Konzentration auf Energie- und Automationstechnik
Dormann wird überraschend neuer ABB-Chef

Der ehemalige Aventis-Chef Jürgen Dormann hat sich am Donnerstag zum neuen Chef des Investitionsgüterkonzerns ABB aufgeschwungen. Er kündigte einen rascheren Umbau des einstigen Vorzeigeunternehmens an, das unter hohen Schulden und Managementskandalen leidet.

dih/ef/rtr ZÜRICH. Überraschende Wende bei ABB: Verwaltungsratschef Jürgen Dormann hat die Geduld mit dem Vorstand verloren und übernimmt ab sofort selber die Führung des Unternehmens. Der bisherige Vorstandschef Jörgen Centerman trat gestern nach nur 20 Monaten von seinem Posten zurück. Das teilte der Züricher Technologiekonzern gestern Abend mit. Für ABB ist die Personalie eine Kulturrevolution: Erstmals führt ein Mann den Konzern, der nicht aus dem Reich der schwedischen Industriellenfamilie Wallenberg kommt.

Zugleich setzt die Ablösung des 51-jährigen Centerman durch den elf Jahre älteren Dormann den Trend fort, in der Krise jüngere Chefs durch erfahrene Manager aus dem Aufsichtsrat zu ersetzen. Das hatten bereits die Deutsche Telekom und der Medienriese Bertelsmann vorexerziert. Dormann ist als Architekt des deutsch-französischen Pharmakonzerns Aventis bekannt geworden, den er aus der deutschen Hoechst und der französischen Rhône-Poulenc durch die radikale Trennung von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Teilen formte.

Ähnliches könnte nun auch dem noch immer sehr weit verzweigten Konglomerat ABB bevorstehen. Dormann kündigte sogleich an, er werde ABB weiter auf die Kerngeschäfte in den Bereichen Energie- und Automationstechnik konzentrieren. Er hatte sich wiederholt unzufrieden mit dem Tempo der Veränderungen unter Centerman gezeigt und gefordert, sich schneller von nicht zum Kern zählenden Unternehmensteilen zu trennen. Erst am Mittwoch hatte ABB die Finanzsparte für 2,3 Mrd. $ an den US-Mischkonzern General Electric verkauft.

Führungswechsel kam überraschend

Damit gelang es dem Konzern, sich zumindest an einer Front Entlastung zu verschaffen. Der Verkaufserlös hilft beim Abbau des Schuldenbergs. Finanzchef Peter Voser hat versprochen, die Nettoverschuldung bis zum Jahresende auf 2,6 Mrd. $ zu reduzieren. Das wäre nur noch die Hälfte des Standes zur Jahresmitte.

Doch die Schulden und die schwache Entwicklung der Geschäfte in der gegenwärtigen Konjunkturflaute sind nicht die einzigen Probleme des Unternehmens. Die ABB-Aktie steht seit Monaten schwer unter Druck, weil durch Klagen Asbestgeschädigter in den USA enorme Schadensersatzforderungen drohen und unklar ist, ob die 1 Mrd. $ Rückstellungen reichen werden. Anfang August geriet überdies die BZ-Gruppe des Großinvestors Martin Ebner, die mit knapp zehn Prozent an ABB beteiligt ist, in eine Finanzklemme.

Inmitten dieser Turbulenzen übernimmt nun mit Jürgen Dormann der dritte ABB-Chef innerhalb von zwei Jahren das Ruder. Im Oktober 2000 war Göran Lindahl als Vorstandschef abgetreten, im November 2001 Percy Barnevik als Verwaltungsratschef. Beide belasteten den Ruf des Züricher Konzerns aufs Schwerste, als herauskam, dass sie sich den Abgang mit zusammen rund 160 Mill. Euro an Abfindungen und Altersbezügen vergolden ließen. Inzwischen fanden sie sich immerhin bereit, mehr als die Hälfte dieser Summe zurückzugeben.

Ein ABB-Sprecher bestätigte gestern, dass der neuerliche Führungswechsel höchst überraschend kam. Dormann, der seit 1998 im ABB-Verwaltungsrat saß, machte auf einer Telefonkonferenz klar, dass seine Amtszeit nicht befristet sei. Er versicherte zugleich, dass er den Aufsichtsratsvorsitz bei Aventis behalten werde.

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