Konsolidierung unter den mittelgroßen Unternehmen
Deutsche IT-Firmen suchen Verstärkung

Obwohl die Aussichten für die Informationstechnologie-Branche trüb sind, gehen immer mehr deutsche IT-Unternehmen auf Einkaufstour. Gezielte Zukäufe sollen in stagnierenden Märkten Wachstum bringen. Nach dem Systemhaus Bechtle und der Softwarefirma Ixos bereiten die IT-Dienstleister IDS Scheer und SAP SI größere Übernahmen vor.

FRANKFURT/M. Der stagnierende Markt für Informationstechnologie treibt gerade mittelgroße Branchenunternehmen zur Flucht nach vorn. Um international wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen sie in zukunftsträchtige Geschäftsbereiche investieren und wachsen. Deshalb suchen liquide IT- Unternehmen wie IDS Scheer oder SAP SI in der Flaute geeignete Übernahmekandidaten.

"Wir führen bereits Gespräche in der Region Deutschland, Schweiz, und Österreich", sagte SAP-SI-Finanzvorstand Joachim Müller dem Handelsblatt. Innerhalb der kommenden sechs Monate will der Dresdner IT-Dienstleister eine Übernahme unter Dach und Fach haben. Bis zu 100 Mill. Euro will SAP SI investieren. Der größte Teil davon soll für einen Unternehmenskauf in den USA ausgegeben werden. "Wir sind dort zu schwach", diagnostiziert Müller.

Erst gestern musste der Vorstand bei der Vorlage der Quartalsergebnisse die Umsatzprognose für das laufende Jahr nach unten revidieren. Nun rechnet er für 2003 mit keinem organischen Wachstum mehr. Dafür will er das Unternehmen durch gezielte Zukäufe verstärken. "Wenn es wieder aufwärts geht", so Müller, "werden wir vorne dabei sein".

Bereits gehandelt hat das schwäbische Systemhaus Bechtle. Im März hat es sich den hessischen Konkurrenten PSB einverleibt. "Wir sind unserem Ziel, bis 2005 in allen wichtigen Wirtschaftsräumen in Deutschland präsent zu sein, damit ein gutes Stück näher gekommen", sagte Bechtle-Vorstandschef Gerhard Schick dem Handelsblatt. Wer an die Informationstechnologie-Branche glaube, müsse die guten Gelegenheiten, die sich jetzt böten, am Schopf packen, begründet Schick den rund 24 Mill. Euro teuren Zukauf.

Ebenfalls eingedeckt hat sich die Ixos Software AG. Der Spezialanbieter für Dokumenten-Management hat die Marktschwäche bereits für zwei Einkäufe genutzt. In der Schweiz und Deutschland haben die Münchener zwei Spezialsoftwarehäuser erworben, um sich mit Branchenlösungen für Banken und Finanzdienstleister zu verstärken.

Noch im Laufe dieses Jahres will auch das Saarbrücker Software- und Beratungshaus IDS Scheer durch eine Akquisition wachsen: "Wir wollen durch eine Übernahme von signifikanter Größe Marktanteile gewinnen und suchen gezielt nach geeigneten Kandidaten im westeuropäischen Ausland", sagt IDS-Scheer-Chef Helmut Kruppke.

Nach Informationen aus Branchenkreisen schaut sich IDS besonders in Großbritannien, Frankreich und Spanien um. Immerhin 100 Mill. Euro in Cash könnten Kruppke und Co-Vorstandschef Ferri Abolhassan theoretisch für eine Akquisition anlegen. Doch wollen die IDS-Chefs darauf achten, dass nach einer Akquisition "genug Liquidität zur Verfügung steht, um finanziell flexibel zu bleiben".

"Es gibt aber darüber hinaus auch die Möglichkeit, Übernahmen durch Kredite bei Banken oder durch neue Aktien zu finanzieren", sagt Ralph Dommermuth, Vorstandschef des Internet- Dienstleisters United Internet AG. Im vergangen Jahr hat das Unternehmen 70 Mill. Euro Bankschulden zurückgezahlt und ist nun schuldenfrei. Aufgrund der Erfahrung zahlreicher Übernahmen und Beteiligungen an Internet-Unternehmen bevorzugt Dommermuth inzwischen "organisches Wachstum".

Allerdings will United Internet ab Herbst versuchen, auf dem US-Markt Fuß zu fassen. "Sollte uns dort ein geeigneter Kandidat begegnen, wäre ein Akquisition ein möglicher Weg", so Dommermuth.

Bei der Kandidatensuche verlassen sich die mittelgroßen IT-Unternehmen stärker auf die eigene Nase als Großkonzerne. IDS-Co-Vorstandschef Abolhassan vertraut auf "eigene Mitarbeiter, die den Markt ständig beobachteten". Zu oft böten Investmentbanken Unternehmen an, die sich bei näherem Hinsehen als Sanierungsfälle herausstellten. Ganz auf den Rat der Spezialisten verzichten wolle er aber nicht, denn gerade im Ausland sei es schwierig, den Markt zu beurteilen. Das sieht Bechtle - Chef Schick anders: Er verlässt sich lieber auf seinen persönlichen Eindruck als auf Investmentbanker.

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