Konzentration auf dem Markt der Internet-Finanzplattformen erwartet
Banken wollen keine Chance versäumen

Das Tempo auf den Internet-Finanzmärkten zieht an. Die führenden Banken sind bei fast jeder Plattform dabei, um mit institutionellen Anlegern mit Anleihen, Derivaten oder Devisen zu handeln. Welche Strategien dabei verfolgt werden, zeigen die Beispiele Deutsche Bank und GE Capital.

HB FRANKFURT/M. Sie heißen Volbroker, SwapsWire oder Atriax. Namen, die nicht auf den ersten Blick erkennen lassen, dass sie elektronische Plattformen für den Handel mit Derivaten, Anleihen und Devisen bezeichnen. In einem Geschäft, in dem die Anbieter wie Pilze aus dem Boden schießen, sind nahe liegende Titel wie Bondclick längst vergeben. Die Banken, die hinter den Plattformen stehen, genießen dagegen einen hohen Bekanntheitsgrad: J.P. Morgan, Merrill Lynch, Morgan Stanley, Chase Manhattan, Citigroup und - als eine der wenigen europäischen Adressen - die Deutsche Bank.

Die Finanzhäuser versuchen, überall einen Fuß in der Tür zu haben, um bei einer Konsolidierung des Marktes nicht außen vor zu stehen. Nach sehr hohen Kosten für den Aufbau der Internet-Technologie ist jetzt der Aufwand für den Anschluss an weitere Plattformen gering, ebenso die laufenden Kosten. Oftmals gehen die Banken Beteiligungen ein, um ihr Engagement zu bekräftigen. Doch im Vergleich zu den immensen Anfangsinvestitionen sind diese Beträge gering. Die Deutsche Bank ist unter anderem bei Bondclick, Swapswire, und Volbroker nicht nur Partner, sondern auch Anteilseigner. Holger Wittmann, Direktor der Deutsche Bank Global Markets, begründet das Engagement damit, dass mit der Zahl der Plattformen die Liquidität der darauf gehandelten Produkte steigt. "Damit kann die Bank bessere Preise stellen und weiteres Volumen an sich ziehen." Finanziell schmerze es nicht, sich an vielen Plattformen zu beteiligen. "Wir wollen nicht das Risiko eingehen, den richtigen Zug zu versäumen", sagt er.

Zunehmende Konzentration bei E-Commerce

Wittmann erwartet, dass sich der elektronische Handel zunehmend konzentriert: "Es wird immer weniger Adressen geben, die Risiken in ihre Bücher nehmen und die sehr niedrigen Margen in diesem Geschäft verkraften können." Im Moment sinken die Gewinnspannen, doch was passiert nach der Konsolidierung? "Die Margen werden vermutlich nicht steigen." Wenn sie einmal geschrumpft seien, kehrten sie erfahrungsgemäß nicht mehr zurück. Durch höhere Volumina hoffen die Banken, dennoch den Gewinn mindestens zu halten.

Gute Aussichten für Emittenten, die ihrerseits weiteren Druck auf die Banken ausüben. Im Markt für Commercial Papers (CP, kurzfristige Schuldtitel) beispielsweise haben 19 US-Emittenten, darunter GE Capital und Ford, das Unternehmen Prescient Markets mit dem Aufbau einer Online-Handelsplattform beauftragt. "Die Investoren wollen den direkten Zugriff auf eine Reihe wichtiger Emittenten, statt alle per Telefon abfragen zu müssen", sagt Marc Barber, Vice President bei GE Capital. GE Capital profitiere, weil sich der Investorenkreis durch das Internet deutlich ausweite, die Käufern mehr und schnellere Informationen bekämen und die Fehlerquote infolge der elektronischen Bearbeitung sinke. Wittmann sieht die Konkurrenz der Emittenten gelassen: "Es ist schwer zu sagen, ob sie Erfolg haben werden. Entscheidend wird sein, ob sie die bereits sehr niedrigen Margen in dem Markt weiter drücken können." Die Frage sei, ob die Investoren das "One-Stop"-Shopping bei Banken, die mehrere Finanzprodukte anbieten, nicht höher schätzten.

Die Entwicklung auf dem Commercial-Paper-Markt ist zwar nicht ohne Weiteres auf andere Märkte, etwa für Anleihen oder Medium Term Notes, übertragbar, da die Produkte und Handelsusancen nicht einheitlich sind. Doch Tendenzen sind erkennbar. "Es ist durchaus möglich, später auch Anleihen in die Prescient-Plattform zu integrieren", sagt Barber. "Doch zurzeit arbeiten wir noch nicht daran."

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