Kontroverse um Asthma-Präparat
WADA stuft Galdeano-Fall als Doping ein

Die Internationale Anti-Doping-Agentur WADA widerspricht damit dem Welt-Radsport-Verband, der nach wie vor von einem "negativen" Testergebnis spricht.

HB PAU. Die Internationale Anti-Doping-Agentur WADA wertet die bekannt gewordenen Ergebnisse der Urin-Kontrolle des augenblicklichen Tour-de-France-Spitzenreiters Igor Gonzalez de Galdeano als Doping. Der zuständige Welt-Radsport-Verband UCI zieht sich dagegen weiter auf die eigenen Statuten zurück und spricht von "negativen" Test- Ergebnissen. Bei dem 28-jährigen Spanier war eine hohe Konzentration von Kortekoiden festgestellt worden.

Nach ärztlichem Attest sei Galdeano wegen Asthmas der Gebrauch des Mittels Salbutamol gestattet, bestätigte die UCI. Die WADA hat in diesem Fall keine Sanktions-Möglichkeiten. Die Tour-Organisation will sich aus dem "Kompetenz-Streit der Experten", wie der Direktor der die Tour veranstaltenden Amaury-Gruppe, Daniel Baal, mitteilte. "Igor ist krank, er hat Asthma, wie ich übrigens auch. Er muss das Mittel sein ganzes Leben lang nehmen", sagte sein Teamchef Manolo Saiz.

Galdeano war bei einer Kontrolle im Ziel der 6. Etappe in Alencon, die Erik Zabel (Unna) gewann, aufgefallen. Beim Team-Kollegen von Jörg Jaksche (Ansbach) war ein Wert von 1360 Nanogramm pro Milliliter nachgewiesen worden. Die tolerierte Grenze liegt bei 1000 Nanogramm. Salbutamol kann - abhängig von der Dosierung - anabole und auch aufputschende Wirkung haben, behauptet die französische Sportzeitung "L'Equipe". Alain Garnier, Direktor der europäischen Sektion der WADA, wertete den Fall als Doping und verwies auf die festgesetzte Grenze von 1000 Nanogramm. Die angeblich therapeutische Anwendung des Medikaments passe nicht zu den hohen Werten. Garnier vermutet eine orale Einnahme, was in den Anti-Doping-Richtlinien der UCI ausdrücklich verboten sei. Das Mittel gegen Asthma darf nur inhaliert werden.

"Das war heute nicht einer meiner glücklichsten Tage, als ich von den Vorwürfen erfuhr. Es soll mir etwas unterstellt werden, jemand will mir etwas Böses antun. Aber er wird keinen Erfolg haben", sagte Galdeano einem spanischen Radiosender. Once-Teamchef Saiz vermutet innerhalb des Teams oder Begleiterstabs eine undichte Stelle, aus der die Ergebnisse der Kontrolle an die Öffentlichkeit gelangten.

Das Kortekoid haltige Salbutamol war auch das Mittel, mit dem Jan Ullrich beim Giro d'Italia 2000 aufgefallen war. Das bestätigte Telekom-Teamarzt Lothar Heinrich. Auch Ullrich durfte das Mittel gegen sein allergisches Asthma anwenden. Wie im Fall Galdeano war der Einsatz ärztlich attestiert. Heinrich: "Es ist das gängigste Mittel bei Asthma-Beschwerden. Es darf aber grundsätzlich nur als Spray verwendet werden." Galdeanos Landsmann Pedro Delgado, spanischer Tour-Sieger von 1988, durfte sein Gelbes Trikot vor 14 Jahren nur behalten, weil ein bei ihm nachgewiesenes Dopingmittel (Probenecid) noch nicht auf der UCI-Verbotsliste stand. Beim vergangenen Giro war dieses Präparat Auslöser der Disqualifikation des Italieners Stefano Garzelli.

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