Kontrollen gefordert
Zahnärzte-Skandal: Hauptverdächtige geständig

Im Betrugsskandal um Billig-Zahnersatz aus Asien sind die Hauptverdächtigen geständig. Die Manager und Inhaber der Mülheimer Firma Globudent hätten die Vergehen "im Groben" eingeräumt, sagte der Sprecher der Wuppertaler Staatsanwaltschaft am Freitag.

HB/dpa WUPPERTAL/HANNOVER. Ein Haftrichter hatte am späten Donnerstagabend zwei der 27 und 36 Jahre alten Männer in Untersuchungshaft geschickt. Gegen den Dritten wurde der Haftbefehl gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt. Der AOK-Bundesverband forderte am Freitag unterdessen eine strenge Kontrolle zahntechnischer Betriebe.

In einem der größten Betrugsskandale im deutschen Gesundheitswesen ist den Krankenkassen ein geschätzter Schaden in dreistelliger Millionenhöhe entstanden. Globudent soll Ärzten jahrelang billigen Zahnersatz aus Fernost verkauft haben. Kassen und Patienten seien aber die hohen deutschen Preise berechnet worden. Ausmaß und Schadenshöhe des Falls sind nach Angaben der federführenden Staatsanwaltschaft Wuppertal weiter unklar. Hinweise auf mögliche Gesundheitsgefahren durch die Billig-Importe gebe es nicht.

Eine bessere Kontrolle zahntechnischer Betriebe könne rasch durch eine Zertifizierung von Zahnersatz-Qualität und Preisen garantiert werden, hieß es vom AOK-Bundesverband in Bonn. Zahnersatz-Hersteller sollten künftig ähnlich wie Zulieferbetriebe in der Industrie Qualitätsnormen einhalten müssen und ständig geprüft werden. Angesichts eines Marktes von rund fünf Mrd. Euro an Zahntechnik-Leistungen in Deutschland müssten Strukturen geschaffen werden, die faire Wettbewerbsbedingungen für alle Beteiligten bieten.



Direkte Vertragsbeziehungen zwischen Krankenkassen und Zahnärzten

Krankenkassen sollten künftig auch direkte Vertragsbeziehungen mit Zahnärzten und Zahntechnikherstellern eingehen dürfen, forderte der AOK-Bundesverband. Dies werde derzeit durch gesetzliche Monopolregelungen zu Gunsten Kassenzahnärztlicher Vereinigungen und der Zahntechniker-Innungen verhindert.

Nach Ansicht der SPD-Bundestagsfraktion ist der Globudent-Skandal nur die Spitze des Eisberges. Viele Zahnärzte sicherten sich "ein Stück vom Kuchen des Zahntechnik-Marktes", sagte der stellvertretende gesundheitspolitische Sprecher der Fraktion, Horst Schmidbauer. Er forderte die Bundeszahnärztekammer auf, den "schwarzen Schafen in der Zahnärzteschaft das Handwerk" zu legen. "Beachtet werden müssen aber auch die finanziellen Schadensersatzansprüche der Patientinnen und Patienten", erklärte die gesundheitspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion der Grünen, Biggi Bender.

Die AOK in Niedersachsen nimmt bereits zahlreiche Labore in Deutschland ins Visier, die ähnlich wie die Dentalgesellschaft Globudent Zahnersatz aus dem Ausland weit überhöht abgerechnet haben sollen. Die Zahl liege im zweistelligen Bereich, sagte ein AOK- Sprecher.

Der Skandal entfachte auch einen Streit zwischen Politikern und der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZVN) um die Kontrolle von Abrechnungen. Die niedersächsische Landtagsfraktionen von SPD und Grünen warfen der KZVN vor, sie komme ihrer Prüfpflicht bei den Abrechnungen nicht nach. Der sozialpolitische Sprecher der SPD - Fraktion in Hannover, Uwe Schwarz, forderte gar die Auflösung der Vereinigung. Die KZVN wies die Vorwürfe empört zurück und betonte, eine große Abteilung von Spezialisten leiste akkurate Arbeit. Allerdings kritisierte die Vereinigung, sie sei von der AOK nicht über die Ermittlungen informiert worden.

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