Konsolidierungswelle erwartet
Fusion von AOL und Time Warner schafft Fakten für 2001

AOL und Time Warner: Das war die Medien-Story des Jahres 2000 - und wird auch die des Jahres 2001 sein. Die Fusion zum weltgrößten Medienunternehmen nahm kurz vor Jahresende mit der Genehmigung in den USA noch die letzte kartellrechtliche Hürde, doch sie setzt Standards für die Medienbranche auch im neuen Jahr. Der "Mega-Merger" wird zwar schwer zu überbieten sein, aber die Konsolidierungswelle ist Experten zufolge damit auch alles andere als vorbei. Schließlich gilt die Verbindung von Content - also Inhalten wie Filme, Musik und Texte - und Kunden-Zugang - bei AOL 26 Mill. Internet-Nutzer - als der goldene Weg zum Erfolg in der Medienbranche.

Reuters HAMBURG. Auch in Deutschland erwarten Analysten im Jahr 2001 Fusionen und Übernahmen in der Medienbranche, weil sie mit weiteren Enttäuschungen bei einst euphorisch bewerteten Firmen wie dem Filmrechtehändler EM.TV rechnen. "Für große Player ist das eine gute Gelegenheit", sagt ein Analyst. Bei der wegen Fehlbuchungen und drastischen Gewinnwarnungen angeschlagenen EM.TV ist dieser große Player die Kirch-Gruppe, die sich mit knapp 17 % an dem einstiegen Neuen-Markt-Star beteiligen will.

Für EM.TV ist das Experten zufolge durchaus positiv, denn das Unternehmen bekommt so über Kirch-Sender wie Prosieben, Sat.1 und Premiere Zugang zu den deutschen Zuschauern. Und die werden auch im kommenden Jahr nicht so leicht zu erreichen sein, wie Lizenzhändler schon 2000 schmerzhaft feststellen mussten. "Kleine Unternehmen haben Filme teuer eingekauft und jetzt Schwierigkeiten, sie weiter zu verkaufen", heißt es unter Analysten. Schließlich verlagerten sich viele Fernsehsender immer mehr auf eigene oder selbst in Auftrag gegebene Produktionen, statt Filme und Serien kostspielig einzukaufen.

Wenig Platz neben TV-Giganten

Das gelte nicht nur für die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF, sondern auch gerade für die Privatsender. Und wer als Rechtehändler oder Produzent seine Filme bei den Kirch- Sendern oder deren Hauptkonkurrenten - der von Bertelsmann kontrollierten RTL-Gruppe - nicht abspielen kann, hofft auch 2001 vergebens auf ein Happy-End: Für Dritte bleibt es schwer, sich neben den beiden TV-Giganten zu etablieren.

Aber auch die großen Fernsehkonzerne stoßen mit neuen Kanälen, die sie für das kommende Jahr planen, an Grenzen. Die Kabelnetze, durch die die meisten Programme durchgeschleust werden müssen, sind derzeit praktisch vollständig belegt. Dieses Nadelöhr wird sich allerdings langsam weiten, wenn immer mehr Regionen Zugang zum Breitbandkabel bekommen. Dann könnte ein Vielfaches der derzeit rund 30 deutschsprachigen Programme über die Bildschirme flimmern.

Interaktives Fernsehen durch Breitbandkabel

Breitbandkabel wird das Fernsehen aber nicht nur in der Masse, sondern auch in der technischen Klasse verändern. Das Fernsehen wird interaktiv, so dass der Zuschauer sich sein Programm selbst zusammenstellen, ins Internet surfen und später auch einmal den Pulli des Hauptdarstellers direkt bestellen kann. Für das interaktive Fernsehen hegen Medienkonzerne schon im kommenden Jahr entsprechend große Erwartungen. Der Blick der Branche ist aber auch nicht zuletzt deshalb auf das interaktive Fernsehen gerichtet, weil es mit dem "Video on Demand" weiteren Konkurrenzdruck bedeutet für das ohnehin schleppende Geschäft mit dem Bezahlfernsehen des Kirch-Senders Premiere.

Internet im Fernsehen oder Fernsehen im Internet - beides wird möglich und symbolisiert das Schlagwort der Branche: Medienkonvergenz. 2000 eindeutig als Trend erkennbar geworden, wird das Zusammenwachsen der Medien die Branche auch 2001 bestimmen. Auch klassische Verlagshäuser wie Gruner+Jahr und Springer bleiben davon nicht unberührt und bemühen sich um Gewinn bringende Internet-Auftritte ihrer Zeitungen und Zeitschriften. Damit können sie Experten zufolge in Zukunft durchaus Erfolg haben. Wer schon in der "richtigen Welt" einen Namen hat, tut sich auch am virtuellen Kiosk leichter.

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