Konsolidierungswelle
Britische Banken im Fusionsfieber

Eine Konsolidierungswelle rollt über die britische Bankenlandschaft hinweg. Lloyds TSB will Abbey National übernehmen, während Abbey eine Fusion mit der Bank of Scotland vorantreibt.

HB LONDON. Eine Konsolidierungswelle rollt über die britische Bankenlandschaft hinweg. Nach der Konzentration bei den Hypothekenbanken, dem Kauf von Woolwich durch Barclays, dem Übernahmedrama um Nat West mit Bank of Scotland und Royal Bank of Scotland im vergangenen Winter, tobt nun ein erbitterter Kampf zwischen Abbey National und der Bank of Scotland auf der einen Seite und der wesentlich größeren Lloyds TSB auf der anderen Seite. Die von sechs Filialbanken beherrschte britische Spitzenliga dürfte daher bald weiter schrumpfen.

Abbey und Bank of Scotland (BoS) wollen fusionieren und sprechen schon seit zwei Monaten über die Bedingungen. Aber vor drei Wochen hat Lloyds TSB den Hut in den Ring geworfen und torpediert einen Zusammenschluss der beiden Institute. Ihre erste Übernahmeofferte hat die Lloyds-Spitze mittlerweise noch aufgestockt - nur wenige Tage nachdem Abbey und BoS den Abschluss ihrer Gespräche für die Vorweihnachtstage angekündigt hatten. Wer nach Punkten im Übernahmekampf führt, ist derzeit noch schwer auszumachen. Ein vorläufiger Gewinner steht jedoch schon fest: Der Aktionär der umworbenen Abbey sah seit Beginn des Tauziehens den Kurs in die Höhe schießen.

Angebote von Lloyds unzureichend

Beide Angebote von Lloyds TSB hat Abbey trotz eines 35 %igen Zuschlags auf den Marktpreis von rund 16,5 Mrd. £ als unzureichend abgelehnt. Die Scheu der umworbenen Braut ist nicht überraschend; denn bei dieser Verbindung würde Abbey die Rolle des Juniorpartners einnehmen. Bei einer Fusion mit BoS wäre die Rollenverteilung nicht von vornherein klar. Auf Grund des von Lloyds erzeugten Drucks liefe es aber auf eine Doppelspitze hinaus.

Bei einer Verbindung mit Abbey würde Lloyds TSB in der Rangliste der größten Filialbanken die Royal Bank of Scotland überholen und hinter dem weltweit zweitgrößten Bankenriesen HSBC den zweiten Platz in Großbritannien einnehmen. Die Royal Bank of Scotland hatte sich erst im vergangenen Winter mit dem kostspieligen Erwerb von Nat West auf diesen Rang vorgeschoben, knapp gefolgt von Lloyds TSB und Barclays. Wesentlich kleiner als ihre Konkurrenten und daher seit längerem als Übernahmekandidaten gehandelt, nehmen Abbey National und die Bank of Scotland noch die Plätze fünf und sechs ein.

Mit der Bildung größerer Einheiten reagieren die Banken, die sich als Filialbanken vor allem auf das Mengengeschäft konzentrieren, auf den zunehmenden Preisdruck. Zwar weisen die großen Institute noch eine höhere Rentabilität aus als viele ihrer Wettbewerber auf dem europäischen Kontinent. Doch die fetten Jahre scheinen zu Ende zu gehen: Konkurrenz erhalten HSBC und Co. vor allem von den billigeren Online-Banken und den Versicherern. Ihre marktbeherrschende Stellung im Privatkundengeschäft gerät, ähnlich wie in Kontinentaleuropa, immer mehr in Gefahr.

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