Konzentration auf größere Werte
Analysten: Neuer Markt hat weiteres Rückschlagspotenzial

Der Neue Markt besitzt nach Einschätzung von Analysten kurz- bis mittelfristig weiteres Rückschlagspotenzial. "Wir erwarten eine volatile Seitwärtsbewegung mit einem gewissen Rücksschlagpotenzial", sagte Thomas Effler, Head of European Small/Mid Cap bei der Commerzbank.

Reuters FRANKFURT. Die Analysten der DG Bank teilten am Dienstag in ihrer jüngsten Studie zum Neuen Markt mit, nach dem kräftigen Kursaufschwung im April und vor dem Hintergrund möglicher weiterer Gewinnwarnungen amerikanischer Unternehmen im Zuge der Berichtssaison zum zweiten Quartal seien erneute Kursrückschläge in den Sommermonaten nicht auszuschließen. Für den Nemax-All-Share-Index rechnen sie ebenso wie für den Nemax 50 bis Jahresende mit einem Kursziel von 1900 bis 2100 Punkten. Effler rechnet für den Nemax-All-Share mit einem Kursziel von 2000 Punkten auf Sicht der nächsten sechs Monate.

Am Dienstag fiel der alle Werte des Segmentes umfassende Nemax-All-Share-Index um über drei Prozent auf ein Jahrestief von 1405 Punkten, der Auswahlindex Nemax50 büßte in der gleichen Größenordnung auf 1307 Stellen ein.

Effler zufolge könnte es beim Nemax 50 mit "weiteren großen Enttäuschungen" nochmal in Richtung 1200 Punkte gehen. Die Einschätzung der Commerzbank zum Neuen Markt sei derzeit "relativ verhalten bis negativ", fügte Effler hinzu. "Wir sehen keinen richtigen Grund, warum es auf breiter Basis nach oben gehen sollte". Von den großen Unternehmen sind Effler zufolge keine guten Nachrichten zu erwarten, die Sektoren Internet und Software seien "weiterhin schlecht" und auch der Biotech-Sektor bekomme langsam Probleme. Der Analyst erwartet, dass die Insolvenzen am Neuen Markt zunehmen werden und zwischen fünf und zehn Prozent der Unternehmen in den nächsten sechs bis zwölf Monaten Konkurs anmelden werden.

Effler sagte weiter, der Markt konzentriere sich nur noch auf die größten Titel des Segmentes. Kleine Titel spielten für Investoren gar keine Rolle mehr. Insbesondere ausländische Investoren schauten nur noch auf die größeren Titel. Nach Angaben der DG Bank bilden die 13 größten Unternehmen 51 % der Kapitalisierung des Neuen Marktes ab, sie repräsentieren aber nur 3,8 % der Gesellschaften. Auch in Zukunft erwarten die DG-Bank-Analysten eine stärkere Fokussierung des Anlegerinteresses und der Liquidität auf die Werte des Nemax50. Zu den "Top-Empfehlungen" der DG Bank für Anleger mit einem mittel- bis langfristigen Anlagehorizont gehörten Aixtron, Evotec OAI, InternationalMedia und Lambda Physik. Effler zählt Medion, PC-Spezialist , Macropore und Funkwerk zu seinen Favoriten.



Den Analysten der DG Bank zufolge besteht für den Neuen Markt trotz der bereits stark gefallenen Kurse noch ein Restrisiko, dass die Notierungen weiter nachgeben. Das Sentiment werde nach wie vor von makroökonomische Belastungsfaktoren wie eine restriktive IT-Investitionspolitik, die Abschwächung der Weltkonjunktur und dem schwachen Konsumumfeld belastet. Diese Faktoren verhinderten einen in der Breite optimistischen Ausblick der Unternehmen. Dieses Szenario sei inzwischen nicht nur in den USA relevant, auch in Europa sei ein ähnliches Verlaufsbild der konjunturellen Entwicklung zu sehen. Der von der Struktur zwar nicht vergleichbare, aber - psychologisch gesehene - wichtigste Impulsgeber für den Neuen Markt sei nach wie vor die US-Technologiebörse Nasdaq. Ihre Entwicklung ist nach Ansicht der DG-Bank-Analysten die entscheidende Antriebskraft für einen neuen potenziellen Kursaufschwung am Neuen Markt.



Nach Einschätzung der DG-Bank-Analysten werden sich die Aussichten für Neuemissionen im zweiten Halbjahr 2001 und im Jahr 2002 leicht verbessern. Unter der Annahme, dass die "Pipeline" an Kandidaten weiter gut gefüllt sei, sollte sich der "Emissionsstau" in Verbindung mit einer zurückgehenden Volatilität der Märkte und einer verstärkten Nachfrage der institutionellen Kunden und Pivatkunden nach neuen Werten langsam auflösen. Die Qualität einer Neuemission werde allerdings weiterhin der entscheidende Faktor für eine erfolgreiche Platzierung sein. Effler sagte, im laufenden Jahr werde es seiner Einschätzung nach noch maximal 30 Neuemissionen geben.

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