Kontrollen von Futtermittel und Geflügelprodukten sind angelaufen
Skandal um Gift in Öko-Weizen weitet sich aus

Wegen des Skandals um Futterweizen, der mit dem krebsverdächtigen Unkrautvernichtungsmittel Nitrofen behandelt wurde, sollen zahlreiche Bio-Betriebe und deren Produkte überprüft werden.

wiwo/ap HANNOVER. Die Kontrollen werden von Niedersachsen ausgehend auf Mecklenburg-Vorpommern und andere Bundesländer ausgeweitet. Sehr wahrscheinlich seien 100 Öko-Betriebe in ganz Deutschland betroffen, erklärte ein Sprecher des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums am Samstag im NDR.

Die niedersächsische Futtermittelfirma, die 100 Tonnen nitrofen-belasteten Weizen aus Brandenburg bezogen hat, soll bundesweit Öko-Betriebe beliefert haben. Zwei ihrer Kunden in Nordrhein-Westfalen, ein Putenmast- und ein Legehennenbetrieb, waren bereits am Freitag vorsorglich gesperrt worden. Die Behörden stellten Proben von dem Futtermittel und den Produkten, darunter Eier, sicher. Wie ein Sprecher des Düsseldorfer Umweltministeriums erklärte, wird als nächstes die Kundenliste der beiden Betriebe überprüft. Betroffene Waren sollen sichergestellt werden. Erzeuger- und Vertriebsunternehmen haben ihrerseits Rückrufaktionen und Lieferstopps veranlasst.

Der belastete Öko-Futterweizen wurde schon im vergangenen Jahr aus Brandenburg an das niedersächsische Unternehmen geliefert und nach und nach verarbeitet. Nach Angaben des brandenburgischen Landwirtschaftsministeriums handelt es sich um einen Öko-Betrieb in Stegelitz (Uckermark). Dort soll am Montag untersucht werden, auf welche Weise das verbotene Unkrautvernichtungsmittel ins Getreide gelangt ist. Ein Ministeriumssprecher schloss nicht aus, dass das Nitrofen durch den Boden aufgenommen wurde.

Die Rückstände waren bei einer Eigenkontrolle des niedersächsischen Betriebs im Landkreis Vechta am 19. März festgestellt worden: pro Kilo Weizen 5,96 Milligramm Nitrofen. Das Nitrofen-Problem sei der betroffenen Öko-Organisation offenbar jedoch bereits seit Dezember 2001 bekannt gewesen, teilte das niedersächsische Landwirtschaftsministerium mit.

Die zuständigen Behörden der Länder erfuhren von dem Problem erst am vergangenen Donnerstag über einen Hinweis des Bundesverbraucherministeriums in Berlin. Dieses forderte die Landesministerien auf, die Informationspolitik der Firmen zu überprüfen und gegebenenfalls zu ahnden. Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Uwe Bartels hatte am Freitag die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

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