Kontaktbörse für die Gründer von morgen
Berlin auf Draht

70 000 Besucher erwarten die Veranstalter von Dienstag bis Donnerstag auf der Internet World . Die Fachmesse stärkt Berlins Status als deutsche Internethochburg.

BERLIN. Innerhalb von fünf Jahren hat sich die Internet World in Berlin vom sehr überschaubaren Treffpunkt für deutsche Internetpioniere zur zweitgrößten Internetmesse der Welt hinter der Internet World New York gemausert. Von Dienstag bis Donnerstag erwarten die Veranstalter 70 000 Fachbesucher auf dem Berliner Messegelände. Das Thema der Messe diktiert die schlechte Stimmung an den Kapitalmärkten: Welche Geschäftsmodelle im Netz versprechen Gewinne, und wie lassen sich mit Hilfe des Internets Transaktionskosten senken?

"Wir können nicht abstreiten, dass die Lage der New Economy derzeit nicht die beste ist", sagt Kerstin Kirsch vom Münchner Veranstalter ComMunic GmbH. Dennoch werde sich die Zahl der Aussteller im Vergleich zum Vorjahr auf knapp 1 000 verdoppeln. Denn erstmals sind diesmal auch die Großunternehmen IBM, Microsoft und Sun Microsystems sowie der Internetprovider T-Online vertreten.

Stärkung für den IT-Standort Berlin

Nach Ansicht von Alexander Artopé, Sprecher der Berliner Startup-Vereinigung "Silicon City" und Gründer der Softwareschmiede Datango, stärkt die Internet World auch den IT-Standort Berlin. "Das Event wird von vielen Experten als sehr wichtig wahrgenommen, und auch viele unserer Kunden sind auf der Messe vertreten", sagt Artopé. Doch dafür, dass Berlin für Unternehmen rund ums Internet zunehmend an Attraktivität gewinnt und sich anschickt, München den Spitzenplatz streitig zu machen, sprechen auch eine Reihe harter Fakten.

16 484 Unternehmen der IT- und Medienbranche gab es einer Studie der Berliner Industrie- und Handelskammer zufolge Anfang 2001 in der Spreemetropole. Das sind 3 400 Unternehmen mehr als ein Jahr zuvor. Mit 26 Prozent Zuwachs belegt Berlin nach Angaben des Berliner Senats für Wirtschaft bundesweit die Spitzenposition. Die Anzahl der Multimedia-Agenturen hat sich im gleichen Zeitraum mit nunmehr 855 Unternehmen fast verdoppelt. Und von spektakulären Pleiten blieb die New Economy an der Spree bislang verschont.

In Zeiten, in denen Kostenkontrolle für viele Startups zur Existenzfrage wird, ist Berlin mit seinen günstigen Mieten von manchmal nur zehn Mark pro Quadratmeter in City-Lagen und vergleichsweise niedrigen Lohnkosten gut aufgestellt: "Wir haben hier 50 bis 60 Prozent niedrigere Kosten, als wir in München hätten", lobt Felix Frohn-Bernau, Gründer des Internet-Meinungsportals Dooyoo.de.

Berlin besticht durch hohe Lebensqualität

Werner Dreesbach, Geschäftsführer in der Münchener Niederlassung der Venture-Capital-Gesellschaft Atlas Venture, sieht Berlin und München trotzdem nicht in direkter Konkurrenz. "In München sitzt eher die ältere Gründergarde mit dem Fokus auf der Technologie", sagt Dreesbach. In Berlin befassten sich die Gründerteams hingegen vor allem mit den dynamischen Entwicklungen im Internet.

In einer aktuellen Studie des Forschungsprojekts "E-Startup.org" der European Business School rangiert die Hauptstadt gemessen an der Zahl der Neugründungen im elektronischen Handel noch hinter München. Allerdings schnitt Berlin bei den 1 178 befragten Internetstartups dank hoher Lebensqualität als attraktivster Standort vor München ab.

Vom Sitz in der für junge und kreative Leute attraktiven Metropole profitiert auch Dooyoo. "Die Atmosphäre in Berlin passt gut zu uns, denn wir brauchen junge Marketingleute und Online-Redakteure", meint Frohn-Bernau.

Angebot an jungen Talenten ist groß

In der Tat scheint das Angebot an jungen Talenten - seien es nun Informatiker, Techniker oder Wirtschaftswissenschaftler - gemessen am bundesweiten Notstand überaus üppig. "Hier gibt es über 100 000 Studenten und ein dichtes Netz aus Universitäten, Forschungszentren und Technologieparks", beschreibt Thomas Bles, Pressesprecher der Risikokapitalgesellschaft BMP, den in seinen Augen wichtigsten Standortvorteil.

Auch internationalen Unternehmen wie PSINet erscheint der Standort Berlin zunehmend attraktiv. Während das Geschäft in den USA kriselt, investierte der auf Geschäftskunden spezialisierte Internetdienstleister in der deutschen Hauptstadt 250 Millionen Mark in ein Rechenzentrum, in dem bis Herbst 150 Angestellte arbeiten sollen. "In Berlin entstehen momentan viele neue Unternehmen. Und viele Dienstleister sind hier mit ihrer Verwaltung präsent", begründet Marketingberaterin Birgit Ückert die Standortwahl.

Internet-World ist die Kontaktbörse für die Gründer von morgen

Mit dem Internetportal Planet-internet, das der holländischen Telefongesellschaft KPN gehört, und dem Technologieunternehmen Motorola, schufen sich im vergangenen Jahr noch zwei weitere internationale Konzerne ein Standbein in Berlin.

Bei so viel Wachstum sorgen sich Menschen wie Thomas Heilmann, Mitinhaber der Werbeagentur Scholz & Friends Berlin sowie der Wagniskapitalgesellschaft Econa, schon, Berlin könne doch noch der wichtigste Treibstoff für den Motor der New Economy ausgehen. Mit Initiativen wie "Capital of Talent", dem "New Economy Training Program" und neuen E-Commerce-Studiengängen sollen deshalb junge Talente nach Berlin gelockt und zu Spezialisten in den neuen Medien ausgebildet werden. Für diese jungen Fachleute ist auch die Internet World höchst attraktiv, gilt sie doch als Kontaktbörse für die Gründer von morgen.

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