Konzentration auf Weltmeisterschaft
Die ARD will nicht als Sanierer der Bundesliga auftreten

Am Tag nach dem "Schicksalstag für die Fußball-Bundesliga", wie die "Bild"-Zeitung aufgeregt verkündete, zog sich Fritz Pleitgen vorsichtshalber in den Hinterhalt zurück.

eah DÜSSELDORF. Der ARD-Vorsitzende mochte zum Thema Kirch nichts mehr sagen - abgesehen von ein paar dünnen Sätzen via Pressemitteilung: "Der Insolvenzantrag der Kirch-Gruppe stellt für die ARD keine Überraschung dar. Für die ARD hat das keine unmittelbaren Auswirkungen. Wir hoffen, dass die Mitarbeiter der Kirch-Gruppe ihre Arbeitsplätze behalten werden, denn SAT 1 und Pro 7 beispielsweise sind wertvolle Teilnehmer im dualen System."

Für diesen Beitrag durfte Borussia-Dortmund-Fan Pleitgen nicht gerade Szenenapplaus erwarten, er war ungefähr so spannend wie torlose 90 Minuten zwischen Cottbus und St. Pauli. ARD-Sprecher Rüdiger Oppers übernahm die Feinarbeit und stellte mit Blick auf die Bundesliga-Rechte fest: "Wir warten nicht auf Beute." Es gebe weder Verhandlungen noch Probesendungen für den Fall, dass die Rechte in nächster Zeit wieder auf den Markt kämen. Vor allem aber gebe es kein weiteres Geld für Fußballsendungen.

"Natürlich würden wir die Sportschau gerne wieder in Bestform sehen. Und natürlich ist die Bundesliga ein gutes Produkt mit einem gewissen Wert", erläuterte Oppers. "Aber nicht mit einem Wert, den Kirch glaubte, ihr ebenso wie viele Vereinspräsidenten, beimessen zu können." Finanzielle Umschichtungen zu Gunsten des Fußballs schloss der Pressesprecher aus: "Um vermehrt Fußball senden zu können, wird es keine Einsparungen bei den anderen Programminhalten geben." Gebührenerhöhungen kämen ebenfalls nicht in Frage. Oppers: "Es kann nicht sein, dass wir auf diesem Wege die Probleme des Fußballs lösen. Wir wollen jedenfalls nicht als Sanierer auftreten." Und doch wäre es fahrlässig, wenn der Sender nicht längst ausloten würde, wie eine künftige Zusammenarbeit mit der Deutschen Fußball-Liga aussehen könnte. Dass sich ARD und andere mögliche Interessenten in einer verbesserten Position befinden und die Klubs wohl vom hohen Ross absteigen müssen, bewies ein ziemlich aufgeregter Reiner Calmund.

Der Manager von Bayer Leverkusen drohte im ZDF all jenen Ungemach an, die "in Geisterkostümen herumlaufen" und jetzt versuchten, den Preis zu drücken: "Mit einem Pokerface ist mit uns gar nicht gut essen." So sprechen einst Umgarnte, denen die Felle mehr und mehr davon schwimmen. Immerhin müssen die Calmunds der Liga damit rechnen, dass die eingeplanten Überweisungen für die nächste und übernächste Saison (360 und 460 Millionen Euro) geringer ausfallen werden. Das tut weh.

Ob die ARD und andere Sender bald wieder ins Rennen einsteigen oder nicht, wird sich zeigen. Derzeit gilt beim Ersten - offiziell zumindest - die Konzentration der Sicherung der Vertragsinhalte mit Kirch bezüglich der Fußball-Weltmeisterschaften 2002 und 2006. "Das wird kompliziert genug", bemerkte Oppers. Der Weltfußballverband Fifa bestätigte, dass die TV-Rechte an den beiden WM-Turnieren von der Kirch Media auf die von der Insolvenz nicht betroffene Kirch-Sport mit Sitz in der Schweiz umgeschrieben wurden.

Welche Folgen das Prozedere für die WM-Übertragungen des Pay-TV-Senders Premiere World haben wird, ist noch nicht abzusehen. Gestern teilte Kirch-Sanierer Wolfgang van Betteray mit, dass auch für Kirch-Pay-TV Insolvenzantrag gestellt worden sei. Wenig später dementierte ein Premiere-Sprecher. Dem Schicksalstag für die Bundesliga werden weitere folgen - und die haben nicht nur mit Fußball zu tun.

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