Konsumklima-Index der Universität Michigan sinkt auf niedrigstem Wert seit acht Jahren
Verunsicherung der US-Verbraucher wächst

Der private Konsum, bislang wichtigste Stütze der US-Konjunktur, droht endgültig einzubrechen. Das von der Universität Michigan ermittelte Verbrauchervertrauen ist stark gesunken. Die patriotisch motivierte "Jetzt-erst-recht-Stimmung", die unmittelbar nach dem 11. September aufgekommen war, hat offenbar nicht lange angehalten.

tor NEW YORK. Das Konsumklima in den USA hat sich im September stark eingetrübt. Damit haben sich die Aussichten für die US-Konjunktur weiter verschlechtert. Viele US-Ökonomen erwarten nun, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im 3. und 4. Quartal schrumpfen wird (siehe Artikel rechts). Dies entspricht der in den USA benutzten Rezessionsdefinition.

Der stark beachtete Index für das Konsumklima von der Universität Michigan ist im September von zuvor 91,5 auf 81,8 Punkte gesunken. Analysten hatten mit einem noch stärkeren Rückgang gerechnet. Dennoch ist es der niedrigste Wert seit acht Jahren. Zuvor war schon das vom New Yorker Forschungsinstitut Conference Board ermittelte Verbrauchervertrauen stark zurückgegangen. In den USA generieren die privaten Verbraucher etwa zwei Drittel des BIP und stellen somit die wichtigste Stütze der Wirtschaft dar. Im 2. Quartal hatten die Amerikaner ihre Konsumausgaben noch mit einer Jahresrate von 2,5% gesteigert.

Ökonomen rechnen mit weiterer Stimmungsverschlechterung

Die meisten Experten rechnen nach den Terroranschlägen auf New York und Washington damit, dass der private Verbrauch in den kommenden Monaten weiter zurückgehen wird. Zwar zeigen die Zahlen der Universität Michigan, dass sich die Konsumentenstimmung direkt nach der Terrorattacke im Vergleich zur Vorwoche sogar verbessert hatte. Ökonomen schreiben dies dem Patriotismus der US-Haushalte zu. Anschließend ging es aber steil bergab: In zweiten Woche nach den Anschlägen fiel der Index auf den Wert von 72,2 Punkten. Besonders bei größeren Anschaffungen halten sich die Amerikaner zurück. Wenn morgen die großen US-Autokonzerne ihre Verkaufszahlen für September vorlegen, ist deshalb mit einem zweistelligen Rückgang zu rechnen.

"Das Konsumklima wird sich in den kommenden Monaten noch weiter verschlechtern", sagte Marty Mauro, Ökonom bei der Investmentbank Merrill Lynch voraus. Tatsächlich sind die Zukunftserwartungen der Verbraucher nach den Zahlen der Universität Michigan am stärksten zurück gegangen - von 85,2 auf 73,5 Punkte. Zu einer weiteren Stimmungsverschlechterung und Kaufzurückhaltung dürften auch die nach den Terroranschlägen angekündigten Massenentlassungen beitragen. Allein die US-Fluggesellschaften wollen in den nächsten Monaten mehr als 100 000 Mitarbeiter entlassen.

Etwas besser als erwartet schnitt der Einkaufsmanagerindex der Region Chicago ab. Er kletterte von 43,5 auf 46,6 Punkte. Der Wert spiegelt jedoch nicht die Lage nach der Katastrophe am 11. September wider. Außerdem liegt er noch immer unter 50 Punkten, was auf eine abnehmende wirtschaftliche Tätigkeit hindeutet.

Im 2. Quartal des laufenden Jahres wuchs die US-Wirtschaft mit einer Jahresrate von nur noch 0,3%. Das Handelsministerium korrigierte damit seine vorherigen Berechnungen um 0,1 Prozentpunkte nach oben. Analysten hatte mit einer leichten Korrektur nach unten gerechnet. Dass es anders gekommen ist, ist vor allem einer verbesserten Handelsbilanz zu verdanken. Dennoch bleibt es das schwächste Wirtschaftswachstum in den USA seit 1993.

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