Konzentration auf den Heimatmarkt und Südamerika
Telecom Italia verkauft Töchter

Olivetti und deren Tochtergesellschaft Telecom Italia werden in den kommenden zwei Jahren ihre Geschäfte massiv konzentrieren. Geplant ist neben dem Verkauf von Telekommunikationsbeteiligungen in Europa auch die Veräußerung von Immobilien sowie aller industrieller Aktivitäten des ehemaligen Schreibmaschinenherstellers.

mab MAILAND. Die nach der Übernahme von Telecom Italia (IT) Ende Juli neuen Herren im Konzern, Pirelli-Boss Marco Tronchetti Provera und die Textilfabrikantenfamilie Benetton, wollen mit den einschneidenden Schritten insgesamt 6 Mrd. Euro erlösen. Zudem plant Olivetti eine Kapitalerhöhung. Sie soll 4 Mrd. Euro in die Kassen der Holding spülen. Ziel ist es, deren Schuldenlast von 17,4 Mrd. Euro, die von Marktteilnehmern als überhöht angesehen wird, merklich zu reduzieren. Im Gegenzug will Europas viertgrößter Telefonkonzern Telecom Italia seine Marktposition in Südamerika ausbauen und sich vor Telefonica als wichtigster Anbieter auf dem Kontinent positionieren. Bislang ist TI dort über drei Festnetztöchter und sieben Mobilfunkbetreiber in sechs Ländern präsent, darunter Brasilien, Argentinien und Chile.

Auch wenn Tronchetti als neuer Präsident des Unternehmens am Freitag keine Namen jener Unternehmensbeteiligungen nennen wollte, die zum Verkauf stehen, wurde deutlich, dass sowohl die 29,9 % an Telekom Austria als auch die 29 % an der Telecom Serbia auf dem Prüfstand stehen. Ferner bezeichneten Analysten den Ausstieg aus dem französischen Mobilfunkbetreiber Bouygues, an dem die Italiener 10,8 % halten, als wahrscheinlich. Zudem hält die Mobilfunktochter TIM zwei Minderheitsbeteiligungen in Spanien (Amena) und der Türkei (Ish TIM) - sie könnten ebenfalls zu Geld gemacht werden.

Nach zwei Jahren wilder Expansion, in der Telecom Italia laut Tronchetti "15 Milliarden Euro ausgegeben hat für Aktivitäten, die praktisch keinen Beitrag zum Ergebnis leisten", soll nun eine neue Phase des Konzerns anbrechen. Künftig sollten Investitionen nur noch getätigt werden, wenn sie sichere Verzinssung böten. Dazu gehört laut Tronchetti der Ausbau einer Glasfaserinfrastruktur, mit der schnelle Datendienste angeboten werden. Im Mobilfunk setzt die 56-prozentige Tochter TIM zunächst auf einen massiven Ausbau des GPRS-Standarts und nicht auf eine rasche Einführung des Mobilfunks der dritten Generation, UMTS.

Marktteilnehmer zeigten sich befriedigt darüber, dass die neue Führung der Lösung des Schuldenproblems offensichtlich eine hohe Priorität einräume. Analysten verwiesen aber darauf, dass angesichts der schlechten Marktbedingungen die geplante Kapitalerhöhung von Olivetti Schwierigkeiten aufwerfen werde. Die Anteilseigner sollen neue Papiere oder Wandelschuldverschreibungen im Nennwert von 1 Euro pro Aktie zeichnen, was sich bei einem aktuellen Aktienpreis unter 0,9 Euro wohl als ein Ding der Unmöglichkeit erweisen dürfte. Auch der Verkauf von Beteiligungen wird sich wegen der Baisse an den Märkten als schwieriges Unterfangen erweisen. Lob von Beobachtern erntet die Zusammenstellung des neuen Management-Teams mit Enrico Bondi, dem Ex-Chef des Mischkonzerns Montedison als Vorstandsvorsitzenden an der Spitze. Chef der Festnetzsparte wird Riccardo Ruggiero, ehemalige Nummer eins des Festnetzherausforderers Infostrada. An der Spitze von Tim bleibt Marco De Benedetti.

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