Konzentration auf das Kerngeschäft
Kein Medienpark des ZDF in Mainz

ZDF-Intendant Markus Schächter zog am Donnerstag die Notbremse. Angesichts der "existenziellen Herausforderungen für das ZDF" werde der geplante Freizeitpark in Mainz auf Eis gelegt, sagte er. "Wir brauchen volle Handlungsfreiheit für unser Kerngeschäft."

HB/dpa MAINZ. Zusätzliche Großprojekte seien nicht zu bewältigen. Möglicherweise werde das Projekt aber einmal weiter verfolgt, denn das Konzept sei richtig. Dabei hatte das Bundesverwaltungsgericht am selben Tag noch die letzte Beschwerde gegen das umstrittene Projekt abgewiesen.

Nach der jüngsten Diskussionen über eine Verschiebung der Gebührenerhöhung sowie eine Abschaffung der Werbung in ARD und ZDF sieht Schächter das ZDF unter enormem Druck. Es sei mit weiteren massiven Einschnitten zu rechnen. "Das war so vor einem halben Jahr noch nicht abzusehen. Alles, was "nice to have" ist, ist für die Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens nicht so wichtig." Im ZDF gibt es Zweifel, dass die öffentlich-rechtlichen Sender ihre beantragte Gebührenerhöhung durchsetzen können.

Nach unbestätigten Meldungen verlangen ARD und ZDF von 2005 an eine Steigerung von derzeit 16,15 Euro monatlich auf etwa 18 Euro. Schächter meint nun: "Wir haben uns darauf einzustellen, dass nicht mehr alles selbstverständlich bleibt, was selbstverständlich ist." Dabei hatte im Frühjahr 1998 alles so schön angefangen. Der damalige Intendant Dieter Stolte stellte das über 100 Millionen Euro teure Projekt vor und versprach eine Stärkung des Senders. In einem 55 Hektar großen Freizeitpark wollte das ZDF rund einer Million erwarteten Besuchern jährlich Fernsehen zum Anfassen bieten.

Rundfunkgebühren sollten dazu aber nicht verwendet werden. Zielgruppe waren vor allem junge Familien mit Kindern, denen das ZDF zum Beispiel im Nachbau des Traumschiffs einen Blick hinter die Kulissen bieten wollte. Die Besucher sollten dann auch zu Hause öfter mal das Zweite einschalten - so lautete die Hoffnung.

Doch kaum war die Idee in der Welt, da liefen Anwohner in den besser gestellten Mainzer Stadtteilen Lerchenberg und Drais Sturm, weil sie mehr Lärm und Verkehr fürchteten. Sie zogen vor Gericht, genau so wie drei Freizeitparks - darunter der Holiday-Park Haßloch in der Pfalz. Diese argumentierten, der Medienpark sei nicht mit der Aufgabe einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt vereinbar.

Im Laufe der Jahre konnten aber alle Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt werden. Im vergangenen September erklärte das Oberverwaltungsgericht Koblenz den Bebauungsplan für rechtmäßig. Sogar die EU-Kommission gab grünes Licht, und nicht einmal mehr das Vorkommen von geschützten Feldhamstern auf dem Gelände konnte das Projekt gefährden. Denn die Tiere leben nur auf einem nordöstlichen Zipfel, der nicht bebaut werden sollte.

Doch statt dass die Bagger nun rollen, steigt das ZDF aus. Nach der bisherigen Finanzplanung vom vergangenen Jahr hat das ZDF bis Ende 2004 ein Defizit von rund 200 Millionen Euro vorgesehen. Pro Jahr sollen 50 Millionen Euro bei einem Etat von rund 1,77 Milliarden Euro eingespart werden. Wie dramatisch die Lage tatsächlich ist, wird sich nach Klausurtagungen der Senderspitze in der kommenden Woche zeigen. Auf den Fluren wird über schmerzhafte Einschnitte gemunkelt - möglicherweise gehe es sogar um die Einstellung von Sendungen.

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