Konsolidierungswünschen der privaten Geschäftsbanken klare Absage erteilt
Sparkassen setzen auf Wettbewerb

Die Diskussion über Wege aus der dramatischen Ertragskrise der deutschen Kreditwirtschaft ist voll entbrannt. Die Privatbanken setzen auf eine radikale Neuordnung, die Genossenschaftsbanken auf die Strategie der kleinen Schritte. Die Sparkassen planen Reformen vor allem im eigenen Lager.

FRANKFURT/M. "Wir haben in Deutschland keine strukturelle Bankenkrise. Wir haben aber krisenhafte Erscheinungen einzelner Bereiche der Branche." Dies betonte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Dietrich Hoppenstedt, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Beispielsweise hätten die privaten Großbanken in der Vergangenheit zu sehr auf das Investmentbanking gesetzt, was sich jetzt räche.

Rolf-E. Breuer, Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), sprach vor kurzem im Handelsblatt von einem tiefen "Ertragsloch". Breuer plädierte wiederholt für eine Auflösung der drei Säulen der deutschen Kreditwirtschaft - Privatbanken, Kreditgenossenschaften und öffentlich-rechtliche Institute - und für Fusionen zwischen Sparkassen und Volksbanken. Sonst sei die deutsche Kreditwirtschaft nicht mehr wettbewerbsfähig.

Hoppenstedt dagegen lehnt eine Aufweichung des Drei-Säulen-Systems strikt ab: "Jede der kreditwirtschaftlichen Gruppen in Deutschland muss ihre eigenen Hausaufgaben machen. Wer in den letzten Jahren so oft seine Strategie gewechselt hat wie die privaten Banken, ist kein guter Ratgeber", meint der Sparkassenpräsident. Für die Sparkassen laute die Vorgabe, weitere Marktanteile zu gewinnen. Die Privatbanken könnten ihre spezifischen Probleme nicht lösen, indem sie das bewährte Verbundsystem der Sparkassen angreifen und zerschlagen wollten. Hoppenstedt wörtlich: "Für Experimente steht auch volkswirtschaftlich gesehen zu viel auf dem Spiel."

Der Sparkassenpräsident wirft den Privatbanken vor, bei ihrer Kritik an den Sparkassen wechselnde Argumente zu gebrauchen: "In Brüssel ist es angeblich darum gegangen, Verzerrungen im Wettbewerb zu unterbinden. Jetzt wollen die Privatbanken den Wettbewerb einschränken."

Allerdings sind die Sparkassen zu Kooperationen mit anderen Bankengruppen bereit, wenn der Wettbewerb nicht eingeschränkt wird. Dies ist zum Beispiel bei fast allen Abwicklungstätigkeiten der Fall. Hoppenstedt regte erneut eine engere Zusammenarbeit zwischen Sparkassen und Geschäftsbanken im Zahlungsverkehr und in der Wertpapierabwicklung an. Allerdings sind Sparkassen bislang in keiner der laufenden Verhandlungen vertreten.

Beim Zahlungsverkehr verhandeln Deutsche Bank, Dresdner Bank und Hypo-Vereinsbank über einen Zusammenschluss, der wohl im kommenden Jahr zu Stande kommen wird. Außerdem sprechen die genossenschaftliche DZ Bank und die Commerzbank über eine Kooperation. Die Verhandlungen gestalten sich aber äußerst schwierig.

Voraussetzung für Kooperationen sei allerdings, dass der Nutzen in einer fairen Relation zu den eingebrachten Marktanteilen steht, sagte Hoppenstedt. "Es kann nicht sein, dass wir mit unseren großen Mengengerüsten die Wettbewerber stärken und selbst nur einen geringen positiven Effekt verbuchen." Der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Christopher Pleister, hatte Anfang der Woche im Handelsblatt den "ungerechtfertigten Dominanzanspruch der Privatbanken" kritisiert. Hieran würden viele Kooperationsmöglichkeiten scheitern.

Hoppenstedt sieht die Sparkassen- Finanzgruppe auf einem guten Weg. Das vor kurzem verabschiedete Strategiepapier werde im kommenden Jahr zwar noch nicht zu nachhaltigen Effekten bei den Betriebsergebnissen führen, die Aufwand-Ertragsrelation der Banken werde sich aber merklich verbessern, kündigte Hoppenstedt an. Durch die Beseitigung von Doppelarbeit sollen die Erträge um bis zu 50 % gesteigert und die Kosten kräftig gesenkt werden.

Die Ziele für das kommende Jahr sind hierbei schon klar definiert: "Wir wollen bei den Sparkassen eine Eigenkapitalrendite vor Steuern von 15 % und eine Aufwand-Ertragsrelation von unter 60 % erreichen", sagte Hoppenstedt. Ende 2001 lag die Aufwand-Ertragsrelation noch bei 70 %, die Eigenkapitalrendite vor Steuern betrug erst rund 10 %.

In nächster Zeit sieht der DSGV-Präsident die dringlichste Aufgabe darin, die Strategieziele in der Geschäftspolitik der rund 700 Unternehmen der Sparkassen-Finanzgruppe zu integrieren. Im kommenden Frühjahr rechnet Hoppenstedt damit, dass der DSGV erste Vorschläge für die Weiterentwicklung des Haftungsverbundes vorlegen kann. Ähnlich wie die Genossenschaftsbanken planen die Sparkassen, die Einzahlungen in die Sicherungseinrichtung stärker risikoorientiert zu bemessen.

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