Konsolidierung in der Zulieferbranche wird sich fortsetzen
VDA erwartet Anziehen des deutschen Auto-Marktes

Die deutschen Autohersteller werden in diesem Jahr gestützt durch den starken Export und wieder anziehende Zulassungen im Inland vermutlich mehr Fahrzeuge produzieren als zunächst angenommen. "Mit den Auftragseingängen ist nicht ausgeschlossen, dass wir (eine Pkw-Fertigung von) 5,3 Millionen erreichen", sagte der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk, am Montag in Frankfurt.

Reuters FRANKFURT. Bislang hatte der VDA für 2001 eine Pkw-Fertigung im Inland von 5,2 (Vorjahr 5,13) Mill. Fahrzeugen vorhergesagt. Für die nächsten Monate und das kommende Jahr erwartet der VDA nach seinen Worten auch ein leichtes Anziehen des zuletzt schwachen deutschen Marktes.

Gottschalk verwies darauf, dass die Pkw-Zulassungen im Inland im August um ein Prozent angezogen hätten, während die Exporte sogar um 22 % gewachsen seien. Die Zulassungen hätten sich nach dem starken Einbruch des vergangenen Jahres zuletzt von Quartal zu Quartal verbessert. "Wir sind also schon auf der Kurve der Verbesserung", sagte er.



Fiesta, Polo und Co. sollen deutschen Markt neuen Schub geben

Der deutsche Pkw-Markt war im Jahr 2000 um elf Prozent auf 3,378 Mill. Fahrzeuge eingebrochen. Für dieses Jahr rechnet der VDA unverändert mit einem nochmals leichten Rückgang auf gut 3,3 Mill. Pkw. Im Jahr 2002 dürfte sich dann der deutsche Markt gestützt unter anderem durch neue Volumenmodelle wie den Ford Fiesta und den VW Polo, die in den kommenden Tagen auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt vorgestellt werden, erholen, sagte Gottschalk. "Ich glaube, wenn wir irgendwo von 3,3 auf 3,4 Mill. zulegen, dürften wir schon sehr zufrieden sein bei gleichzeitig hohem Export." Die Prognose deckt sich in etwa mit den Erwartungen des Prognoseinstituts Marketing Systems, das für 2002 einen Zuwachs des Inlandsmarkts um etwa 150 000 Pkw für möglich hält.

Der Export wird nach Einschätzung Gottschalks weiter der Motor für die deutschen Hersteller sein, und zusammen mit wieder steigenden Zulassungen im Inland werde dies eine weiter hohe Auslastung der Werke wie zuletzt von 95 % garantieren. "Das würde uns ermöglichen, auch das hohe Beschäftigungsniveau zu halten", sagte der VDA-Präsident. Er verwies darauf, dass die deutsche Autobranche in den vergangenen anderthalb Jahren 35 000 Stellen geschaffen habe, davon mehr als 7 000 in diesem Jahr.



Kein Anlass für Katastrophenmeldungen

Für den westeuropäischen Automarkt geht Gottschalk ohne Berücksichtigung Deutschlands für 2002 von einem Minus von zwei bis drei Prozent aus. Einschließlich Deutschlands dürfte der Markt dann noch um knapp zwei Prozent schrumpfen. Mit Blick auf die zuletzt stark gestiegenen Exporte und die ebenfalls kräftig angewachsenen Bestellungen deutscher Fahrzeuge aus dem Ausland sagte er: "Das ist eine Situation, die uns überhaupt nicht zu irgendwelchen Katastrophenmeldungen Anlass zu geben scheint."

Sorgen macht sich der VDA nach seinen Worten allerdings über die Lage auf dem nordamerikanischen Markt. "Auch wir sind etwas überrascht über die anhaltend problematische Situation in den USA", sagte Gottschalk. Für Nordamerika insgesamt rechne er nun nicht mehr wie ursprünglich erwartet mit einem Wiederanziehen der Nachfrage im vierten Quartal dieses Jahres. Dies werde frühestens Mitte 2002 passieren. "Aber hier kann ich mir durchaus vorstellen, dass wir (die deutschen Hersteller) unsere gute Position noch ausbauen, auf jeden Fall aber behalten werden", sagte er vor dem Hintergrund der trotz des schwachen Marktes stark gestiegenen Absätze deutscher Konzerne in den USA.



Internationale Märkte bieten nach wie vor Wachstumschancen

Insgesamt bieten die internationalen Märkte nach Gottschalks Einschätzung immer noch die Chance für ein langfristiges Wachstum. "Trotz der Zyklen haben sich die etablierten Märkte immer auf höherem Niveau wiedergefunden", sagte er. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Hersteller habe in den vergangenen Jahren zugenommen, und insbesondere die global aufgestellten Konzerne hätten die Chance, regionale Zyklen auszugleichen. Hierfür sei aber der Marktanteil der deutschen Konzerne in Nordamerika und Asien noch nicht ausreichend.

Als einen wesentlichen Trend der Zukunft sieht Gottschalk die wachsende Bedeutung der Elektronik im Auto. Ihr Anteil an den Kosten werde von 22 % auf bald 30 % zunehmen. Unter dem Stichwort "Multimedia Mobility" werde es eine neue Form der Integration von Multimedia-Inhalten und deren Anbindung an die Steuerungssysteme des Autos geben. So sei ein Eingriff über Telematik-Systeme in die Steuerung eines einzelnen Autos denkbar. "Die Old Economy Automobilindustrie ist zu einer New Economy geworden", sagte er.



Konsolidierung in der Zulieferbranche wird sich fortsetzen

In der Zulieferbranche wird sich nach Gottschalks Worten die Konsolidierung fortsetzen. Ein Grund sei unter anderem, dass viele Anbieter angesichts der Komplexität der Technologie Entwicklungsleistungen nicht alleine zuwege bringen könnten. Eine "gewisse Konzentration" werde es daher noch geben. Indirekt forderte Gottschalk die Hersteller auf, mit ihren Zulieferern auch bei der Preisgestaltung kooperativ zusammenzuarbeiten. Es werde derzeit viel Wertschöpfung auf die Zulieferer verlagert. "Wir müssen natürlich auch sehen, dass die Margen entsprechend sind, damit sie reinvestieren können.

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