Konsolidierungsdruck in der Biotechbranche
M&A-Geschäft zieht wieder leicht an

Das in Folge der anhaltenden Börsenkrise brachliegende Geschäft mit Fusionen und Übernahmen in Deutschland erlebt nach Einschätzung von Investmentbankern eine vorsichtige Erholung.

Reuters FRANKFURT. "Es kommen wieder etwas mehr Projekte an den Markt, mehr Leute sind bereit zu verhandeln", sagt Arno Burckhardt, Geschäftsführer von M&A International, einer auf mittelgroße Transaktionen spezialisierten Investmentbank. Bei den börsennotierten Firmen sieht Burckhardt Aktivität von Gesellschaften des Neuen Marktes, die im Aktienboom der späten 90er Jahre weltweit auf Einkaufstour waren und nun teilweise finanziell schwer angeschlagen sind. "Von denen verhandeln derzeit mindestens 25 % über Fusionen und Übernahmen", sagt er. Derzeit sind noch 267 von einst 340 Unternehmen am Neuen Markt gelistet. Gut zehn Firmen wurden im Laufe der Zeit aufgekauft.

Am Montag hatte das Münchener Biotech-Unternehmen Morphosys Fusionsverhandlungen mit dem Konkurrenten British Biotech publik gemacht. Auch das im MDax gelistete Beteiligungsunternehmen WCM steht nach den Worten seinen Vorstandsvorsitzenden derzeit in Kontakt mit möglichen Übernahme-Interessenten.

Insgesamt läuft das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (Mergers und Akquisitions/M&A) derzeit auf Sparflamme. Nach einer Erhebung von M&A International gab es in der ersten Hälfte dieses Jahres 756 Übernahmen in Deutschland nach 978 im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Banken bekommen die Flaute derzeit kräftig zu spüren. Wurden in Zeiten des Börsenbooms vor wenigen Jahren die Spezialistenteams immer weiter aufgestockt, stehen nun viele Investmentbanker auf der Straße.

Biotechnunternehmen sind auf der Suche

Vor allem Biotechnologieunternehmen sind nach Beobachtung von Christian Fest, Leiter M&A Deutschland bei WestLB Panmure, auf der Suche nach Investoren oder Käufern. "Es gibt da eine Reihe von Unternehmen, die sich quasi selbst zum Verkauf stellen", sagt er. Sein Haus habe da rund ein halbes Dutzend Mandate. Viele Biotechfirmen stellten fest, dass die klinische Erprobung von Wirkstoffen sehr teuer sei. Kapitalbeschaffung über den Markt sei derzeit praktisch nicht möglich, daher suche man nach Investoren, beschreibt Fest die Situation. Mögliche Käufer oder Investoren kämen aus dem westeuropäischen Ausland.

Während es für Technologiegesellschaften nach Einschätzung von Fest kaum Interessenten gibt, stünden Firmen aus dem Bereich Erneuerbare Energie auch im Blickpunkt. Große Energieversorger oder Ölmultis seien auf der Suche nach Möglichkeiten, ihr Portfolio zu ergänzen, sagt er. "Da wird sicher in den nächsten Monaten etwas zu hören sein", fügt er hinzu, ohne Namen zu nennen.

"Raider" nicht ins Sicht

Fest widerspricht der in Medienberichten oft transportierten These, Aufkäufer könnten derzeit ein Interesse daran haben, deutsche Unternehmen mit niedriger Marktkapitalisierung und viel Geld auf der hohen Kante aufzukaufen. Im angelsächsischen Sprachraum werden solche Unternehmenskäufer, die sich dann den Kassenbestand einverleiben und die Firma schließen, auch als Raider (auf Deutsch: Piraten) bezeichnet. "Ich sehe nicht, wer im Moment das Geld und die Abgebrühtheit dafür hätte", sagt Fest. Es gebe dabei auch das Risiko, dass sich die Hauptversammlung des Zielunternehmens quer stelle und Aktionärsgruppen Klagen einreichten. Das würde den Prozess in die Länge ziehen.

Während Burckhardt weiter Hoffnung in die Steuerbefreiung bei Beteiligungsverkäufen als Anreiz für Veräußerungen von Firmen durch ihre Mutterkonzerne setzt, ist Fest da skeptisch. Diese Steuerbefreiung sei seiner Beobachtung nach völlig sekundär für mögliche Verkäufer, sagt Fest. Möglicherweise liege dies an den durch die Baisse an den Aktienmärkten ruinierten Preisen für Unternehmensbeteiligungen oder schlicht daran, dass die verkaufenden Gesellschaften angesichts der konjunkturell bedingten Investitionsunlust mit dem Geld derzeit auch nicht viel anfangen könnten. Burkhardt dagegen rechnet durchaus noch mit einigen Verkäufen, die durch die Angst vor einer möglichen Abschaffung der Steuerbefreiung ausgelöst werden könnten. Schließlich haben die Oppositionsparteien CDU/CSU die von der Bundesregierung eingeführte Steuerbefreiung jüngst mehrfach kritisiert, die zukünftige Behandlung von Gewinnen aus solchen Geschäften im Falle eines Sieges bei der Bundestagswahl am 22. September aber noch offen gelassen.

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