftfahrtkrise seit dem 11. September vergleichsweise glimpflich überstanden. Zwar sprach auch UTC bald nach den Terrorattacken eine Gewinnwarnung aus und kündigte die Entlassung von 5 000 seiner 150 000 Mitarbeiter bis Ende 2002 an, doch von krassen Einbrüchen - wie bei vielen Mitbewerbern - blieb UTC bisher verschont. Das liegt nicht zuletzt am Militärbereich, der in den USA wächst und gedeiht wie selten zuvor. David sieht in diesem Sektor "das stärkste Wachstum seit langer Zeit" und erwartet für UTC einen Umsatzsprung im Militärgeschäft um 20 %: Pratt & Whitney baut die Triebwerke für die neuen US-Kampfjets Joint-Strike-Fighter und erhielt darüber hinaus weitere Milliarden-Aufträge aus dem US-Verteidigungsministerium. Auch für die Triebwerke des neuen Airbus-Militärtransporters A400M gab die UTC-Tochter ein Angebot ab.

"Wir haben im härtesten Abschwung der letzten Jahre ein Gewinnwachstum von 8 % erreicht und wollen 2002 schon wieder ein Plus von 13 % schaffen", wirbt Vorstandschef David für seine Konglomerats-Strategie, die in Europa bisher allenfalls Brancheninsidern und Analysten aufgefallen ist. Zwar hat sich der Anteil europäischer Aktien innerhalb drei Jahren von 5 % auf inzwischen 9 % erhöht, doch in die großen Schlagzeilen schafft es der Konzern aus Hartford/Connecticut nur selten. Das liegt auch am US-Rivalen General Electric (GE), der im vergangenen Jahr die Fusion zwischen UTC und Honeywell zum weltgrößten Triebwerksbauer torpedierte. Die Konzerne waren sich im Herbst 2000 bereits handelseinig, ehe Marktführer GE den 40-Milliarden-Deal noch überbot und mit seiner Übernahmeofferte letztlich an der EU-Kartellbehörde scheiterte. "Kein Kommentar" heißt es inzwischen nur noch, wenn der UTC-Chef zu einem neuerlichen Interesse an Honeywell befragt wird.

Siege über die mächtige Nummer eins GE gibt es für David vorerst nur an der Börse. Während die UTC-Aktie seit dem tiefen Sturz des 11. September fast ungebremst nach oben läuft, geht es für GE seit Wochen steil abwärts. Hintergrund sind schwache Quartalszahlen sowie nach dem Enron-Kollaps das anhaltende Misstrauen der Börse gegenüber undurchsichtigen Großkonzernen. Einen Seitenhieb auf den Rivalen kann sich David deshalb nicht verkneifen: "Investoren lieben beständige Leistungen - und sie hassen schlechte Nachrichten."

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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